Der Politik-Thread

  • Die Wähler sehen das allerdings anders und wollen eine noch rechtere, noch rückwärtsgewandtere Politik. Einfach gesagt: Feuer soll mit mehr Feuer gelöscht werden.

    Sehen und wollen sie es nicht? Oder sind sie Opfer einer massiv angelegten Desinformationskampagne, die von unterschiedlichen Akteuren (unter anderem auch Drittstaaten) mit viel Verve und Geld angeschoben wird, um eben diese rückwärtsgewandten Meinungen in die Hirne der Leute zu prügeln?

  • Sehen und wollen sie es nicht? Oder sind sie Opfer einer massiv angelegten Desinformationskampagne, die von unterschiedlichen Akteuren (unter anderem auch Drittstaaten) mit viel Verve und Geld angeschoben wird, um eben diese rückwärtsgewandten Meinungen in die Hirne der Leute zu prügeln?

    Ich bin ein sehr privilegierter Mensch - ich habe diverse Bildungsabschlüsse erwerben können, bin über lange Jahre humanistisch und akademisch geprägt worden. Das war mir vor allem auch deshalb möglich, weil ich ein Elternhaus (und später eine sehr verständnisvolle Ehefrau) hatte, die mich jederzeit unterstützt haben. Und aus dieser Sicht heraus möchte ich immer argumentieren, dass politisches Wissen eine Holschuld ist, dass Menschen sich emanzipieren müssen von Desinformationen und Propaganda ("der Ausweg aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit...").

    Aber das ist natürlich eine Illusion. Je ungebildeter eine Gesellschaft ist, desto anfälliger ist sie für Extremismus. Je ungebildeter eine Gesellschaft ist, desto ärmer ist sie aber auch. Und das ist der zweite große Nährboden für Radikalität. Im Zusammenspiel bedingen sich Armut und mangelnde Bildung und bilden einen Teufelskreis. Und es hat eben bei Weitem nicht jeder einen familiären Background, der einem eine gute Bildung quasi in die Wiege legt.

    Insofern: Es gibt eine gewisse Eigenschuld der Wählerschaft. Aber der Mangel an Bildung spielt ebenso eine große Rolle. Und damit meine ich nicht das Wissen, dass einen bei WWM zur Millionen führt, sondern Basiskompetenzen im Bereich Medien, Lernen, Interpretation, Rationalität, Urteilsvermögen usw.

    Difficile est satiram non scribere - Es ist schwierig, keine Satire zu schreiben (Juvenal)

    Einmal editiert, zuletzt von Tigranes (3. Juni 2026 um 12:17)

  • Er war stark vol Konservativismus geprägt, aber durch die Einflüsse des Ordoliberalismus wurde dem Rückschritt zur frühindustriellen Form des Kapitalismus ein Riegel vorgeschoben. Die soziale Marktwirtschaft ist das Erdolgsrezept schlechthin der BRD. Und dem insbesondere gesellschaftlich zu starken Konservativismus stellte sich die Bewegung der 68er entgegen und ermöglichte in langsamen Schritten eine Gesellschsft mit mehr Geleichberechtigung und Offenheit, eine seriöse Aufarbeitung der NS-Verbrechen und eine Annäherung an den Osten.

    Die Mischung machte es aus mit konservativen, sozialdemokratischen, (ordo-)liberalen und auch sozialistischen Elementen.

    Danke Litti ähh Tigranes. Ordoliberalsimus war mir gar nicht geläufig. Aber sehr wichtiger Begriff und ich wundere mich selbst, warum ich ihn nicht präsent habe!

    Die Wähler sehen das allerdings anders und wollen eine noch rechtere, noch rückwärtsgewandtere Politik. Einfach gesagt: Feuer soll mit mehr Feuer gelöscht werden.

    Hier würde ich Dir in Ansätzen widersprechen. In den frühen 90ern hat die amerikanische Politik als Antwort auf die Wahl von Bill Clinton unter solchen rechtskonservativen Panzern wie Newt Gingrich eine neue Form der Politik für sich entdeckt: Wedge Politics. Frei übersetzt: Einen Keil treiben in die Wählerschaft. Wenn Du demokratisch keine Mehrheiten für Deine Positionen finden kannst, dann zerschlag durch kontroversen, hochemotionalisierten Diskurs einfach die anderen großen Mehrheiten. In den USA sind die besten Beispiele Gun Control und Abortion rights. Alles zum Kulturkampf machen, dann fällt es schwerer mit Fakten zu argumentieren. Das hat Schule gemacht.

    Und in D? Eine Mehrheit ist für ein Tempolimit. Eine Mehrheit ist für mehr Klimawandel. Eine Mehrheit ist für höhere Besteuerung der (Super-)Reichen. Eine Mehrheit ist für eine menschenrechtskonforme Migrationspolitik. Ich könnte ewig so weitermachen.
    Aber die Diskurse werden vergiftet. Sowohl von Menschen wie Merz und Dobrindt, als auch Medienhäusern. Das GEG ist ein Paradebeispiel wie so etwas laufen kann. Meine Eltern sind auf die hysterische Hetze reingefallen und haben sich noch schnell ne neue Gasheizung eingebaut "bevor die vom Habeck verboten werden". Gratulation. Konnte ja keiner ahnen, dass die Preise steigen für Gas.
    Ich denke nicht, dass die Mehrheit der Wählerschaft zurück möchte in die Vergangenheit.

  • Die Wähler sehen das allerdings anders und wollen eine noch rechtere, noch rückwärtsgewandtere Politik. Einfach gesagt: Feuer soll mit mehr Feuer gelöscht werden.

    Das sehe ich nicht so. Die noch rückwärtige Politik wäre ja die AfD und die mag zwar in Umfragen vorne liegen, aber selten erlebt man es bei einer Partei, dass es nur schwarz und weiß gibt. So gut wie niemand, der die AfD nicht wählt könnte sich irgendwo mit denen als Koalitionspartner arrangieren. Anders zum Beispiel als sich selbst viele Grüne mit der CDU arrangieren würden, oder es wie in BaWü ja sogar machen.

    Das heißt dann ganz klar, dass selbst wenn die AfD auf 30 % kommt, dann sind 70 % völlig dagegen.

  • Hier würde ich Dir in Ansätzen widersprechen. In den frühen 90ern hat die amerikanische Politik als Antwort auf die Wahl von Bill Clinton unter solchen rechtskonservativen Panzern wie Newt Gingrich eine neue Form der Politik für sich entdeckt: Wedge Politics. Frei übersetzt: Einen Keil treiben in die Wählerschaft. Wenn Du demokratisch keine Mehrheiten für Deine Positionen finden kannst, dann zerschlag durch kontroversen, hochemotionalisierten Diskurs einfach die anderen großen Mehrheiten. In den USA sind die besten Beispiele Gun Control und Abortion rights. Alles zum Kulturkampf machen, dann fällt es schwerer mit Fakten zu argumentieren. Das hat Schule gemacht.

    Und in D? Eine Mehrheit ist für ein Tempolimit. Eine Mehrheit ist für mehr Klimawandel. Eine Mehrheit ist für höhere Besteuerung der (Super-)Reichen. Eine Mehrheit ist für eine menschenrechtskonforme Migrationspolitik. Ich könnte ewig so weitermachen.
    Aber die Diskurse werden vergiftet. Sowohl von Menschen wie Merz und Dobrindt, als auch Medienhäusern. Das GEG ist ein Paradebeispiel wie so etwas laufen kann. Meine Eltern sind auf die hysterische Hetze reingefallen und haben sich noch schnell ne neue Gasheizung eingebaut "bevor die vom Habeck verboten werden". Gratulation. Konnte ja keiner ahnen, dass die Preise steigen für Gas.
    Ich denke nicht, dass die Mehrheit der Wählerschaft zurück möchte in die Vergangenheit.

    Das ist richtig. Aber wir reden dennoch von der derzeit größten Wählergruppe plus weiteren 20-30 Prozent, die eben rechtskonservativ oder - wie deine Geschilehrerin es so schön auf den Punkt gebracht hat - "protofaschistisch" wählen würden.

    Wie so oft ist die vermeintlich neue Technik, die du als "wedge politics" aufgreifst, historisch gesehen ein "alter Hut". Politiker haben sich dieser Methodik schon in der Antike bedient. Ein berühmtes Beispiel in der deutschen Geschichte wäre Bismarcks Kampf gegen die Sozialdemokratie Ende des 19. Jh. Neu ist eher die aktuelle Ausprägung mit Unterstützung sozialer Medien als Triebfeder der Aufhetzung. Aber ehrlich gesagt spielt auch hierbei der Bildungsgrad der Menschen die weitaus größere Rolle, um die Verwendung solcher Mechanismen zu durchschauen und Diskussionen versachlichen zu können.

    Eine Lösung könnten vielleicht mehr Volksentscheide zu Einzelfragen sein, um genau diese von dir genannten Mehrheiten für relevante Reformen auch nutzen zu können. Aber natürlich liegen hier auch wiederum Gefahren - insbesondere in unserer stark rechtskonservativ geprägten Medienlandschaft (und da höre ich schon wieder den Aufschrei all derer, die genau das Gegenteil sehen ^^).

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  • “Außenkanzler“ ist dann auch nicht mehr.

    https://www.spiegel.de/politik/deutsc…5a-47d4b9e93230

    Zitat

    Tatsächlich stand die deutsche Kandidatur von Beginn an unter schwierigen Vorzeichen: Berlin stieg erst 2019 und damit später als Lissabon und Wien in den Wahlkampf ein. Zudem stieß Deutschlands Haltung zum Gazakrieg auf Kritik, ebenso die zurückhaltende Reaktion auf den israelischen Angriff auf Iran und das Vorgehen der USA in Venezuela.

    Wie überraschend dass die Vogel Strauß Taktik und auf dem rechten Auge blind sein uns nicht beliebter gemacht hat.

    PRO FC, meine Liebe, meine Stadt, meine Partei.

    Ich (Präsident), Vize (Vakant), LinkeKlebe (Vereinsklüngelei), Flykai (Schriftführer), elkie57 (Finanzgeschäftsführerin), Heimerzheimer (Sportbeauftragter), Matze86 (Pressesprecher), izeh (Catering), Hassenichjesehen (Nummerngirl), SomeSayTheEndIsNear (Klofrau), Vorwärts_FC (Azubi), grischa, winter, frankie0815, kölsch, effzeh, Hunsrück FC, Je(n)sus, BadischerBock, Rodi, lunyTed, Kimeo, banshee, Skymax (Praeses Emeritus), sharky (Vize Emeritus)

  • Ich bin mit den Mechanismen der Bewerbung um die Position im Sicherheitsrat nicht vertraut. Aber mich hat extrem irritiert, dass Deutschland angeblich zu spät in den Wahlkampf eingestiegen sei? "Erst" 2019"? Was zur Hölle soll das bitte für eine Vorlaufzeit sein?

    Weiß da jemand mehr zu?

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    Hervorragend auf den Punkt gebracht.

    Sigmar Gabriel scheint gut "gereift" zu sein.

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  • Höcke spricht den Westdeutschen das Deutschsein ab

    Laut Höcke sind Westdeutsche nur "Deutsch sprechende Amerikaner mit Ersatzidentität.". Und nur "Ostdeutsche noch Deutsch sprechende Deutsche."

    Das heißt übersetzt, er selbst - als geborener und groß gewordener Wessi - ist kein echter Deutscher, sondern ein Amerikaner mit Selbsthass, der sich die Ostdeutsche Deutschland-Identiät aneignet. Diese Identitätslosigkeit erklärt dann auch, warum er so geil auf irgendwelche Parolen aus WW2 ist. Das ist so, als würde jemand, der nie gedient hat, daheim das ganze Wohnzimmer mit Militaria-Sachen zupflastern und denken, er (oder sie) wisse wirklich etwas damit anzufangen.

    Höcke ist eine westdeutschamerikanische Fleischpuppe mit ostdeutscher Ersatzidentität. Quasi ein Big Mac auf der Simson. Herrlich. Aber gut, dass man ihn weiterhin wählt und anfeuert. Welcher stramme Ossi (oder Wessi oder Nazi) möchte nicht von einem eigentlich heimatlosen Spinner die Welt erklärt bekommen? :clown_face2:

    "Peace is a lie. There is only Passion."

  • Ziemlich offensichtlich und berechnend, dass er voll auf die Karte Ostdeutschland setzt. Dass sich von seiner Anhängerschaft dort niemand wirklich ernsthaft mal mit Höckes Herkunft im Zusammenhang mit seinen Aussagen auseinandersetzt, ist für mich noch beschämender und unlogischer, als die Aussagen selbst.
    Ich finde es immer noch surreal und befremdlich, dass ein Westfale den Ostdeuschen erklärt, was Heimat ist, und was die ostdeutsche Identität ausmacht.
    Aber gut, das hat ein Österreicher ja auch schon gemacht mit den Deutschen.

  • Ziemlich offensichtlich und berechnend, dass er voll auf die Karte Ostdeutschland setzt. Dass sich von seiner Anhängerschaft dort niemand wirklich ernsthaft mal mit Höckes Herkunft im Zusammenhang mit seinen Aussagen auseinandersetzt, ist für mich noch beschämender und unlogischer, als die Aussagen selbst.
    Ich finde es immer noch surreal und befremdlich, dass ein Westfale den Ostdeuschen erklärt, was Heimat ist, und was die ostdeutsche Identität ausmacht.
    Aber gut, das hat ein Österreicher ja auch schon gemacht mit den Deutschen.

    Absolut richtig. Das Witzige ist ja auch, dass man da (also im Osten) sonst sehr empfindlich darauf reagiert, wenn einem ein Wessi die eigene Welt im Osten erklären möchte. Das ist normalerweise direkt ein Streitthema.

    Außer es ist halt ein Nazi. Dann ist das - wenn man den Wahlergebnissen folgen darf - für viele scheinbar OK. :clown_face2:

    Aber gut, logisch erklären kann man alles, was mit der AfD zusammenhängt eh nicht mehr. Und die Begründungen, warum man die trotz aller Skandale und trotz aller veröffentlichten Erkenntnisse darüber, was da intern schief läuft, noch wählt, werden auch immer wirrer. Immer Nagelsmanniger.

    "Peace is a lie. There is only Passion."

    Einmal editiert, zuletzt von Godzilla (8. Juni 2026 um 09:52)

  • Wenn ich mir so etwas an höre, wie das wie Herr Höcke absondert - dann wird mir schlecht.

    Nur - seinen Anhängern und Wählern wird offensichtlich nicht schlecht. Umso befremdlicher - siehe MattEagle oben - ein gebürtiger Westfale erklärt den Ostdeutschen Identität. Ja, da möchte man mit dem Kopf schütteln. Aber schauen wir mal auf die Wahlergebnisse der letzten freien Reichstagswahl 1933 und was finden wir da?! In Thüringen und in Anhalt(Teil des heutigen Sachsen - Anhalt) haben die Nationalsozialisten mit 47,6 und 47,2 % überdurchschnittlich gewählt. Diese Landstriche waren für die Braunhemden besonders empfänglich - auch schon vor 1933. Es gibt da eine historische Kontinuität.

    Lettore silenzioso

  • Sind dann Ostdeutsche die deutsch sprechenden Russen oder was? Leck mich fett, der ganze Rotz ist doch einfach nur noch unerträglich.

    Darüber echauffieren sich wahrscheinlich mal kurz die Lügenpresse und Wessis..... äh deutschsprechende Amerikaner, sorry.... und damit ist es dann auch gut. Ich stelle fest: Das rechte Pack sitzt ganz fest im Sattel. Armes Deutschland.

    Ejal wat kütt....emme treu :effzeh:

    Einmal editiert, zuletzt von lunyTed (8. Juni 2026 um 11:14)

  • lunyTed - kannst ja gerne wüten. Aber alle Auguren sagen - Stand heute, daß die liebliche AfD 40 % plus bei der nächsten Landtagswahl erreichen wird.

    Ehrliche Frage, vielleicht provokativ: Wollen wir uns nicht mal eingestehen, daß grosse Teile mindestens der Bevölkerung in Sachsen - Anhalt Rechtsextreme sind. Um das Wort Nazis nicht auszusprechen....Und in Mecklenburg - Vorpommern werden auch 36 % in den Umfragen reklamiert. Und wenn man sich die Stimmungsbarometer in Sachsen und Thüringen an sieht - dann ist es doch genauso.

    Lettore silenzioso

  • Es fällt mir zunehmend schwer mich da auch nur annähernd moderat auszudrücken. Sorry, wenn ich da einfach mal in die Tasten klopfe.

    Ejal wat kütt....emme treu :effzeh: