Streng genommen würde ich sogar behaupten, dass der Vorstand eher das Organ ist, das man wählt, um die Interessen zu vertreten und den AR wählt man, um die Einhaltung dieser Interessensvertretung zu überwachen. Aus meiner Sicht ist das ein kleiner aber feiner Unterschied.
Natürlich. Der Vorstand führt die Geschäfte des Vereins, dafür ist er gewählt. Der MR wird gewählt, um den Vorstand in dieser Funktion zu überwachen. Nun haben wir die spezielle Situation, dass in der KGaA, einer 100%igen e.V.-Tochter, nicht der Vorstand die Geschäfte führt, sondern eine dafür bestellte Geschäftsführung. Der Vorstand vertritt also den Anteilseigner gegenüber der KGaA. Er bildet in dieser Funktion die Gesellschafterversammlung bzw. die Hauptversammlung der KGaA.
Der Vorstand wirkt also über den e.V. hinaus und übt die Rechte eines Gesellschafters in der KGaA aus. Und auch in dieser Funktion wird er durch den Mitgliederrat überwacht. Daher ist es in meinen Augen folgerichtig, dass der e.V. einen starken Teil des KGaA-Aufsichtsrats bildet, denn dort wird das Wirken des Vorstands in Entscheidungsprozessen der KGaA am deutlichsten. Aber ich verstehe dein Argument.
Denn was noch hinzu kommt ist, dass die Zustimmungsrechte des aktuellen GA meines Wissens wesentlich tiefer ins operative Geschäft des Vereins verwickelt sind, als das beim typischen AR einer Kapitalgesellschaft der Fall wäre.
Tatsächlich hat ein klassischer Aufsichtsrat in der Regel sogar mehr Kompetenzen, als der GA aktuell. Der GA ist ein reines Zustimmungsorgan, er hat nicht die Aufgaben eines Aufsichtsrats. Er kann nur tätig werden, wenn der Vorstand ihm etwas zur Zustimmung vorlegt. Der GA kann ohne solche Vorlagen keine Beschlüsse fassen, er kann auch nicht den Vorstand oder die Geschäftsführung einbestellen, er übt auch keine Kontrolle aus.
Genau diese Lücke soll mit der Neuerung geschlossen werden, weil diese klassischen Kompetenzen in einem echten Aufsichtsrat vorhanden sein werden. Es war schon immer ein wesentlicher Konstruktionsfehler, dass der GA ohne Entscheidungsvorlage des Vorstands im Grunde nur zum Kaffee trinken existiert. Seine Mitglieder können ohne den Vorstand im Grunde gar nicht eingreifen. Ein Aufsichtsrat hat schon qua Gesetz andere Kompetenzen. Er hat ein Initiativrecht, eine laufende Überwachungspflicht
Ein Teil meiner Zweifel entstehen auch nicht daher, dass ich davon ausgehe, dass es unausweichlich so sein muss, wie in der Vergangenheit. Aber man muss ja versuchen aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen, um diese in der Zukunft nicht zu wiederholen. Und auch da sind wir wieder an dem Punkt, dass es für viele Mitglieder vermutlich schwierig ist nachzuvollziehen, wo die Probleme in der Vergangenheit lagen. Die Vorschläge verändern nun die Strukturen im Verein, aber nur bedingt die Menschen, die in diesen Strukturen arbeiten und ihre eigenen Werte, Motivationen etc. in diese hinein tragen. Und für mich bleibt es eben eine große Frage, ob die Probleme der Vergangenheit an den Strukturen lagen, die jetzt verändert werden sollen, oder doch außerhalb davon.
Das finde ich nachvollziehbar. Natürlich ist es irgendwo richtig, nicht jede Uneinigkeit immer nach außen zu tragen. Das wäre auch schädlich und würde ein Vertrauensverhältnis nachhaltig belasten. Wer also nicht direkt beteiligt ist, muss mit den Informationen leben, die die Medien so lancieren.
Ich finde das Präsidium Spinner ist ein gutes Beispiel, wie so etwas ablaufen kann und in wie weit die Strukturen dabei eine Rolle spielen. Zunächst zeigt dieser Vorstand sich für unsere heutige Satzung verantwortlich, wofür er damals auch zurecht gefeiert wurde. Nur wollte er diese moderne und vor allem demokratische Struktur im Anschluss partout nicht leben. Spinner vertrat von Anfang die Auffassung, die Aufsicht des MR über den Vorstand reiche nicht bis in die KGaA hinein. Und genau das wurde intern auch als Maßgabe so vorgelebt. Das ist der Kern, der das Verhältnis zwischen Vorstand und MR stark belastet hat und auch zu Äußerungen der Geschäftsführung á la "Vollamateure" führte. Der Vorstand wurde vom MR trotzdem noch einmal zur Wiederwahl vorgeschlagen. Du siehst, selbst wirklich gravierende Dispute führen nicht automatisch dazu, dass der MR den Vorstand bockig vom Hof jagt. Der Vorstand stolperte letztlich über sich selbst.