Ich will hier gar nicht für irgendjemand Partei ergreifen.
Aber ist euch das nicht zu blöde Behauptungen aufzustellen, die sich mit 30 Sekunden Google oder KI-Recherche widerlegen lassen?
Bei der Nicht-Verurteilung der Hamas bin ich übers Ziel hinausgeschossen, sehe ich ein.
Aber dennoch hat die Irische Regierung eine eher pro-palästinensische Haltung eingenommen, bei der man die israelische Regierung für ihr Vorgehen im Gaza-Streifen verurteilt. Ohne aber auch zu sagen, wie sich Israel denn gegen eine Wiederholung solcher Massaker wie 2023 schützen könnte, ohne einen - am Ende für Israel ja auch schädlichen - Krieg gegen die Angreifer zu führen?
Ich bin auch dafür, dass man die Regierung Netanjahu vor allem für ihre völkerrechtswidrige Siedlungspolitik und das Vorgehen israelischer Siedler im Westjordanland etc. kritisieren muss. Weil das, was da gemacht wird, eine ganz klare Verdrängungspolitik ist, die nicht ungeahndet bleiben darf.
Dennoch hat Irland historisch gesehen eine enge Bindung an Palästina, die sich auch in der gesamten Art und Weise ausdrückt, wie schnell man dabei ist, Israel an den Pranger zu stellen. In Irland hat seit dem Beginn des Massakers vom 07.10.2023 einen rasanten Anstieg an antisemitischen Taten feststellen können. Jüdische Gemeinden fühlen sich seitdem unsicherer als zuvor und berichten von einer Normalisierung des Judenhasses in Irland. Nicht Israel-Kritik. Judenhass. Fast 50 % der Iren glauben, dass seit diesem Tag der Antisemitismus in ihrem Land zugenommen hat.
Zwar sagen auch knapp 40 %, dass Antisemitismus ein Problem ist, aber in den Griff bekommt man es da offensichtlich nicht. Und auch wenn die Zahl immer noch unter dem EU-Schnitt liegt, hat sie sich eben verdoppelt.
Sprich: die anti-israelische oder israel-kritische Haltung der Regierung ist nicht nicht losgelöst von der Haltung der Zivilbevölkerung und kann daher auch nicht einfach getrennt werden. Und Antisemitismus ist dann eben keine "Regierungskritik an Israel" mehr. Selbst wenn man der Regierung in Irland keinen direkten Antisemitismus vorwerfen kann, so scheint ihre Haltung aber doch entweder in abgemildeter Form den Zeitgeist in Irland abzubilden oder Auswirkungen auf die Menschen im Land zu haben. Beides kein gutes Zeichen.
Und damit kommen wir dann auch zu der Haltung der Irischen Nationalmannschaft. Eine Nationalmannschaft ist oftmals auch ein Spiegelbild des jeweiligen Landes, auch wenn sie natürlich nicht zwangsläufig die Regierung oder die Regierungsmeinung abbildet. Aber die Taten einer Nationalmannschaft haben auch immer eine gewisse, gesellschaftliche Relevanz. So wie die Debatte hierzulande damals über die Armbinden unserer N11 in Katar.
Eine Nationalmannschaft muss sich darüber im Klaren sein, dass das, was sie tut, in besonderem Maße beobachtet wird. Und hat daher eine gesellschaftliche Verantwortung und Tragweite. Die Irische Nationalmannschaft hat in diesem Punkt eine ganz klare Haltung eingenommen. Mit Aussagen des Trainers etwa, dass man "nicht mit, sondern gegen Israel und gegen den Genozid" spielen würde. Und beide am Ende damit in einen Topf geworfen hat. Oder dass es Spieler gab, die das Spiel boykottieren wollten. Oder den Trauerflor, den man - nachdem man dem Gegner den Handschlag verweigert hat - geküsst hat.
Und diese Haltung hat in Irland System. Auch im Sport. Bei Sportlern und Fans und auch Vereinen. Bohemian FC hat mehrfach ein Solidaritätskrikot mit Palästina rausgebracht etwa. Oder arbeitet mit Kneecap zusammen, deren Bandmitglieder auch gerne mal Hisbollah-Fahnen auf der Bühne zeigen oder sonst keinen Moment auslassen, um sich gegen Israel zu stellen.
Das mögen alles nur kleine Puzzlestücke sein und vielleicht sehen andere diese Puzzlestücke nicht mal als Teile desselben Problems an. Für mich zeigt das aber, dass in Irland von den offiziellen Statements der Regierung über das sportliche Aushängeschild der Fußballnationalmannschaft bis hin zu den Vereinen und Fans eine Haltung existiert, die wenn auch nicht immer 1:1 deckungsgleich ist, so doch zumindest einen roten Faden hat, der zunehmend stärker wird und sich immer mehr auf einen Gegner zu fokussieren scheint.