Legendäre Spieler der 60er und 70er Jahre

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    • 13. Februar 2018 - der 1.FC Köln wird 70 Jahre alt

      Mein Vater - immerhin bis zu seinem Tode schon über 45 Jahre Mitglied des 1.FC Köln - nahm mich 1967 zu meinem ersten Bundesligaspiel mit. Da spielte der FC gegen Werder Bremen und gewann 4:1. Und anschliessend ging
      es zum Geissbockheim und da durfte der "Kleine" die vielen Pokale bestaunen, das prächtige Clubhaus und es gab ein Kotelett mit Pommes und eine Limo. Und dann gab es noch diesen eindrucksvollen Mann mit der Zigarre, der
      wie ein König durch die Reihen schritt und Hof hielt. "Das ist der Boss", sagte mein Vater - gleichsam mit Pathos und Ehrfurcht in der Stimme,

      Der "Boss" war Franz Kremer und eben dieser Franz Kremer - eine zu Lebzeiten schon legendäre Gestalt - hatte der Fusion von Sülz und dem KBC die richtige Richtung gegeben. "Wollen Sie mit mir Deutscher Meister werden?!",
      war seine Frage und diese Frage durfte man doch nicht mit Nein beantworten, dem Nein zu einer Fusion. Kremer formte den 1.FC Köln und von da an schaute der FC nicht mehr zurück.

      Aufstieg in die oberste Spielklasse mit einem gewissen Hennes Weisweiler als Spielertrainer 1949. Von 1949 - 1963 war der FC in der Oberliga West vertreten und zumeist vorne vertreten. Zum guten Schluss holte man die West-
      meisterschaften in Serie. 1954 bestritt der FC sein erstes Pokalendspiel, welches in der Verlängerung mit 0:1 gegen Stuttgart verloren ging. In der deutschen Endrunde war die Mannschaft permanent vertreten, aber es dauerte
      bis 1960, daß man sein erstes Endspiel bestritt. In Frankfurt gegen den HSV und man unterlag mit 2:3. Zwei Jahre später wurde der FC erstmals Meister, als man den ruhmreichen 1.FC Nürnberg mit 4:0 aus dem Stadion schoss.
      Das "Real Madrid des Westens" war geboren. 1963 erfolgte das nächste Endspiel - 1:3 gegen Borussia Dortmund, der Ausfall von Starstürmer Christian Müller konnte nicht aufgefangen werden.
      Grosse Spieler des FC prägten diese Oberliga West. Mebus, Dörner, Röhrig, Stollenwerck, Sturm, de Munck, Thielen, Wilden, Habig. Besagter Christian Müller. Und vor allem natürlich der Kapitän, Hans Schäfer. Weltmeister von
      1954, ein Held von Bern. Eine deutsche Legende, noch mehr eine Kölner Legende.
      Zusammen mit "Boss Kremer", dessen verlängerter Arm er auf dem Spielfeld war, prägte er eine Ära. Die Kölner waren führend in Deutschland, galten als erster Profiklub der Republik - auch wenn es das damals noch gar nicht
      gab. Trainerikonen der Zeit traten am Geissbockheim auf. Hennes Weisweiler und Istvan Szabo, Oswald Pfau und - unvergessen - Tschik Cajkovski, der erste Meistertrainer.

      Der Übergang in die Bundesliga geschah nahtlos. Das Kölner Starensemble - verstärkt durch junge Wilde namens Overath und Weber - marschierte durch die erste Bundesligasaison wie das Messer durch die heisse Butter und wurde
      absolut unangefochten der erste Deutsche Bundesligameister. Ewert, Pott, Regh, Sturm, Benthaus, Wilden, Overath, Thielen, Müller, Hornig, Schäfer, Weber - das waren die Namen, die die Liga beherrschten. 1965 folgte die
      Vizemeisterschaft und die denkwürdige Trilogie gegen den FC Liverpool mit dem unvergessenen 2:2 nach Verlängerung in Rotterdam mit anschliessendem Münzwurf. Ein Drama, das Wolfgang Weber mit gebrochenem Wadenbein
      durch hielt. Unfassbar nach all dieser Zeit.

      Der Abschied von Hans Schäfer 1965 markierte die erste Zäsur. Köln 5ter der Liga, musste sich neu ordnen. Neue Spieler wie ein gewisser Heinz Flohe aus Euskirchen kamen nach Köln. Hannes Löhr war schon seit 1964 dabei,
      Heinz Simmet fand den Weg zum FC. 1968 wurde der FC erstmals deutscher Pokalsieger - der VfL Bochum musste sich 4:1 in Ludwigshafen geschlagen geben. Bevor es dazu kam, gab es die zweite grosse Zäsur. Köln verlor seinen
      Spriritus rector, der Boss verstarb - viel zu früh - am 11. November 1967. Den Club - auf ihn ausgerichtet - traf es schwer. Oskar Maas übernahm und der FC stand in der Saison 68/69 vor dem Abstieg. Trotz Nationalspieler wie
      Overath, Weber, Löhr, Hornig, Thielen konnte das Drama erst am allerletzten Spieltag gegen Nürnberg abgewendet werden - zu schwer wog der verletzungsbedingte und langwierige Verlust des jugoslawischen Torwartes
      Milutin Soskic.
      In den Jahren zeigte sich der FC gut erholt und das obwohl man - aufgrund der Neuerrichtung des Stadions - in die kleine Radrennbahn umziehen musste. Der FC erreichte dreimal - in den Jahren 70,71 und 73 das Endspiel um
      den Pokal und verlor dreimal. Gegen Offenbach mit 1:2, gegen die Münchener Bayern mit 1:2 in der Verlängerung und beim Jahrhundertendspiel gegen Mönchengladbach mit 1:2 in der Verlängerung. Unvergessen dieses Spiel für
      alle, die es sehen durften. In der Meisterschaft wurde man 1973 Vizemeister und in den Jahren von 1971 bis 1975 wurden eine Menge guter und junger Spieler wie Konopka, Hein, Zimmermann, Gerber, Strack, Cullmann, Neumann,
      Glowacz und Dieter Müller integriert. Die Mannschaft schien langsam reif für mehr, zumal sie mit Simmet, Overath und Flohe ein Mittelfeld der europäischen Extraklasse stellte. Der Kapitän Wolfgang Overath, Heinz Flohe(ein
      unglaublicher Rastelli, ein wahrer Hexenmeister des runden Leders) und Bernd Cullmann wurden Weltmeister 1974 - auch ein Beweis der Schlagkraft des damaligen Kaders, denn die deutsche Liga war seinerzeit die stärkste der
      Welt.
      1976 kam der verlorene Sohn nach Köln zurück. Hennes Weisweiler kam aus Barcelona und sollte dem Kölner Starensemble zu Titeln verhelfen. So wollten es Peter Weiand, der Oskar Maas beerbt hatte und Karl-Heinz Thielen, der
      vom Spieler zum Manager aufgerückt war. Und der FC hatte wahrlich einen Kader, mit welchem man solche Träume haben konnte. Mit der deutschen Meisterschaft wurde es erst einmal nichts - stattdessen gab es in dieser
      Saison einen unglaublichen Knatsch zwischen Weisweiler und Overath(an dem der Trainer mehr Anteil hatte als der Spieler) und an dessen Ende Overath resignierte und im Mai 1977 zurück trat. Eine Zäsur zweifelsohne, ein
      Abschied nicht ohne Beigeschmack. In dieser Saison ging endgültig der Stern von Dieter Müller auf, der in Liga und Pokal im Grunde genommen nach Belieben traf. 50 Pflichtspieltore in einer Saison und die wichtigsten waren
      die im doppelten Pokalfinale 1977 gegen Hertha BSC. 1:1 nach Verlängerung und 1:0, jeweils in Hannover - und der FC war endlich wieder Pokalsieger. Ein Jahr später reichte es zum Double. Köln wurde Meister im Herzschlag-
      finale gegen Gladbach und Pokalsieger gegen Düsseldorf nach Toren von Cullmann und van Gool. Die Freude in Köln war riesig und die Könige waren Hennes Weisweiler und sein Kapitän Heinz Flohe, der die beste Saison seines
      Lebens gespielt hatte. Künstler, Regisseur, Hexenmeister und Torschütze - mit einem Wort: Weltklasse.

      Ein Jahr später war die Ehe Weisweiler/Flohe geschieden. Der Kapitän wurde zum Sündenbock, alles stand unter dem Stern des unseligen und unglücklichen Ausscheidens gegen Nottingham Forrest im Halbfinale des damaligen
      Europapokals der Landesmeister. 0:1 in Köln, nach dem 3:3 in Nottingham. Was für ein Drama, was für eine verpasste Chance. Heinz Flohe ging nach München zu 1860, brach sich gegen den späteren Kölner Steiner sehr kompli-
      ziert das Bein und absolvierte nie mehr ein Spiel. 2015 verstarb einer der grössten Kölner Spieler, nachdem er drei Jahre zuvor in ein Wachkoma gefallen war.

      Weisweiler selber brach 1980 die Zelte ab - im Streit mit Weiand, der ihm eine gewünschte Vertragsverlängerung nicht anbieten wollte oder konnte. Heddergott kam und überwarf sich mit dem grössten Kölner Hoffnungsträger
      Bernd Schuster, der anschliessend für die seinerzeit unfassbar hohe Summe von 3,8 Millionen DM nach Barcelona verkauft wurde. In Köln übernahm wenig später der knorrige Rinus Michels, der binnen kurzem den FC zwar in die
      Spur brachte - Vizemeister 1982 und Pokalsieger 1983 - aber die Spieler durch seine knallharte Art gegen sich auf brachte - Scheidung im Herbst 1983. Da hatte es beim FC schon wieder fast einen Generationswechsel gegeben.
      Klaus Allofs war aus Düsseldorf gekommen, Steiner aus Duisburg. Pierre Littbarski - schon unter Weisweiler eingesetzt - war einer der Kölner Lieblinge und ein echter Spitzenspieler. Thomas Engels spielte im Mittelfeld und
      Toni Schumacher regierte unangefochten die Mannschaft. Und manchmal auch den Club. Dachte er. Bis das Präsidium ihm sehr deutlich klar machte, wer es denn wirklich zu sagen hatte: Vereinsinterne Sperre für den "Tünn", der
      danach einigermassen sprachlos war. In der Bundesliga wurde der FC 1985 3ter, brach im Jahr darauf ein, aber erreichte die Endspiele um den UEFA CUP gegen Real Madrid. 1:5 in Madrid, 2:0 in Berlin gegen Real - es reichte
      wieder nicht. In diesem Jahr hatte Georg Kessler schon Hannes Löhr, die Vereinsikone ersetzt. Löhr - Spieler, Manager, Assistenztrainer und dann Trainer - eine Ikone des Vereines musste nach fünf Niederlagen in Serie gehen. Für
      alle, die dabei waren, ein echtes Frusterlebnis. Kessler selber machte es nicht lange in Köln, ein gewisser Christoph Daum übernahm. Und ein halbes Jahr später wurde ihm ein gewisser Udo Lattek als Sportdirektor zur Seite
      gestellt.
    • 13. Februar 2018 - der 1.FC Köln wird 70 Jahre alt, Teil 2

      Neu war auch das Präsidium. Statt Weiand gab es da einen Herrn Artzinger - Bolten. Der FC startete unter neuer Führung und neuem Trainer und Sportdirektor richtig durch. Der alte Manager Thielen -ebenfalls demissioniert -
      hatte noch Jürgen Kohler aus Waldhof und Fleming Poulsen aus Madrid geholt. Lattek organisierte die Heimkehr des verlorenen Sohnes - Littbarski kam zurück aus Paris. Armin Görtz war aus Belgien gekommen und spielte
      gross auf. Genauso wie Thomas Hässler, wie Littbarski ein gebürtiger Berliner. Der FC spielte wieder um deutsche Meisterschaften mit. 1988 wurde man Dritter, 1989 und 1990 Vizemeister und erreichte das Halbfinale des
      UEFA Pokales, welches gegen Juventus Turin mit 2:3 und 0:0 verloren ging. Bei der nachfolgenden WM waren vier Kölner im Aufgebot: Ilgner, Littbarski, Hässler und Steiner und die ersten drei standen in der Startformation
      beim WM Endspiel gegen Argentinien. Für Littbarski nach zwei Vizeweltmeisterschaften ein Riesentriumph.

      Kurz danach war die Kölner Fussballwelt zusammen gebrochen. Artzinger - Bolten und seine Adlaten Neukirch und Söller hatten in einem denkwürdigen Auftritt im WM Trainingslager der Nationalmannschaft den Trainer
      Daum fristlos entlassen(zu Recht, denn Daum hatte beim voran gegangenen Transfer von Icke Hässler nach Turin eine dubiose Rolle gespielt). Steiner erlitt im ersten Saisonspiel einen Kreuzbandriss und spielte nie wieder und
      Littbarski verletzte sich ebenfalls schwer am Kreuzband. Etwas mehr als ein Jahr später kam es zum Riesentheater um fehlendes Geld(die "Hässler Millionen") und das ohnehin schwer umstrittene Präsidiumstrio musste das
      Feld fluchtartig räumen. Zwar erreichte der Club 1991 das Endspiel um den Pokal, welches dann per Elfmeterschiessen gegen Bremen verloren ging und wurde 1992 Bundesligavierter - aber kein Zweifel, mit diesem FC Köln
      ging es nun bergab.

      Mittelmässige Plazierungen in der Liga, permanente Trainerwechsel, ein schwaches Präsidium unter Präsident Hartmann - der Weg nach unten war programmiert. Spieler wie Bodo Ilgner verliessen den Klub, Publikumslieblinge
      wie Toni Polster sorgten zwar für gute Leistungen und gute Laune aber wirklich Wettbewerbsfähig war der einstmals stolze Vorzeigeklub nicht mehr. Hartmann demissionierte unter dem Eindruck schlechter Finanzen und
      1998 stand der erste Abstieg aus der Liga fest. Abgewirtschaftet musste der FC eine Etage tiefer wieder anfangen. Es war das passiert, was Franz Kremer immer kategorisch ausgeschlossen hatte:"Egal, was passiert, wir müssen
      immer erstklassig bleiben".
      Der neue Präsident hiess Albert Caspers, ein Mann der die finanzielle Lage sanierte. Im zweiten Jahr nach dem Abstieg kam Ewald Lienen nach Köln und der FC stieg 2000 wieder auf. Blieb unangefochten in der Liga und stieg dann
      trotzdem sehr unerwartet im Jahr 2002 wieder ab. Ein Jahr später wieder auf und im selben Jahr ging der Stern des Lukas Podolski auf - ein Publikumsliebling ohnegleichen. Albert Caspers - schwer angeschlagen nach einem
      weiteren Abstieg des FC - trat unter einer beispiellosen Medienkampagne zurück und neuer Präsident des 1.FC Köln wurde der ehemalige Deutsche Meister, Weltmeister, Weltklassespieler - Wolfgang Overath. Unzählige Kölner
      verbanden mit seinem Antritt endgültig den Glauben an die grosse Renaissance des FC. Overath amtierte bis November 2011. Er weckte grosse Hoffnungen, sie trogen(fast) alle. Eine Kaskade von Übungsleitern gab sich die Klinke
      in die Hand, Abstiege wechselten mit Aufstiegen. Ende 2006 wurde beispielsweise Christoph Daum zurück geholt, dessen erste Amtshandlungen im Winter 2006/2007 Investitionen in neue Spieler darstellten, die grössten Teiles
      nicht einmal für die zweite Liga taugten. E>in Jahr später stieg Daum mit Köln auf und blieb 2 Jahre in der Liga. Zusammen mit Manager Meier richtete er unter Duldung des Präsidiums ein finanzielles Desaster an und demissionierte
      Ende Mai 2009. Zurück kam dafür Lukas Podolski, dem man versprochen hatte um ihm eine starke Mannschaft aufzubauen. Doch die finanziellen Ressourcen waren mit dem Podolski Transfer erschöpft und Köln blieb bestenfalls
      Mittelmass. Ende November 2011 trat Overath zurück und hinterliess einen veritablen Schuldenberg, eine verunsicherte Söldnertruppe unter einem schwachen Trainer Solbakken. Dessen Entlassung nutzte nichts mehr - Köln
      stieg am 12.05.2012 sang - und klanglos aus der Liga ab. Vorher - am 23. 04. 2012 - war das neue Präsidium mit Spinner, Ritterbach und Schumacher angetreten und fand einen beispiellosen Scherbenhaufen vor.

      Der FC sortierte sich neu in Liga zwei und im Jahr 2013 kamen dann Manager Schmadtke und Trainer Stöger nach Köln. Der FC stieg auf, der FC gesundete zusehends finanziell. Der FC fand neue, junge und interessante Spieler
      wie Timo Horn, Jonas Hector, Dominic Maroh. Der FC blieb unangefochten in der Liga und verbesserte sich in jeder Saison und schaffte in der Saison 2016/17 fast ein Mirakel. Platz 5 in der Liga, das hiess Europa und niemand
      hatte daran mehr Anteil als Tony Modeste, der 25 Tore für Köln erzielte.

      9 Monate ist das jetzt her und das Kölner Kartenhaus ist wieder einmal zusammen gefallen. Stöger und Schmadtke demissionierten. Modeste wurde nach China verkauft, für viel Geld. In Europa gab es nicht viel zu ernten und
      in der Liga war der Misserfolg der stetige Begleiter. 3 Punkte nach 16 Spielen in der Hinrunde, erst am letzten Spieltag des ersten Durchganges konnte der erste Sieg eingefahren werden - 1:0 gegen Wolfsburg.

      13 Punkte nach 22 Spieltagen lautet das Ergebnis - der Abstieg scheint wieder einmal programmiert. Er mag vermieden werden, durch welche Glücksfälle auch immer. Wenn nicht - der FC wird wieder aufstehen. Wieder einmal,
      das Liegen Bleiben ist nicht des Kölner`s Sache. Fehler wurden immer begangen, Fehler wie in der Transferperiode 2017/18 selten. Franz Kremer wollte unbedingt Deutscher Meister werden. Und er wurde Deutscher Meister.
      Der Klub muss sich Ziele setzen. Ein Ziel lautet: unbedingt in der Liga bleiben. Ein anderes Ziel lautet: unbedingt wieder aufsteigen, wenn wir absteigen. Das grösste Ziel aber muss immer bleiben, daß der Verein für die
      Stadt Köln, für die vielen Anhänger Identifikationsstiftend ist. Ein Anker in wechselnden Zeiten. Das hat der FC immer gekonnt, auch wenn ihm so manches daneben gegangen ist. Der FC ist Köln und Köln ist der FC.

      Ad multos annos, lieber FC - und danke für all die wunderbaren Zeiten!

      Soll/Ist
    • Am 18.02.1978 - 40 Jahre her - da musste der FC zum schweren Auswärtsspiel nach Dortmund. Köln war blendend in Schuss, gerade hatte man den HSV mit 6: 1 zu Hause zerlegt. Und fuhr wohlgemut, aber nicht hochmütig nach
      Dortmund. Ein schweres Handicap hatte der FC im Gepäck - Schützenkönig Müller musste verletzt passen. Ihn ersetzte in der Sturmmitte Okudera und für den spielte Willmer Linksaussen.
      Das Spiel war eine Minute alt - Elfmeter für Köln nach Foul an Okudera. Heinz Flohe liess sich die Chance nicht entgehen - 1:0 für den FC.

      Köln hatte danach noch zwei Chancen gegen sichtlich angeschlagene Dortmunder. Einen liess Roger van Gool ziemlich uninspiriert liegen(was ihm prompt einen Rüffel von Hennes Weisweiler einbrachte) und bei der anderen hatte
      Okudera Pech, als er sich gegen drei Gegner sehr gut durch setzte, der Torwart der Dortmunder aber famos hielt. Danach spielt zunächst mal Dortmund, das die Oberhand im Mittelfeld gewann. Heinz Flohe hatte gegen Votava
      einen sehr ungemütlichen Nachmittag und Neumann und Cullmann mussten eine enorme Laufarbeit verrichten, weil die Dortmunder es geschickt machten: permanent rückten ein Verteidiger und ein Innenverteidiger auf und
      setzten offensive Akzente. Die Kölner Abwehr spielt gut, Konopka eisenhart gegen Lippens, Strack sehr konsequent gegen Kostedde und Cullmann machte im Mittelfeld Burgsmüller das Leben genauso schwer wie Votava eben Flohe.
      Dortmund hatte Chancen, aber der beste Mann bei Köln spielt im Tor - Schumacher mit einer absolut fehlerhaften Leistung. Nach 30 Minuten war er allerdings machtlos gegen einen Schuss von Geyer, als Gerber und Zimmermann
      sich nicht einig wurden. Bei Halbzeit war das Fazit: Bombenspiel von beiden Seiten, grosser Unterhaltungswert. Famose Kölner, famoser BVB.

      In Halbzeit 2 ging es munter weiter und ein paar Minuten nach Halbzeit hatten beide Seiten schon ein paar dicke Gelegenheiten liegen lassen. Flohe ärgerte sich zu Recht darüber, daß ich van Gool(der schoss direkt auf`s Tor) völlig
      frei übersehen hatte und Köln durfte sich zwei mal bei Schumacher bedanken, der zwei Gelegenheiten der Dortmunder durch gute Paraden zunichte machte. Nach einer Stunde bekommt Köln eine Ecke, die Flohe vor das Tor bringt.
      Aus dem Hintergrund kommt Cullmann und gegen dessen knallharten Kopfball ist kein Kraut gewachsen - 2:1 für Köln. Das wieder - Parallele zu HZ 1 jetzt 10, 15 Minuten richtig dominiert und die >Entscheidung verpasst. Ab der 75ten Minuten regiert Dortmund und Köln ist stark defensiv gebunden. Aber an Schumacher geht in diesem Spiel kein Ball mehr vorbei - der kommende Nationaltorwart zieht den Dortmundern den Zahn und so heisst nach 90
      Minuten(und ein wenig mehr) 2:1 für Köln. Sehr gutes Spiel von beiden Seiten, vermutlich wäre ein Unentschieden gerechter gewesen - aber den Sieg nimmt man beim FC gerne mit. Nicht zuletzt, weil in der Woche darauf es zu
      einem Art Endspiel kommen wird - der Tabellenzweite Gladbach kommt nach Köln. Müngersdorf ist ausverkauft und alles fiebert diesem Spiel entgegen.

      Das beste Fazit nach dem Spiel zieht Bernd Cullmann, Köln`s Siegtorschütze und bester Feldspieler seiner Mannschaft:"Hier gewinnst du nur mit einem guten Torwart. Und wir hatten heute den Besten". Ja, so war das in Dortmund
      vor 40 Jahren - eine weitere Etappe zur Meisterschaft.
    • 25ter Februar 1978, 1.FC Köln gegen Borussia Mönchengladbach

      Der Tabellenzweite und amtierende Meister Gladbach kommt nach Müngersdorf und spielt beim Tabellenersten, den 1.FC Köln. Weisweiler gegen Lattek. Die beiden mit Abstand besten Mannschaften dieser Spielzeit treten in den
      Ring. Köln hat 36:16 Punkte auf dem Konto, Gladbach(ein Spiel weniger) 32:18. Der FC hat die Chance viel Abstand zwischen sich und den Konkurrenten zu legen, Gladbach hat die Chance gleich zu ziehen. Gladbach brennt darauf,
      die Pleite aus der Hinrunde - als man 5:2 gegen hoch überlegene Kölner verlor - wieder gut zu machen. Auf dem Platz eine ganze Horde von hochkarätigen Spielern - alleine fünf Weltmeister stehen für beide Mannschaften auf dem
      Platz. 60.000 Zuschauer in Müngersdorf, das Stadion ist schon seit Wochen ausverkauft.

      Köln beginnt gut, aber Gladbach hält dagegen. Der FC früh im Pech, als Stopper Strack bereits nach einer Viertelstunde verletzt ausscheiden muss, Simmet ersetzt ihn. Rückt ins Mittelfeld, aus dem Cullmann zurück in die Defensive
      beordert wird. Bei Gladbach ist Bonhof überragend. Zweikampfstark und agil, schnell und präsent - unterbindet immer wieder Kölner Aktionen und fädelt eigene ein. Beim FC fällt besonders Zimmermann auf, der den dänischen
      Star Simonson durchgängig beherrscht und immer wieder aktiv nach vorne wird. Wimmer und Neumann neutralisieren sich im Mittelfeld fast komplett, während Kulik mit Flohe grosse Mühe hat. Allerdings wird der Kapitän manchmal
      zu eigensinnig. Das Spiel hat ein enormes Tempo und es fällt auf, daß die Gladbacher immer dann stark sind, wenn sie den Ball schnell nach vorne spielen, während Köln im Mittelfeld spielerisch stärker wirkt.
      Kurz vor der Halbzeit soll der unermüdliche Zimmerman auf aussen angespielt werden. Fehlpass - langer Ball auf den jetzt einmal freien Simonsson - und Gladbach führt mit 1:0. Nicht unbedingt verdient, aber eben auch nicht
      unverdient.

      Der FC kommt mit viel Wut aus der Kabine. Wut und mit einer beeindruckenden Präsenz. Die Kölner beginnen aber spätestens der 55ten Minute, die Gladbacher völlig einzuschnüren und die kommen manchmal für Minuten nicht mehr aus der eigenen Hälfte heraus. Aber in der Deckung wehren sie sich famos. Vogts und Wittkamp zuvorderst und Torhüter Kleff spielt eine brillante Partie und vereitelt mehrere Chancen der Kölner in Klassemanier. Insbesond-
      dere als er binnen 5 Minuten einen Kofpball von Cullmann, eine Volleyabnahme von Müller hält und einen famosen Schuss von Herbert Neumann aus dem Dreieck kratzt.

      Weisweiler bringt Willmer auf Linksaussen für Okudera und dieser Schachzug ist entscheidend. Neumann bedient Willmer auf Linksaussen, der passt sehr genau auf Flohe und der Kapitän schiesst aus 14 Metern ins Tor - dieses
      Mal hat Kleff nicht einmal den Hauch einer Chance. 86te Minute - und 1:1. Wer erwartet hätte, daß Köln das Remis unter Dach und Fach bringt - der sah sich getäuscht. In den letzten Minuten rollten die Angriffe weiter permanent
      auf das Gladbacher Tor - Köln hat das Momentum auf seiner Seite und offensichtlich auch die überlegende Physis. Die Gladbacher bringen das Unentschieden irgendwie über die Zeit - mit Glück und Geschick.

      Die Entscheidung in der Meisterschaft ist vertagt, es sollte noch dramatischer werden als an diesem schönen Fussballnachmittag in Köln. Ein verdientes Remis habe er gesehen, so der Gladbacher Trainer Udo Lattek. Weisweiler
      sprach hingegen von einem glücklichen Unentschieden für den VfL und lag näher bei der Wahrheit. Zu dominant war der FC in der zweiten Halbzeit aufgetreten.

      In jedem Falle war es ein einfach grosses Spiel mit brillanten Einzelkönnern - ein Spiel an das man sich gerne erinnert.

      Nach dem Spiel trafen wir in einer Kneipe auf ein paar Gladbacher Fans aus unserer Heimat. Die waren genau wie wir begeistert vom Spiel, wenn sie auch mit dem späten 1:1 schwer leben konnten. Gaben aber zu, daß es mehr
      als verdient war. Einer schwärmte mir dauernd was von Zimmermann vor. Das wäre der beste Verteidiger, den er seit Jahren gesehen hätte. Tja, der "Zimbo" war schon klasse. Schade, daß er nachher so viel Probleme mit seinem
      Rücken hatte.
    • 28ter Februar 1998 und der 1.FC Köln gastiert in München, beim Tabellenzweiten. Köln hatte das voran gegangene Spiel zu Hause gegen den HSV mit 1:2 verloren und schwebte als 15ter der Tabelle in arger Not. Bayern hoher
      Favorit, zumal Toni Polster gesperrt fehlte.
      Ich konnte den Besuch im Münchener Olympiastadion kombinieren mit einer Einladung zu einem Geburtstag. ÜBERRAGEND!!

      45.000 Zuschauer sahen Bayern, die in der ersten Halbzeit sehr dominant auftraten und den FC nach Belieben beherrschten. Angriff auf Angriff auf das Kölner Tor und Treffer schienen nur eine Frage der Zeit zu sein. Basler, Scholl,
      Elber, Jancker - das war schon eine beeindruckende Offensivarmada. Und wenn dann noch Matthäus und Helmer nach vorne gingen, dann brachte es lichterloh vor dem Kölner Tor. Nur, die Münchener dominierten zwar, spielten
      die Kölner an die Wand, hatten Chancen - aber sie trafen nicht. Sie trafen nicht und das hätte sich fast schon vor der Halbzeit gerächt, als Helmer Azizi zu Fall brachte - und der Schiri aus einigermassen unerfindlichen Gründen
      keinen Strafstoss gab.

      Der war dann vier Minuten nach der Halbzeit fällig. Helmer stellte sich wieder dämlich an, Azizi fiel und Elfmeter. Münch verwandelte bombensicher. Und aus war es mit der Münchener Herrlichkeit. Ich sass mitten unter Baju-
      waren, die mich vor der Halbzeit entweder mitleidig angesehen hatten oder aber mit dämmlichsten Sprüchen eingedeckt hatten - und die jetzt entrüstet über die Umständlichkeit ihrer eigenen Mannschaft waren. Denn München
      kam nicht wieder - Chancen gab es kaum noch. Stattdessen gab es nach gut einer Stunde einen blitzsauberen Kölner Konter. Munteanu auf den links durch startenden Münch, der in die Mitte zu Azizi - da gab es für einen tobenden
      Olli Kahn im Münchener Tor nichts zu halten, 0:2. Köln danach jederzeit Herr der Lage. Munteanu drehte den Münchenern im Mittelfeld ein um das andere Mal eine Nase, Hauptmann spielte einen sehr guten Libero und Azizi
      bekamen die Münchener nicht zu "packen". Fünf Minuten vor Schluss musste der FC das 3:0 machen, aber die Chance wurde dann Kabarettreif verdasselt - es war auch so gut.

      Einsamer Triumphator unter all den Münchenern: Ich. Und ich grinste wie ein Honigkuchenpferd, das darf man mir glauben. 2:0 bei den Bayern, das tat gut.

      Abends Geburtstag. Superfeier. Erneut einsam unter den Bajuwaren. Und erneut war ein Kölner der beste Mann auf dem Platz und der war ich. 6 Uhr morgens und ich war der letzte von allen - Sternhagelvoll.
    • Fünf Jahre später war ich mit dem FC Ende Februar bei einem Sonntagsspiel in Lübeck. Lohmühle heisst das Stadion. Der FC war souveräner Tabellenführer. In Liga 2 wohlgemerkt. Trainer war ein gewisser Friedhelm Funkel, heutzutage der Nestor unter den deutschen Trainern. Der Altmeister sozusagen.

      Funkel liess zu Hause relativ offensiv spielen - das hiess man sah in dieser Saison in Müngersdorf relativ viele Tore der Heimmannschaft. Auswärts gab es nur eine Devise - Schotten dicht. Das war oft Fussball zum Abgewöhnen, aber
      recht erfolgreich. Jedenfalls verlor man nicht. Bis zum Auftritt an der Lohmühle gab es in 10 Auswärtsspielen 3 Siege und 7 Remis. Der FC hatte 15 Tore erzielt und sage und schreibe auch nur 12 kassiert. Ich wäre nie im Leben auf
      die Idee gekommen nach Lübeck zu reisen - aber ich hatte am nächsten Tag einen Termin in Hamburg. Das traf sich, also auf nach Lübeck.

      Was sagte ich?! Ach ja, Köln war souveräner Tabellenführer - im Grunde genommen gab es zu diesem Zeitpunkt schon keinen Zweifel mehr am Aufstieg. Da hätte man meinen können, daß man vielleicht auswärts etwas offensiver
      aufläuft und den mitgereisten Fans was bietet.

      Aber doch nicht mit Onkel Friedhelm. Der stellte mal wieder schön defensiv auf und vor allem defensiv ein. Der gute Dirk Lottner im Mittelfeld bekam Genickstarre, denn die Bälle flogen selten zu ihm(damit er das Spiel gestalten
      könne), aber permanent über ihn hinweg. Hinten kloppten Cichon, Cullmann(Junior) und Voigt, was das Zeug hielt und hielten die zaghaften Bemühungen der Lübecker in Grenzen. Und wenn es zu Chancen kam - was durchaus
      spärlich war - dann hatte der FC die Gelegenheiten. Halbzeit nach einem wahren Fussballfest 0:0.
      Naja, denke ich - dann gehst du mir mal ein Bier holen. Ich gehe und stehe also am Bierstand und dann fährt eine mächtige Hand auf meine Schulter und verpasst mir eine, daß die Knochen krachen."Mensch, was machst du denn
      hier?!"...Und seltsam, ich weiss sofort wer es ist. Der "dicke Bulli" ein Kumpel vom Bund. Bulli war Lübecker und eigentlich war er gar nicht so dick. Er war einfach massig und hatte einen Mordshieb(was einige Leute, die ihn beim
      Bund kennen lernten wohl bestätigen würden). Ich drehe mich um und sage:"Bulli, hast du nicht alle Tassen im Schrank?!(meine Güte, tat mir die Schulter weh)".....Und wir fallen uns in die Arme.
      Bulli und ich bleiben also erstmal am Bierstand stehen - so ergiebig war das Spiel nicht. Trinken uns ein Bier. Dann noch eins. Und noch eins. Lübeck macht das 1:0 und wir gehen mal zusammen gucken. Der FC macht das 1:1(ich
      glaube es war Kioyo) und das Spiel geht 1:1 aus. Können Bulli und ich prima mit leben.
      Bulli und ich und zwei seiner Kumpels - denen Bulli mich mit den Worten vor stellte:"Hier ist so ein Schei...Kölner,HAHAHA" - waren dann schön in Lübeck unterwegs. Kann ich empfehlen, die Stadt. Gepflegte Gastronomie. Wir waren
      wirklich gut essen und dann waren wir gut trinken. Naja, alte Zeiten - Bundeswehr und so weiter. Fussball, Job - wir hatten uns schon was zu erzählen. War ein prima Abend. Am nächsten Tag war ich vielleicht ein bisschen müde,
      aber ok - alles gut.

      Fussball ist ne feine Sache. Man lernt neue Leute kennen und sieht alte Freunde wieder.
    • UEFA Pokal - Vorgänger der Euroleague. Das war ein feiner Wettbewerb. Damals war es so, daß nur der Meister des jeweiligen Landes im Europapokal der Landesmeister spielte und die nachfolgenden Mannschaften(je nach
      Länderkoeffizient 1, 2, 3 oder 4 Teilnehmer) im UEFA Pokal. Das hiess, daß im UEFA Pokal regelmässig die Creme de la Creme Europa`s versammelt war. Wenn man sich die Siegerlisten an sieht, dann wird man wissen was ich
      meine.
      Der FC war dauernd im UEFA Pokal vertreten und der FC war in den 70er und 80er eine richtige "Pokalmannschaft". Für die Meisterschaft reichte es meistens wegen fehlender Konstanz nicht, aber in bestimmten Spielen konnte
      die Mannschaft sich wirklich auf ein bemerkenswertes Niveau steigern. Ein Zeugnis dafür war die Pokalbilanz des FC im deutschen Pokal. Von 1968 bis 1980 gab es 13 Austragungen. Köln erreichte 7 von 13 x das Endspiel, 1 x das
      Halbfinale, 4 x das Viertelfinale und nur einmal war vorher Schluss. Im UEFA Pokal(oder dem Vorgänger Messepokal) verhielt es sich fast ähnlich, wenn es auch nie zum Endspiel reichte. 1971 war im Halbfinale Schluss, 1975 dito.
      1974 Viertelfinale, dazu kam das Halbfinale im Europapokal der Landesmeister 1979.
      Im Viertelfinale des Wettbewerbes 1974/75 kam es zur Begegnung 1.FC Köln gegen FC Amsterdam. Nicht Ajax, sondern der "kleine" Amsterdamer Bruder. Diese Truppe hatte einen Ruf als relativ spielstarke, aber auch sehr hart
      spielende Mannschaft. Und sie hatte in Torwart Jan Jongbloed immerhin den Torhüter des Vizeweltmeisterteams von 1974.

      Gespielt wurde in der Radrennbahn - einem Stadion, welches zwar nur 28.000 Zuschauer fasste, aber in dessen Rund gerade bei Flutlichtspielen eine einmalige Athmosphäre herrschte. Das Stadion war an diesem Abend knapp
      ausverkauft und man hatte sich noch gesetzt, da stand es schon 1:0 für den FC. Heinz Flohe hatte Jongbloed überwunden. Köln spielte richtig gut, aber die schwungvollen Angriffe des FC wurden immer wieder von äussert ruppigen
      Attacken der Holländer unterbrochen. So ruppig, daß diese sich im Verlaufe der Spielzeit sechs gelbe Karten einsammelten. Nach 20 Minuten - Köln hatte glänzende Möglichkeiten ausgelassen - kamen die Holländer besser ins
      Spiel und erzielten nach 30 Minuten das 1:1. Was sie allerdings nicht davon abbringen konnte, weiterhin auf alles zu treten was sich bewegte. An der Aussenlinie sprang Trainer Cajkovski ob der rüden Gangart des Gegners wie
      ein leibhaftiges Rumpelstilzchen auf und auf. Was ihm dann gegen Ende der Halbzeit ein Donnerwetter des Schiris einbrachte. Was diesem wiederum ein gellendes Pfeifkonzert der Zuschauer einbrachte, denn trotz der gelben
      Karten war der Schiri zu milde mit den Gästen. Die Kölner Zuschauer brachte insbesondere auf die Palme, daß Mittelstürmer Müller zweimal kurz vor dem 16er in sehr guter Position auf äusserst rustikale Art und Weise gebremst
      wurde. Zwar gab es jeweils Freistoss, doch zu mehr war der Schiedsrichter nicht zu bringen. Müller hatte noch Glück, denn der Spielleiter übersah(oder wollte übersehen), daß Müller ihm nach der zweiten Aktion den Vogel
      zeigte. Für diese Aktion wurde dann wiederum Müller von Overath und Löhr massiv auf dem Platz zusammen gefaltet.

      Zweite Halbzeit - und jetzt ging es richtig los. Die Kölner waren ausser Rand und Band und spielten ausschliesslich nach vorne. Overath ein starker Regisseur, Simmet hielt ihm den Rücken frei. Neumann mit wertvoller Arbeit
      und Umsicht, Cullmann als Libero ausschliesslich im Vorwärtsgang. Den zweiten Durchgang sollten allerdings andere bestimmen. Der eine war Heinz Flohe - trickreich, schnell und Schussstark. Und der andere war Dieter Müller,
      der eine immense Laufarbeit verrichtete, die nur noch von seinem immensen Torriecher in den Schatten gestellt wurde. 2:1 Flohe fünf Minuten nach der Halbzeit und dann erzielte Müller binnen einer Viertelstunde einen
      lupenreinen Hattrick. Zwischendurch flog noch ein Holländer vom Platz - der Schiedsrichter hatte es dann doch irgendwann leid.
      Köln`s Spiel in der zweiten Halbzeit war eine Augenweide. Technisch anspruchsvoll, hohes Tempo und immer wieder bereit zum Torabschluss - einfach stark. Und mit Schumacher, Cullmann, Konopka, Zimmermann, Simmet, Flohe,
      Neumann und Müller standen 8 Leute der späteren Meistermannschaft schon auf dem Feld. Und diese Jungs hatte gerade mal ein Durchschnittsalter von etwas über 23 - Grosses kündige sich an.

      Im Rückspiel erzielte der FC ein 1:1 in Amsterdam und stand im Halbfinale.
    • Horn- Brecko Nasciemento Mc Kenna Hector - Lehmann Matuschyk Clemens Bröker Ujah Maierhofer. Eingewechselt wurden Jajalo(von meinen Söhnen stets NO NO LO genannt) und Royer(von meinen Söhnen stets Casino Royer
      genannt). Gegen wen spielten wir wann in dieser Aufstellung?!

      In Frankfurt am Bornheimer Hang gegen den FSV Frankfurt unter Trainer Holger Stanislawski Anfang März 2013 - vor fünf Jahren. Bude ziemlich ausverkauft, ich war mit meinen Söhnen da. Ein Sonntagsspiel.

      Köln im Grunde genommen von 90 Minuten 75 Minuten aktiver und besser. Aber was die Kölner vorne schon in den ersten 25 Minuten liegen liessen - das war schon ziemlich fantastisch. Fast jeder durfte mal, denn der FSV(und
      der stand tabellarisch fast auf unserer Höhe) liess einfach ziemlich viel zu. Aber was die Maierhofer, Bröker, Clemens und vor allem Ujah so liegen liessen schon in den ersten 25 Minuten - Respekt. Und die Frankfurter hatten einen
      wirklich guten Torwart namens Klandt. Der hielt den FSV im Spiel. Beim FC spielte Clemens gut, Mc Kenna Bombensicher und man konnte damals schon erahnen, daß dieser Linksverteidiger mit dem Namen des alten Helden von
      Troja - Hector - ein verflixt guter Spieler werden würde. Ruhig am Ball, mit viel Übersicht und sehr konzentriert.
      Bei Halbzeit haben wir uns ziemlich geärgert. Ein gutes Spiel vom FC, aber wir machten einfach die Bude nicht. Ich hatte kein gutes Gefühl, normalerweise wirst du für leichtfertigen Umgang mit Chancen bestraft. Die miese Ver-
      wertung der Chancen ging indes lustig weiter. Nach etwas mehr als eine Stunde hatte Stanislawski die "Schnauze voll" und wechselte Ujah aus - in der klaren Erkenntis, daß der keinen mehr machen würde. Eine Viertelstunde vor
      Schluss, Köln wurde etwas ratloser, Frankfurt etwas offensiver. Und Matuschyk hat einen Aussetzer, geht dumm im Strafraum zum Ball - Elfmeter für Frankfurt, Tor für Frankfurt. Ich hatte genau geahnt, was kommen würde und
      fluchte wie ein Wilder.
      Ein paar Minuten später machte Clemens - neben Hector der beste Kölner - mit einem schönen Schlenzer den Ausgleich. Dabei blieb es und zwei sehr wichtige Punkte waren liegen geblieben. Das lag zum einen am einfach sehr
      guten Frankfurter Torwart, zum anderen lag es an Fahrlässigkeit und Dämmlichkeit der Kölner, Wahnsinn was die alles ausliessen.

      5 Jahre her, trotzdem eine schöne Auswärtsfahrt. Und es war eines richtig gut: wie diese absolut limitierte Truppe jederzeit und alles versuchte - und dann sah man auch über das eine oder das andere hinweg. Gerade nach den
      Erfahrungen der Vorsaison, wo ein Harakiri Trainer namens Solbakken seine erbärmliche, faule Söldnertruppe in den Orkus trainiert hatte. Vielmehr nicht trainiert hatte. Der FC 2012/2013 - ein gerade noch einmal davon gekomme-
      ner Verein mit einer Mannschaft, deren Vermögen so klein wie ihr Herz gross war - irgendwie eine sehr anrührende Zeit war das.
    • Da war ich noch neu. :FC: :love:
      PRO FC, meine Liebe, meine Stadt, meine Partei.

      Skymax (Präsident), Ich (Vize), sharky (Schriftführer), Anfield, grischa, Barny, Flykai, elkie57, schwarzwälder Geißbock, Matze86, frankie0815, floedi_82, kölsch, banshee, winter, ManwithnoName, Malu, Maddes46446, fckoeln1948, Mittelfeld, effzeh, caprone, der Pitter, Hunsrück FC, Je(n)sus, Et troemmelche71, KölscheJung, izeh, Badischer Bock, Salival, Rodi, Die_Macht_am_Rhein (Pressesprecher), Hassenichjesehen (Nummerngirl), lunyTed (Azubi).
    • 1.FC Köln - MSV Duisburg 5:2, 10. März 1978

      Das Hinspiel in Duisburg war eines der besten Spiele der gesamten Saison und endete 2:1 in der Duisburger Wedau für den 1.FC. Gleichzeitig markierte es den Beginn der Bundesligakarriere von Yasuhiko Okudera, der sein Debüt
      in Duisburg gleich mal mit einem von ihm verschuldeten Elfer beging(den Schumacher allerdings hielt).
      Der MSV war stark in dieser Saison(am Ende stand ein Platz im UEFA Pokal), aber der 1.FC Köln war eine Macht und das vor allem zu Hause. Köln in diesem Spiel mit der vollen Kapelle, alles war an Bord. 30.000 Zuschauer, für
      damalige Verhältnisse ein guter Besuch.

      Der MSV hatte eine spielstarke Mannschaft und einen gefährlichen Sturm. Stützen der Mannschaft vor allem Dietz, Jakobs, Jara, Seliger und Worm. Und ein holländischer Libero namens Kees Bregmann, der allerdings dazu neigte,
      den gegnerischen Stürmern schon mal einen Beinschuss zu verpassen. Und wenn es sein musste, das im eigenen Fünfmeterraum. Köln begann wie die Feuerwehr und schnürte den MSV erst einmal 15 Minuten komplett ein. Die
      Mannschaft zeigte genau das, was sie stark machte in dieser Saison. Hinten konsequent, im Mittelfeld spielerisch und läuferisch dominant und vorne brandgefährlich. Und schon früh wurde klar, daß Dieter Müller von Jakobs und
      Bregmann nicht wirklich zu kontrollieren war. Besagter Müller hatte dann auch die beste Chance nach einem Traumpass von Neumann auf Zimmermann, der dann noch zwei Duisburger glatt stehen liess und auf Müller passte - doch
      der traf Millimeter am Pfosten vorbei. Danach kam Duisburg besser ins Spiel, ohne das Köln besonders schwächer agierte. Einfach ein gutes Spiel war das. Und Kees Bregmann half dann mit - ein lupenreines Eigentor, allerdings
      ohne das ihn eine grosse Schuld traf. 5 Minuten später 2:0 für Köln - Neumann traf und Köln schien sicher auf der Siegerstrasse. Wieder fünf Minuten später - Duisburg verkürzt, als Libero Gerber vermutlich schon an die Siegesfeier
      dachte. Halbzeit 2:1 für den FC in einem sehr guten Bundesligaspiel.

      Nach der Halbzeit machte Köln sofort wieder Dampf und van Gool erzielte 7,8 Minuten nach dem Pausenpfiff das 3:1. Vorher gegangen war ein recht robuster Einsatz von Müller, der den normalerweise ebenfalls robusten Jakobs
      sehr schlecht aussehen liess. Duisburger Proteste waren ebenso erfolglos wie unberechtigt. Generell fiel folgendes auf: Im Sturm machte Müller gegen Jakobs eine sehr gute Figur, während Okudera sich schwer tat und auch
      van Gool schon bessere Tage gesehen hatte. Auf Duisburger Seite spielte Worm sehr gut gegen Strack und Gerber, während Seliger gegen einen blendend aufgelegten Zimmermann keinen Stich bekam. Im Mittelfeld beharkten sich
      Flohe und der laufstarke Büssers mit Vehemenz und auf Augenhöhe, während Neumann fast ungehindert den Dirigenten mimen konnte. Duisburg blieb jedenfalls im Spiel - Worm machte das 2:3 und dieses Mal sah Strack nicht
      besonders gut aus. Trainer Weisweiler liess es jedenfalls danach an lautstarker Ansprache nicht fehlen.

      Zwanzig Minuten vor Schluss sah man dann, was einen Mittelstürmer ausmacht. Müller bekommt den Ball von Zimmermann, ist aber von zwei Meiderichern bedrängt. Wartet kurz, stellt den einen auf das falsche Bein und schiesst
      in die lange Ecke. 4:2 - und Duisburg war der Zahn gezogen. Zwei Minuten vor Schluss: das nächste Tor des Mittelstürmers und der MSV fährt mit 5 Gegentreffern zurück an die Wedau.

      Nach dem Spiel erhielten Zimmermann und Müller vom Trainer ein Sonderlob. Er habe einen sehr guten Aussenverteidiger gesehen und einen eiskalten Mittelstürmer. Ja, so war das. Und Herbert Neumann hätte der Trainer auch
      ruhig gesondert erwähnen dürfen - der spielte nämlich auch Extraklasse. Der FC weiterhin Tabellenführer und auf Kurs zur Meisterschaft.
    • Bayer Leverkusen - 1.FC Köln 1:1, früher März 1988

      1987/88 spielte der FC oben mit. Köln hatte eine Bombentruppe - mit Ilgner, Steiner, Kohler, Hässler, Littbarski standen fünf Mann im Team die zwei Jahre später im deutschen Nationaldress Weltmeister wurden. Und mit Görtz,
      Poulsen, Morten Olsen, Thomas Allofs und Stefan Engels eine Anzahl weiterer veritabler Kicker.

      Da bedurfte es schon diverser taktischer Kniffe von Lautsprecher Christoph Daum, um mit dieser Mannschaft keinen Titel zu holen. Einer dieser Kniffe war im März 1988 im damaligen Ulrich Haberland an einem Freitag Abend
      zu besichtigen. 15.000 Zuschauer - davon der grosse Teil Kölner Anhänger trauten ihren Augen nicht, als die nach ungefähr 15 Minuten verstanden, was der selbst ernannte Startrainer da ausgetüftelt hatte. Obwohl der FC gewinnen
      sollte(musste), um an Bremen und Bayern dran zu bleiben, stellte Daum mit Poulsen einen Stürmer auf. Vor der Abwehr mit Steiner, Kohler und Gielchen liess Daum ein Sechsermittelfeld agieren, in welchem sich Olsen, Engels,Janssen, Littbarski, Görtz und Hässler fast permanent selber zu stellten. Der FC ging zwar nach 25 Minuten durch Görtz(eher zufällig) in Führung, quittierte diese aber nur eine Minute später. Gegen schwache Leverkusener
      blieb man bei der Haltung safety first fast die kompletten 90 Minuten. Morten Olsen, dem diese Haltung von Anfang an sichtlich gegen den Strich ging, wurde eine Viertelstunde vor Schluss gar ausgewechselt und würdigte den
      Trainer beim Abgang vom Spielfeld keines Blickes. Daum faselte nach dem Spiel etwas von einer Art "schiefen Schlachtordnung" und wusste offensichtlich selbst nicht wovon er da redete.

      Ich war seinerzeit mit meinem alten Herren alleine in Leverkusen und wir trafen nach dem Spiel in einer Gaststätte nahe dem Stadion Karl - Heinz Thielen, mit dem wir uns über eine Stunde angeregt über das Spiel und die
      taktischen Finessen des Herrn Daum unterhielten. Ich war ziemlich( jung wie ich war ) sauer auf Daum und zog heftig vom Leder, aber Thielen setzte noch einen drauf. "Ein Schaumschläger übelster Sorte", die Äusserung ist mir genau hängen geblieben. Und die weitere war, daß der Herr Daum uns schon vor Meisterschaften retten würde. Das Bonmot des Abends lieferte allerdings mein Vater: "Daum hat einen Ferrari, tut so als wenn er nur einen VW GTI hat und lässt spielen als wenn er tatsächlich einen Polo fährt.

      Ja, so war das. Mit so einer Bombentruppe wurden wir 3ter und schossen gerade mal 57 Tore(!!!). Und 3ter wurden wir, weil selbst Daum so viel individuelle Klasse nicht kaputt coachen konnte. Ein Jahr später wurde es noch schlimmer, als sich Daum in der Vorrunde mit Olsen überwarf und diesen dann eine Zeitlang wenig berücksichtigte. Und andere Glanzleistungen. Höhepunkt der Auftritt im aktuellen Sportstudio versus Heynckes und Hoeness. Tja, Herr Daum - Heynckes wurde ein Welttrainer und wird von jedermann auch so wahr genommen. Und Herrn Daum will im Grunde niemand mehr sehen. Ist auch nicht so schlimm. Schlimm war und ist, daß dieser Knipser uns mindestens eine Meisterschaft gekostet hat.
    • Ich hab ihn irgendwie gemocht damals, den Daum. Aber das war damals sicher zum einen so das ich noch bissel jung war, und noch nicht soviel Sachverstand aufm Buckel hatte wie Du, Soll/lst. Ausserdem habe ich es bis heute nicht geschafft eine Schwäche abzulegen. Ich habe mich schon immer relativ schnell von Dingen beeindrucken lassen, und ich hab das bis heute nicht geschafft dies zu ändern. Aber deshalb ist es ja so schön das es Leute wie Dich gibt. Leute die einem erzählen können wie es damals war, was da alles noch dahintersteckte. Mein Vater, riesiger Flohe-Fan, der konnte das auch. Du erinnerst mich irgendwie auch ein wenig an ihn. Ich mag Deine Berichte wirklich sehr. Die geben einem etwas von diesem FC-Gefühl. Ganz wichtig sind die. Mit viel Herz. Etwas was oft fehlt.
    • fenermann schrieb:

      Ich hab ihn irgendwie gemocht damals, den Daum. Aber das war damals sicher zum einen so das ich noch bissel jung war, und noch nicht soviel Sachverstand aufm Buckel hatte wie Du, Soll/lst. Ausserdem habe ich es bis heute nicht geschafft eine Schwäche abzulegen. Ich habe mich schon immer relativ schnell von Dingen beeindrucken lassen, und ich hab das bis heute nicht geschafft dies zu ändern. Aber deshalb ist es ja so schön das es Leute wie Dich gibt. Leute die einem erzählen können wie es damals war, was da alles noch dahintersteckte. Mein Vater, riesiger Flohe-Fan, der konnte das auch. Du erinnerst mich irgendwie auch ein wenig an ihn. Ich mag Deine Berichte wirklich sehr. Die geben einem etwas von diesem FC-Gefühl. Ganz wichtig sind die. Mit viel Herz. Etwas was oft fehlt.
      Vielen Dank für die warmen Worte, fenermann. Ja, ich bin immer noch mit viel Herz dabei. Und ich hoffe, daß das so bleibt. Wenn das Gefühl aufhört - dann gehe ich nämlich nicht mehr zum Fussball. Und höre auch auf, darüber
      zu schreiben. Der Tag möge ferne sein.
    • FC Bayern München - 1.FC Köln, 19.03.1993, 3:0

      Der FC fuhr als 16ter nach München zum Tabellenführer. Bayern mit Spielern wie Thon, Jorginho, Matthäus, Helmer, Zeige, Wohlfarth, in der zweiten Halbzeit auch Scholl. Im Tor mit Aumann.

      Der FC mit Bade im Tor und Recken wie Spyrka, Trulsen, Keuler. Aber auch mit Littbarski, Rudy, Steinman und Weiser(Vater vom jungen Weiser) und später Ordenewitz.

      Allgemein wurde erwartet, daß München das Spiel von A - Z diktieren würde. Das erwarteten auch die knapp 40.000 Zuschauer bei herrlichstem Frühlingswetter im Olympiastadion und das erwarteten auch mein Schwager und ich,
      die - vom Skiurlaub kommend - natürlich dem FC die Ehre gaben. Naja, was heisst natürlich. Es war nicht so, daß mein Schwager der grösste Fussballfan ist, ich musste ihn schon einigermassen handfest von der Visite überzeugen.

      Bayern ging mit seiner ersten Chance nach einer knappen Viertelstunde in Führung - da hatte Köln schon dreimal getölpelt. Erst liessen Sturm und Greiner zwei Topchancen aus und dann stellte sich Trulsen beim Gegentor reichlich
      dumm an. Naja, Kölner Standardverfahren. Bis zur Halbzeit war Köln gleichwertig, Chancen hier und dort - die beste hatte Matthäus, der mit einem Volleyschuss aus 20 Metern die Latte testete.

      Halbzeit - um uns herum jede Menge Bajuwaren, die den FC lobten. Da konnten wir uns viel für kaufen, denn wir lagen hinten. Zweite Halbzeit und Köln spielte den Tabellenführer komplett an die Wand. Die Bayern indisponiert, die
      Kölner mit einem überragendem Rudy ,der die Matthäus, Helmer, Wouters und Co. glatt in den Sack steckte. Köln mit einer Fülle(!!) von Torchancen, aber was der FC da verdasselte - das war nicht normal. Und im Tor stand Aumann
      und der war mit Ausnahme von Rudy der beste Mann auf dem Platz und hielt die Bayern schadlos. Neben Rudy bei Köln besonders stark Steinmann(selten genug) und Weiser, der den späteren Weltmeister Jorginho ein um das andere
      Mal vor unlösbare Probleme stellte. Nur - alles Überlegenheit und alle Spielkunst die nützten nichts, der FC schoss kein Tor. Das machten die Bayern - 82te Minute, Wohlfarth eiskalt und 2:0. Schupp gab kurz vor Schluss noch das
      Sahnehäubchen oben drauf. Auf den Rängen gerierte ich mich wie ein Wahnsinniger, zur Freude der Bayern Anhänger und zum fast grenzenlosen Entsetzen meines Schwagers.."Ich wusste ja, daß du beim Fussball ein bisschen be-
      kloppt bist, aber ich wusste nicht, das du völlig wahnsinnig bist" - das war sein Kommentar nach dem Spiel. Und er hatte Glück, daß ich ihm gut gesonnen war - ansonsten hätte es sicherlich ein Stück Haue gegeben.

      Naja, wo wie einmal in München waren - da blieben wir in München. Schnell ein Hotelzimmer besorgt und dann Augustiner und so weiter. Gegen Schluss des Abends waren wir "bestens bedient". Mein Schwager hält zwar nichts vom
      Fussball, aber an der Theke ist er ein Weltklasseakteur.
    • TSV 1860 München gegen 1. FC Köln, 18ter März 1978 1:3

      In München waren wir auch in diesem Jahr. Nicht wie üblich mit Onkel und Vater, sondern Kumpel Manni und ich. Olympiastadion, etwas über 20.000 Zuschauer. Nicht gegen die grossen Bayern(die in diesem Jahr überhaupt nicht
      gross waren), sondern gegen die kleinen 60er, die sich gegen den Abstieg wehrten. Erfolglos darf ich vermelden, am Ende des Jahres ging es für die 60er wieder in die zweite Liga.

      Köln mit der üblichen Erfolgsmannschaft. Bei 60 spielte seinerzeit Jimmy Hartwig, später HSV und Köln. Vorher wurde nur über die Höhe des Erfolges diskutiert - zu gut, zu dominant war der FC in den Vorwochen aufgetreten. Nein,
      60 hatte keine Chance. Manni war ganz forsch und tippte auf ein 5:0 für den FC. "Die können nix, die hauen wir weg".

      Nach 10 Minuten schoss Bernd Cullmann prompt das 1:0 und Manni zeigte mir mit Handzeichen "Nur noch vier". Danach kam vom FC nix mehr. Die offensiven Verteidiger Konopka und Zimmermann blieben defensiv, die Aussenstürmer
      Okudera und van Gool sehr blass. Und schlechtester Kölner an diesem Tag war Heinz Flohe, der einen jener Tage erwischte, an denen er mehr darauf fixiert war den Gegnern Beinschüsse zu verpassen als sich um ein konstruktives
      Aufbauspiel zu bemühen. Neumann spielte gut, aber Flohe`s Ausfall konnte er alleine auch nicht kompensieren. Glücklicherweise hatte Libero Gerber einen Glanztag erwischt und fegte im und vor dem Strafraum mit eisernem
      Besen. Nichtsdestotrotz: 1860 hatte Chancen und ein paar Minuten vor dem Halbzeitpfiff dann das - sehr verdiente - 1:1.
      Ich war ausser mir vor Wut. Und der sonst so redselige Manni bekam von mir einen Anpfiff vom besten: "Unsere Mannschaft ist genauso überheblich wie du und jetzt fahren wir hier das Ding in die Grütze".

      Zweite Halbzeit - es wurde nicht besser. Köln pomadig und behäbig, Köln ohne Ideen. Dann wechselte Weisweiler aus - Herbert Hein kam nach einer Stunde für Herbert Zimmermann. Einen eher defensiven Aussenverteidiger für
      einen eher offensiven Aussenverteidiger - wollte Weisweiler das Remis beim Abstiegskandidaten verteidigen?!

      Hein schien seine Rolle nicht begriffen zu haben und wurde offensiv. Nein, richtig offensiv. Köln plötzlich mit permanenter Überzahl im Mittelfeld und auf aussen. Und binnen zwei Minuten flankt Hein zwei Mal auf den Mann, der
      auch die ganze Zeit wach geblieben war und der für solche Vorlagen der richtige Abnehmer war: Dieter Müller netzte eiskalt zwei Mal ein. 2:1 und 3:1 eine Viertelstunde vor Schluss. Das Spiel war gewonnen, denn 1860 ergab sich
      jetzt.

      Nach dem Spiel grinste Weisweiler über das ganze Gesicht. Er hatte wieder mal gezeigt, wer Ahnung hatte.

      Manni und ich waren wieder versöhnt. 3:1 in München. Jetzt Heimspiel gegen Frankfurt, dann Lautern auswärts, dann Stuttgart zu Hause und zum Abschluss nach Hamburg zum FC St. Pauli. Die Meisterschaft rückte immer näher.
    • 1.FC Köln - FC Kaiserslautern, 24.03.1973

      Die Saison 72/73 hatte wahrhaft ihre Spezialitäten. Eine davon war, daß der ruhmreiche FC Schalke 04 - eine Spielzeit zuvor noch Meisterschaftsanwärter - gegen den Abstieg spielte. Die halbe Mannschaft war gesperrt wegen des
      Bundesligaskandals. Eine andere war, daß Bayern München die Liga nach Belieben beherrschte - so wie heute etwa. Der einzige Verein in dieser Saison gegen den Bayern eine Negativbilanz hatte - das war der FC. 2:1 in Köln und
      1:1 in München. Eine weitere Besonderheit. 8 Westvereine - worauf man die Bundesliga auch schon mal als verwässerte Oberliga West bezeichnete. Wuppertal, Düsseldorf, Köln, Gladbach, Bochum, Duisburg, Schalke und Ober-
      hausen. Fehlen taten seinerzeit von den grossen Westvereinen Dortmund und Essen. Am Ende der Saison war Bayern Meister - und dann kamen mit Köln, Düsseldorf, Wuppertal und Gladbach vier Westvereine auf 2 - 5(!!!).

      Der FC setzte den Weg der Verjüngung fort in dieser Saison. Kapellmann, Cullmann, Hein, Glowacz, Gebauer, Neumann, Konopka - allesamt zwischen 19 und 22 Jahren. Dazu die Stars wie Weber, Overath, Löhr(28 - 30 Jahre alt),
      die Arbeitsbiene Simmet, der Zauberkünstler Flohe. Prima Truppe war das. Ein wenig anfällig auswärts, zu Hause eine Macht.

      Kaiserslautern - der Gegner an diesem Samstag im März - war eine ernst zu nehmende Mannschaft. Die spielten vor allem - selbst für damalige Verhältnisse- sehr, sehr hart. Ganz oft über die Grenzen des Erlaubten hinaus, allerdings
      vor allem zu Hause. Auswärts musste man da schon mal zurückhaltender agieren - im Normalfall. 10.000 Zuschauer in der Radrennbahn und der FC begann gut und schwungvoll. Im Mittelfeld spielten Simmet, Overath und Flohe -
      und das war an guten Tagen eben schlicht und ergreifend nichts weniger als Weltklasse. Die Pfälzer hielten dagegen, wie man es von ihnen kannte - sehr rustikal. Und bereits nach 10 Minuten gab es von einigen Kölner Spielern
      sehr giftige Blicke Richtung Gegenspieler und Schiedsrichter. In der Radrennbahn liess sich das aufgrund der Nähe zum Spielfeld maximal verfolgen und man hörte auch fast alles was die Spieler so von sich gaben. Overath - auf
      Kölner Rasen quasi nicht antastbar - fluchte derart über seinen Gegenspieler Diehl, daß der Schiri ihn aufforderte die verbalen Attacken einzustellen. Heinz Simmet reagierte da anders - the Simmet way eben. Kurz zuvor waren
      Overath und er binnen einer halben Minute gefällt worden. Heinz stand ungerührt auf und trat dann den nächsten Lauterer - es war der arme, kleine Aussenstürmer Pirrung - einfach mal so über die Auslinie.

      Kurz gesagt: es war unterhaltsam in Müngersdorf, denn bei aller Härte - es wurde auch Fussball gespielt. So nach einer Viertelstunde, als Glowacz nach einem meisterlichen Solo von Flohe und einem kurzen Anspiel von Löhr völlig
      frei vor dem Tor stand und einschoss. Halbzeit stand es immer noch 1:0. Köln hätte höher führen müssen, doch der Lauterer Torwart hielt sehr gut und vor allem Löhr ging dann doch einigermassen fahrlässig mit seinen Chancen
      um. In Halbzeit 2 war das Spiel etwas verteilter, da die Lauterer vor allem über Toppmöller, Pirrung und Seel Gefahr verbreiteten. Aber Torwart Welz und vor allem Cullmann und Weber hielten die Mannschaft schadlos, Culli klärte
      einmal spektakulär vor der Linie. Eine Viertelstunde vor Schluss dann eine für damalige Zeiten ganz typische Kölner Aktion: Cullmann mit Riesenschritten durchs Mittelfeld, Ball auf Overath. Zentimetergenauer Pass auf Löhr, Löhr mit Ablage auf Flohe und der knallt das Ding rein, das es nur so scheppert. 2:0 - die Entscheidung.

      Prima Spiel war das - da gingst du wirklich zufrieden nach Hause. Das war einfach Fussball und Fussballer mit Niveau. Kein Wunder, die Bundesliga und der deutsche Fussball waren einfach in den 70er Jahren Weltmarktführer. Und
      der FC hatte derartig brillante Einzelkönner, die boten dem Zuschauer einfach was - vor allem, wenn die Mannschaft "drauf" war. Und das war sie in den 70ern zu Hause ziemlich oft.
    • Ein wahres Kleinod unter den vielen Spielen, die ich sehen durfte war die Partie 1.FC Köln gegen Borussia Neuenkirchen um die März im Jahre 1968.

      Borussia Wer?!...Nun, Borussia Neuenkirchen. Borussia Neuenkirchen war 1967 wieder in die Bundesliga aufgestiegen, nachdem man Südwestmeister in der Regionalliga geworden war und sich dann in der Aufstiegsrunde durch ge-
      setzt hatte. Borussia Neuenkirchen war schon vorher 2 Jahre in der Liga gewesen, das war 1964/65 und 65/66. In der ersten Saison hatte der Verein aus der kleinsten Bundesligastadt sensationell die Klasse gehalten. Im Ellenfeldsta-
      dion hingen die Trauben traditionell sehr hoch und nur 2 Auswärtsmannschaften gelang es in dieser Saison beide Punkte mit nach Hause zu nehmen. Auswärts konnte Neuenkirchen niemand erschrecken, zu Hause war man seiner-
      zeit eine Macht. Im übrigen trug seinerzeit zum Klassenerhalt der Mannschaft ein gewisser junger Mittelfeldspieler/Halbstürmer namens Simmet nicht ganz unerheblich bei. Richtig, Heinz Simmet.

      Jener Heinz Simmet spielte drei Jahre später bei 1.FC Köln - damals einem der grossen Vereine in der Republik. Neuenkirchen war Vorletzter der Tabelle, der FC 5ter. Und allgemein wurde ein Schützenfest des FC erwartet, denn
      der war zu Hause so stark wie die Neuenkirchener auswärts schwach. Und ausserdem hatte Köln in der Hinrunde in Neuenkirchen verloren, mit 2:1 und das kam einer Riesenblamage gleich.

      Ich weiss noch, wie traurig das Stadion aus sah. Zu dieser "Spitzenpartie" waren gerade einmal rund 5.000 Zuschauer gekommen. Wer weg geblieben war, hatte alles richtig gemacht. Wer gekommen war, der durfte sich ärgern. Neuenkirchen stand massiert hinten drin und der FC spielte aufreizend pomadig. Daran änderte auch Wolfgang Overath nichts, der zwar selber engagiert zur Sache ging, aber grosso modo von seinen Nebenleuten im Stich gelassen wurde. Ich saß zwischen Onkel und Vater, die missmutig die lethargischen Bemühungen des FC verfolgten und ihrem Unmut wie die anderen Zuschauer schon einmal lautstark Luft machten. Immerhin erzielte dann Hannes Löhr - in diesem Jahr Torschützenkönig der Liga - kurz vor der Halbzeit das 1:0. Einmal passten die Neuenkirchener nicht auf und Löhr nutzte das und auch der Riese im Tor der Borussia war chancenlos.

      Von Halbzeit 2 weiss ich noch, daß das Spiel ziemlich rum plätscherte, die Zuschauer unwahrscheinlich unmutig wurden und Bulle Weber einen Kopfball gegen die Latte setzte. Und das Neuenkirchen kurz vor Schluss das 1:1 erzielte
      und das Karl - Heinz Thielen noch kürzer vor Schluss das 2:1 für den FC machte. Das Spiel war wirklich grottig - aber ich hatte Borussia Neuenkirchen gesehen. Und Heinz Simmet seine alten Kameraden wieder gesehen.

      Der FC wurde am Ende dieser Saison Tabellenvierter und Pokalsieger. Hannes Löhr wurde Torschützenkönig der Bundesliga. Und Borussia Neuenkirchen stieg ab - 93 Gegentreffer waren dann doch ein wenig zu viel. Aber nur drei
      da von fing man gegen den FC. Neuenkirchen kam nie wieder in die Liga zurück und dümpelt heute irgendwo in niederen Klassen herum. Das dieser Verein insgesamt 3 Spielzeiten in der höchsten deutschen Spielklasse absolvierte,
      darf heute noch als unglaubliche Rarität gewertet werden.

      Noch Jahre später - wenn der FC wieder einmal - als favorisierte Truppe - ein Gurkenspiel absolvierte, war der Standardspruch meines Vaters: "Verdammt noch mal, Neuenkirchen".
    • Ich weiss noch ganz genau, wo ich heute vor 35 Jahren vor. Ich war in Stuttgart. Warum ich in Stuttgart war an diesem Wochenende - das werde ich hier mal geflissentlich ausblenden. Fakt ist, daß ich - nicht geplant und völlig
      unvorhergesehen - an diesem Samstag um 15 Uhr 30 im Stuttgarter Neckarstadion war. Und dort spielte keineswegs der FC, sondern es spielten der VfB Stuttgart und die Frankfurter Eintracht. Der VfB hatte seinerzeit eine
      Bombentruppe mit Nationalspielern wie den Förster Brüdern, einem Thomas Kempe, Karl Allgöwer(aufgrund seiner immensen Schusskraft Knallgöwer getauft), dem französischen Trickser Six und einem fantastischen Mittelfeld-
      Regisseur namens Sigurvinsson(Isländer). Und bei Frankfurt spielten noch Brunz Pezzey und Charly Körbel und ein junger Thomas Berthold und ein etwas älterer Bernd Nickel. Und dieser asiatische Starstürmer namens Bum Kun Cha.

      Der VfB spielte in diesem Jahr schon um die deutsche Meisterschaft mit, trotzdem kamen nur so 20.000 Zuschauer in das Neckarstadion und ich hatte mich auch dorthin verlaufen.

      War ein prima Spiel und die Stuttgarter waren echt Klasse. Gewannen 4:1 - nach meiner Erinnerung schossen 2 x Ohlicher und 2 x Kempe die Tore. Aber am interessantesten und das habe ich auch am lebhaftesten behalten waren
      die Zweikämpfe zwischen Karl - Heinz Förster und Bum Kun Cha. "Der Treter mit dem Engelsgesicht" - so hatten die Gazetten den Stuttgarter Stopper getauft. Blödsinn. Förster konnte zwar hin langen, wie sonst kaum einer - aber
      der war wirklich einfach Klasse. Ich meine, der Förster hat 81 Länderspiele gemacht(und als 27 jähriger seine Nationalmannschaftskarriere beendet, ansonsten wären es nämlich 130 geworden) und in den 81 Länderspielen wurden
      seine direkten Gegenspieler 69 x ausgewechselt(85 %!!) - ein Wahnsinn, wie der die Leute zu decken konnte. Und das war nicht nur mit Kloppen, sondern mit Stellungsspiel, mit Kopfballspiel, mit Cleverness. Und auch Cha hatte
      gegen Förster keine Chance, der liess ihn Null zur Entfaltung kommen - weder am Boden noch in der Luft. Trotzdem holte Förster sich eine gelbe Karte ab - aber nicht weil er Cha in die Parterre befördert hatte, sondern weil er
      aufgrund einer Fehlentscheidung des Schiris gemeckert hatte und dafür den gelben Karton bekam.

      Die andere Erscheinung, die ich noch sehr präsent hatte - das war dieser Asgeir Sigurvinsson. Den kannte ich schon, weil ich ihn mit Standard Lüttich gegen Köln gesehen hatte - das war 1981 gewesen. Ein Superspieler. Technisch
      perfekt, unglaubliche Übersicht und ein Bombenschuss. Ein Regisseur von hohen Graden, der immer wieder seine Nebenleute dirigierte und einsetzte. So einen Mann hätten wir damals in Köln gebraucht - die damalige Kölner
      Mannschaft war gut, aber es fehlte halt dieser überragende Spielgestalter.

      Ich ging gut gelaunt aus dem Stadion - 5 Tore und ein paar wirklich Superfussballer gesehen. Schöner Samstag Nachmittag.

      Der VfB wurde nicht Deutscher Meister 1983. Die Hamburger wurden es, zweiter wurde Werder Bremen. Dritter der VfB. Und ein Jahr später wurde Stuttgart Meister - und die überragenden Spieler waren die, die ich oben erwähnte.
      Kempe, Allgöwer, Ohlicher, Six. Und vor allem Karl - Heinz Förster und der Isländer Sigurvinsson.