Beiträge von Millhouse

    Wollte man schon. Als es aber dann an den eigenen Geldbeutel ging, war Energiewandel und Umweltschutz doch wieder bei vielen nicht mehr soooo wichtig.

    Auch das wäre ja noch irgendwo akzeptabel gewesen, wenn man den angedachten Reformen die dadurch entstehenden Kosten gegenübergestellt und damit die Frage aufgeworfen hätte, was machbar ist und was nicht. Umweltschutz und ökologische Nachhaltigkeit gibts eben nicht zum Nulltarif. Insofern hätte ich eine faire öffentliche Debatte gut gefunden, die eine Kosten-Nutzen-Rechnung der Reformen gerade mit Blick auf die kommenden Generationen skizziert.

    Tatsächlich war es dann aber irgendwann so, dass Habeck nur mal laut husten musste - schon gingen Merz und BILD in Stellung, um aus allen Rohren zu feuern. Sinnvolle Ideen wurden damit völlig zerstört. Unfassbar, wenn man sich mal überlegt, was sich da abgespielt hat.

    Und jene, die sich damals auf Scholz als schlechtesten Kanzler und auf Habeck als Prügelknaben der Ampel eingeschossen haben, finden es heute unfair, mit dem Finger auf Merz zu zeigen. Das kann von einigen hier nur noch Satire sein.

    Wenn man es drastisch formulieren möchte, dann wird über Wohl und Wehe Sachsen-Anhalts künftig in Moskau entschieden. Mit der AfD und dem BSW haben wir dort zwei Parteien, bei denen seit einiger Zeit spekuliert wird, dass zumindest die oberste Riege eng mit Russland verbunden ist. Sollte dem wirklich so sein, ist die Chance kaum noch existent, der Kreml würde sich eine solche Gelegenheit entgehen lassen, wesentlich die Politik eines deutschen Bundeslandes zu beeinflussen. Ich gehe davon aus, dass Russland beiden Parteien mitteilen wird, dass man sich eine Koalition von ihnen wünscht - sofern das nicht ohnehin schon klar ist.

    Kann mir auch keiner erzählen, dass die sich wirtschaftlich in einer Saison so stabilisiert haben, dass die mehr ausgeben können als einige die über Jahre in der Liga sind. Auch beim Merch kann man nicht mal im Ansatz so einen Gewinn erzielen.

    Die sollen in den Zweitligajahren wohl ganz solide gewirtschaftet haben.

    Unabhängig davon finde ich es in Ordnung, für Spieler der gehobenen Qualität auch bewusst ins kalkulierte und überschaubare Risiko zu gehen. Die hätten für Vieira 15 oder sogar 20 Mio zahlen können - selbst dann wäre bei seinen erwartbaren Leistungen noch genug Fantasie für Wertsteigerungen vorhanden.

    Es hier aber so stehen zu lassen, als wären alle Ostdeutschen vom Russen ferngesteuert gewesen, entspricht einfach nicht den Tatsachen.

    Und genau darum hat das auch niemand als Tatsache hingestellt. Für mich war das lediglich ein Erklärungsansatz von mehreren, warum so viele Menschen aus der ehemaligen DDR heute noch mit Russland sympathisieren. Wenn du andere Thesen vertrittst, dann nenn sie uns. Wäre ich gespannt drauf, denn für mich habe ich auf die hier gestellten Fragen eben auch keine abschließende Antwort.

    Echt wieso das? Finde die haben schon ein paar gute Kicker, eine gute IV und mit Fülle vorne drin sicherlich auch nicht den schlechtesten!

    Die haben einen komplett biederen Kader. Ohne Backhaus und Stage wären sie letzte Saison abgestiegen. Nun haben sie über Verkäufe bereits rund 40 Mio eingenommen - vermutlich geben sie noch Mbangula ab, womit sie insgesamt auf 45 bis 48 Mio kommen müssten. Klar, die haben finanzielle Probleme und können nicht alles investieren. Aber da muss mehr möglich sein als Itten, Reis und Füllkrug.

    Dinkci haben sie geholt, der ist gut. An Ndiaye (ehemals Schalke) und Regeer (Ajax) sind sie dran. Das wären auch starke Transfers. Aber viel darf bei Werder nach dem Ausfall von Stage jetzt nicht mehr schiefgehen, wenn die nicht ganz unten reinrutschen wollen.

    Wieso Arsenal sich aber so von dem Spieler auf der Nase rumtanzen lässt... da hätte ich eher ein Ziechen gesetzt, leisten können sie es sich doch.

    Laut Transfermarkt geht sein Vertrag nur noch ein Jahr. So wahnsinnig viele Zeichen setzt man da als Verein nicht. Andere Klubs waren ja an ihm dran und wären wohl bereit gewesen, besseres Geld zu zahlen - aber da Vieira nur nach Hamburg wollte, sind Arsenal auch irgendwo die Hände gebunden.

    Weiß nicht ob du dir im entferntesten vorstellen kannst, was sowas für einen einzelnen Menschen bedeutet.

    Schreib doch deine Erfahrungen gerne hier in den Thread - oder wir eröffnen dafür ein eigenes Thema. Den "Ich bin älter und habe das alles ganz anders wahrgenommen"-Schwanzvergleich finde ich unpassend.

    Du hast alles riskiert, das ist wahnsinnig beeindruckend und spannend. Darüber würde ich gerne mehr erfahren.

    Ich hab es hier schonmal geschrieben und bleibe dabei. Der Osten hat es komplett verbockt seine eigene Geschichte aufzuarbeiten. Das dort jetzt auch noch eine Partei gewählt wird die Russland nahe steht ist Zynismus pur.

    Bei der fehlenden Aufarbeitung stimme ich dir zu. Mich beschäftigen dabei vor allem die juristischen Folgen für das in der DDR begangene Unrecht. So gab es nur wenige Prozesse gegen Mitarbeitende der Grenztruppen und der Staatssicherheit - und wenn, dann mit erschreckend niedrigen Strafmaßen, was mit Blick auf die deutschen Gesetze mit dem Rückwirkungsverbot sowie mit Blick auf die internationalen Rechtsnormen mit der weitgehenden Nichtberührung des Völkerrechts argumentiert wurde. Das mag juristisch noch halbwegs nachvollziehbar sein, ist moralisch aber nicht hinnehmbar - und für tausende Opfer des Systems aus Unterdrückung und Überwachung der DDR natürlich ein Schlag ins Gesicht. Zumal es ja insgesamt deutlich mehr aufzuarbeiten gäbe als nur die Rechtsbrüche in der Zeit zwischen 1949 und 1989.

    Aber ich sehe den Zynismus nicht, wenn Menschen aus der ehemaligen DDR nun Parteien wählen, die Russland nahestehen. Die Sowjetunion war 40 Jahre lang in der DDR deutlich omnipräsenter als es Amerikaner, Briten und Franzosen zur gleichen Zeit in Westdeutschland waren. Eine vier Jahrzehnte mal offen erkennbare, mal subtil durchgeführte Propaganda hinterlässt eben ihre Spuren - und führt sicherlich nicht dazu, dass mit der Maueröffnung das große Reinemachen sowjetischen Unrechts beginnt. Eine das individuelle Leben massiv beeinflussende Propagandamaschine und die fehlende Aufarbeitung der eigenen Geschichte führen halt dazu, dass sich viele Menschen der früheren DDR heute immer noch in geistiger Nähe zu Russland sehen.

    Um es mal an meinem Beispiel zu verdeutlichen: War ich als Kind in der DDR unpolitisch? Gefühlt ja, weil ich mich nirgendwo bewusst engagiert habe. Und doch bin ich eben den normalen Weg der Indoktrination gegangen, der - aufgrund meines geringen Alters - nur die Berufung zum Jungpionier umfasste. Hätte ich länger in der DDR gelebt, wäre ich Thälmannpionier sowie FDJ'ler geworden und hätte mich als Erwachsener in irgendeiner politischen Organisation wiedergefunden, die nach außen hin Werte der DDR vertreten hätte, die im Kern aber fast ausschließlich sowjetisch geprägt gewesen wäre.

    Aber wie oft habe ich Kinderbücher gelesen, in denen ein, zwei Zeilen freigeschaufelt wurden, um einen Rotarmisten einzufügen, der irgendwelche Dinge erklärt hat? Wie oft habe ich Kinderfilme geguckt, in die doch noch eine Zusatzszene eingefügt wurde, in der ein Sowjetbürger helfend eingegriffen hat? Wie oft bin ich am Eingang meiner Schule an der Thälmannbüste vorbeigelaufen, neben der wie selbstverständlich auch Lenin stand? Und genau das war es: Selbstverständlich. Habe ich zum ersten Mai das DDR-Fähnchen und das blaue Fähnchen der Jugendorganisationen in der Hand gehalten, dann war da natürlich auch das rote Fähnchen der Sowjetunion mit bei.

    Ich war zur Zeit des Mauerfalls acht Jahre alt. Wie muss es Menschen ergangen sein, die die "Rotlichtbestrahlung" länger durchlaufen haben? Die aus Lehrbüchern für Schule, Ausbildung und Studium erfahren haben, dass jeglicher Fortschritt immer nur von Sowjets initiirt wurde? Die bei Fahrten ins Ausland eigentlich nur Polen, Ungarn, die CSSR und eben die Sowjetunion bereisen konnten? Die die sowjetischen Nationalhelden so sicher aufsagen konnten wie unsereins die Mannschaft vom FC?

    Die Sowjetunion war immer das moralische Rückgrat der DDR. So die Meinung der Propaganda, die eben bereits im frühesten Kindheitsalter eingesetzt hat. Und der man sich oft auch Jahre und Jahrzehnte später nicht entziehen kann. Daher finde ich es nicht überraschend oder zynisch, wenn Menschen aus der ehemaligen DDR heute Parteien wählen, die Russland nahestehen.

    Sollte man sich entschließen, auf LV die Kaufoption für Lund nicht zu ziehen oder dort für einen besseren Konkurrenzkampf noch jemanden zu holen, würde ich mir Moussa Ndiaye wünschen.

    Er will weiterhin nach Schalke, soll mittlerweile aber auch eine Einigung mit Bremen erzielt haben. Anderlecht hat die Voraussetzungen für einen Transfer massiv gelockert, die sind wohl zur Leihe mit Kaufoption in Höhe von 3 Mio bereit - was ich vor einigen Monaten noch für ein unrealistisches Schnäppchen gehalten hätte.

    Wäre aus meiner Sicht völlig unverständlich, wenn wir da nicht auch unseren Hut in den Ring werfen.

    Hab nun mehrmals versucht, auf den gestrigen Beitrag von Godzilla einzugehen. Mit dem, was er und einige andere hier heute geschrieben haben, sinkt meine Motivation zur Sachlichkeit aber.

    Was manch einer hier aktuell schreibt, tut jemandem wie mir - der zur Zeit der Maueröffnung knapp acht Jahre alt war und in der DDR gelebt hat - doch sehr weh.

    Aus Unwissenheit entstehen gerade falsche Vorwürfe. Und manch einer hier sollte sich mal fragen, ob er über genug Kenntnisse verfügt, um eine solche Debatte wirklich führen zu können.