Hätten wir damit aus dieser einen Situation vielleicht eine etwas höhere Chance, dass kein Tor fällt? Vermutlich ja. Ist es ausgeschlossen, dass dann ein Tor fällt? Natürlich nein. Aus dieser Differenz dann Wagner einen Strick zu drehen und zu sagen er habe das Spiel im Alleingang verloren, geht mir einfach etwas zu weit.
Natürlich hätten die beiden Gegentreffer auch ohne Wechselorgie passieren können. V. a. unsere Standardschwäche ist nach wie vor existent, wenn auch nicht mehr so schlimm wie zuvor. Und mal wieder einen Kandidaten für das "Tor des Monats" zu fangen und/oder irgendeinem Gegenspieler sein erstes Tor der Saison zu kredenzen, kennen wir auch schon zur Genüge. Das ist also nichts, was ich Wagner ankreide.
Was ich ihm aber sehr wohl vorwerfe, ist, dass die Wahrscheinlichkeit für Union, in einen gefährlichen Konter des FC zu laufen, nach dem Dreierwechsel (plus der Herausnahme von Waldschmidt zehn Minuten vorher) beinahe null war – und umgekehrt der FC nach dem Standard-Anschlusstreffer von einer Truppe ziemlich an die Wand gedrückt wurde, die zuletzt so was nicht mehr auf die Kette gekriegt hat. Zumal sie ansonsten selber fast immer defensiven Konterfußball spielt.
Lässt Wagner zumindest "Pferdelunge" Kaminski drauf, der nun wirklich oft genug bewiesen hat, dass er auch 100 Minuten abspulen kann, muss Union deutlich vorsichtiger agieren. Und fällt das 3:1 für den FC, wird aus dem Rückenwind für die Berliner wahrscheinlich ein laues Lüftchen. Selbst wenn es nicht fällt, sorgen Konter für Entlastung, ermüden den Gegner und nehmen Zeit von der Uhr.