Ich habe ein wenig Bedenken, dass Spiele wie gegen den VFB als Bonusspiele betrachtet werden, und wir die Konkurrenz in Bremen, St. Pauli oder Heidenheim sehen, die man dann eben besiegen müsse, wenn gegen die anderen nichts läuft.
Schaut man auf die Tabelle, dann gibt es diese Saison eine klar abgegrenzte Spitzengruppe von Platz 6 aufwärts. Zu dieser Gruppe gehört nun mal auch der VfB und entsprechend finde ich es vollkommen okay, hier davon zu sprechen, dass man sicherheitshalber null Punkte gegen diesen Gegner einplant und selbst ein Unentschieden als Bonuspunkte sieht. Klar, der Spielverlauf am Samstag war doof und es wäre an diesem Tag vielleicht mehr drin gewesen, aber es sollte uns trotzdem leichter fallen, zu akzeptieren, dass Vereine wie der VfB vielleicht nicht unsere Gewichtsklasse sind.
Akzeptiert man, dass die Spitzengruppe keine sicheren Punktelieferanten sind, dann bleiben einem ja auch immer noch 24 Partien, in denen ich auch sagen würde, dass man gegen jeden dieser Gegner punkten kann – nicht nur gegen die Flop 3. Und gegen diese Vereine haben wir in dieser Saison meiner Meinung nach auch eine okaye Bilanz.
Schaut man auf den Saisonverlauf insgesamt, dann halten uns jetzt auch nicht die jüngsten Spiele zurück, sondern die schlechte Phase, die mit dem unsäglichen Auftritt gegen Gladbach begonnen hat. Hätten wir da ein paar Punkte mehr herausgeholt, dann wäre jetzt alles im Reinen.
Damit komme ich auch zu meiner aktuellen Einschätzung der Situation: Das, was ich in genau dieser Hängerphase ausgemacht habe, nämlich das Gefühl, dass es zwischen Mannschaft und Trainer nicht mehr stimmt, das ist mittlerweile ausgeräumt. Irritieren mich Kwasnioks öffentliche Aussagen weiterhin massiv? Kann ich weiterhin nicht wirklich nachvollziehen, was er da mit seinen taktischen Entscheidungen und Auswechslungen beabsichtigt? Ja, aber das war auch schon so, als wir noch erfolgreich waren. Deshalb lasse ich mich davon jetzt nicht ins Bockshorn jagen, nur weil wir gegen eine Mannschaft verloren haben, gegen die es sehr wahrscheinlich war, zu verlieren.
Für Kessler gilt natürlich weiterhin: hinschauen, in die Mannschaft horchen, ob da noch alles im grünen Bereich ist, und sofort handeln, wenn das nicht der Fall sein sollte.