Beiträge von Puppekopp

    Bei Menschen, die ihre finanzielle Situation als schlecht einschätzen, kommt die AfD in Sachsen-Anhalt auf rund zwei Drittel der Stimmen. 89 Prozent der AfD-Wähler sorgen sich, dass die Preise so stark steigen, dass sie ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen können. 80 Prozent fürchten, ihren ohnehin schon geringeren Lebensstandard zu verlieren. Wer hier lebt, hat also nicht einfach ein eingebildetes Gefühl von Abstieg. Für viele ist die wirtschaftliche Realität tatsächlich schlechter als anderswo.

    Auf der Einnahmenseite liegt das vorwiegend am (in Relation zum Rest der Republik) hohen Rentneranteil – und auf der Ausgabenseite an den in Deutschland relativ hohen Energiekosten, v. a. bei Strom, die sich wiederum inflationär auf fast alles andere auswirken. Öl- und Gaspreise hingegen haben weltweit angezogen und liegen damit – jenseits von mehr Wettbewerb unter Öl- und Gaskonzernen oder Subventionen – nur bedingt im Einflussbereich deutscher oder europäischer Politik. Hohe Mieten sind auf dem ostdeutschen Land wiederum weniger ein Problem.

    Ginge es den Menschen in ihrer empfundenen Armut um höhere Renten und Sozialleistungen, taucht sofort die Frage auf, warum die dann AfD wählen. Die steht nun wirklich nicht für mehr Sozialstaat. Laut repräsentativer Umfrage spielen ökonomische Themen unter AfD-Wählern ohnehin eine untergeordnete Rolle. Dort stehen innere Sicherheit und Zuwanderung ganz oben, plus das Gefühl, die AfD sei ein Opfer.

    Und jene, die sich damals auf Scholz als schlechtesten Kanzler und auf Habeck als Prügelknaben der Ampel eingeschossen haben, finden es heute unfair, mit dem Finger auf Merz zu zeigen. Das kann von einigen hier nur noch Satire sein.

    In dem einen wie dem anderen Fall bringt personifiziertes Abwatschen für gewöhnlich reichlich wenig. Selbst wenn Merz zurücktreten würde, blieben in der Bundeskoalition die bestehenden Unvereinbarkeiten dieselben, v. a. hinsichtlich Steuern, Abgaben, Sozialleistungen und Bürokratie. Irgendeiner bremst oder verhindert immer. Und denkt man sich andere Koalitionen zusammen, kommt es in einer zersplitterten Parteienlandschaft zu noch mehr davon, weil kaum jemand bereit ist, über den eigenen Schatten zu springen und Kompromisse einzugehen. Schließlich hat man der eigenen Klientel protzig haufenweise unverhandelbare Positionen versprochen.

    Jetzt sei bitte nicht päpstlicher als der Papst. [...] oder warum unterstellst du hier die Unwahrheit?

    Pardon, aber geht es um Beschuldigungen, wie hier gegen einen Konzertveranstalter, finde ich Genauigkeit in der Wiedergabe des Gesagten und Geschriebenen enorm wichtig. Den im konkreten Fall von Alphaville gelieferten Kontext dem Veranstalter in den Mund zu legen, führt umgekehrt nur in die Irre.

    Sondern? Das ist doch sogar die offizielle Begründung des Veranstalters:

    Und? Von so was wie "Die haben gegen Nazis gestänkert" steht da nix, nur was von " zahlreichen politischen Äußerungen" und mieser Stimmung.

    Ich will damit überhaupt nicht die Peinlichkeit relativieren, jemanden wegen etwas auszuladen, das man als Veranstalter deutlich vorher schon hätte wissen können.

    Was für ein Quatsch. Kunst und Kultur sind ebenfalls immer politisch und bei fast allen Bands sind Musik und Haltung quasi unzertrennlich verbunden. Man kann es als Zuhörer natürlich ignorieren, aber von Bruce Springsteen über Ikkimel bis hin zu den Wildecker Herzbuben ist in die Kunst immer eine Weltsicht und Perspektive eingewoben, die auch für viele Hörer wichtig ist.

    Wer unbedingt will, kann natürlich in alles etwas Politisches plus "Haltung" hinein interpretieren und daraus sogar eine Bestätigung der eigenen Weltanschauung ableiten. Für dich wird dadurch sogar ein dezidiert als unpolitisch ausgeschriebenes Festival gerade deswegen politisch, weil es unpolitisch sein will. Kann man so sehen, muss man aber nicht.

    So oder so stellen die meisten Solokünstler, insofern sie denn tatsächlich und glaubwürdig für eine "politische" Haltung stehen, statt nur einen windigen "Zeitgeist" zu bedienen, diese primär oder ausschließlich über ihre Musik, Texte und Performance dar, nicht via Reden während des Konzerts. Alles andere führt schnell zu Murren und Pfiffen im Publikum, und das werden die meisten Veranstalter logischerweise nicht wollen.

    Davon gibt es sicherlich Ausnahmen, über die dann gerade deshalb jenseits der Musikpresse berichtet wird. Das macht sie aber nicht zur Regel.

    Das ist dann doch Stuss. Erstens haben die Veranstalter längst zurückgerudert, einen Fehler eingestanden und die Band ohne die entsprechende Bedingung wieder eingeladen, weil es ziemliche Entrüstung aus der Branche gab

    Du sagst es doch selber: Nicht eigene Einsicht (welche von vornherein Einschränkungen in den Auftritten verhindert hätte), sondern Gegenwind hat dafür gesorgt. Man war zuvor davon ausgegangen, dass die "Unpolitisch-Klausel" geräuschlos akzeptiert wird. Warum wohl?

    Und zweitens habe ich selten erlebt, dass eine Band irgendwo ausgeladen wurde, weil sie sich zuvor bei einer anderen Veranstaltung gegen Nazis ausgesprochen hat.

    Auch in der x-ten Wiederholung wird die Begründung, die den Veranstaltern unterstellt wird, nicht wahrer.

    Ich würde sogar sagen, dass die Antwort auf die Frage uns recht egal sein kann. Denn alleine die Tatsache, dass das Festival solche Grenzen zieht, diskreditiert es massiv.

    Dann diskreditiert eine solche Tatsache so ziemlich alle privaten Einrichtungen und Veranstaltungen, speziell jene im Unterhaltungsgeschäft, denn deren Betreiber sehen und praktizieren es i. d. R. genau so, ob nun mit oder ohne Ankündigung.

    Sowas wird es in Zukunft häufiger geben. Das Geld der AfD-Wähler wollen die meisten dann doch.

    Der Umstand, dass zahlendes Publikum eines Musikfestivals primär Musik und Show/Performance statt Redebeiträgen erwartet, macht es noch lange nicht zu AfD- oder Sonst-was-Wählern.

    Politische Überzeugung ist dann schnell über Bord oder war vielleicht ohnehin nie sonderlich "stabil".

    Die war für gewöhnlich nicht nur nie sonderlich stabil, sondern nie existent. Da geht es schlichtweg ums Geldverdienen. Wer was anderes erwartet, wird fast immer enttäuscht.

    Mittlerweile wirst du schon von Festivals ausgeladen weil du bei Konzerten klare Aussagen gegen die Alternativen Faschisten Deutschlands platzierst und Haltung beweist:

    Wie das halt immer so ist, stellt der Veranstalter den Ablauf anders dar und betont, dass keinerlei politische Äußerungen und Symbole auf der Bühne erwünscht waren und dass dies, wie schon vor früheren Ausgaben des Festivals, den Künstlern deutlich und frühzeitig auch so mitgeteilt worden war.

    Jetzt können wir um die Antwort auf die Frage würfeln, welche der beiden Versionen stimmt.

    Erste HZ war grausam aber offenkundig hat er in dre Halbzeit die richtigen Worte gefunden.

    Also, grausam fand ich den ersten Durchgang definitiv nicht, mich hat er eher positiv überrascht, weil ich angesichts der bisherigen Auftritte unter Wagner mit weniger gerechnet hatte, v. a. was Einstudiertes und schnelles Passspiel anbelangt.

    Hoppenheim ist zudem alles andere als Laufkundschaft; man sieht in vielen Szenen, dass vor der letzten und dieser Saison clever eingekauft wurde und der Trainer wiederum keine Nulpe ist, und trotzdem kamen die nicht zu einer Fülle an Chancen. Meistens waren es Distanzschüsse, von denen dann einer ziemlich deppert reingegangen ist, mit einem xGoals-Chancenwert von etwa 4 Prozent. Zur Halbzeitpause hatte der FC sogar ein qualitatives Chancenplus, und das, obwohl der Schiri SAP ein taktisches Foul nach dem anderen einfach so durchgehen ließ, ohne den Karton zu zücken. Insofern war das also schon in Ordnung, auch wenn man unserer Mannschaft die Angst vor gegnerischen Kontern durchaus anmerken konnte und sie vergleichsweise passiv agierte.

    Die zweite Halbzeit hat dann richtig Spaß gemacht, weil es quasi ein Fight mit offenem Visier war und der FC mehr riskierte. Das geht mit hoher Wahrscheinlichkeit tatsächlich auf eine gelungene Pausenansprache des Trainers zurück.

    Also, wenn das spielerisch so weitergeht, räume ich meine Bedenken gerne in die Schublade.

    Eine durchwachsene Leistung des Schiris, auch wenn ich eigentlich ein Freund davon bin, das Spiel laufen zu lassen. Aber wenn taktische Fouls nicht mit Gelb bestraft werden, merken das die Profis und machen eine Art Stilmittel daraus. SAP hätte schon in der ersten Halbzeit gleich mehrmals den Karton sehen müssen, kam aber immer ungeschoren davon. Das führte zu ständigen Unterbrechungen und somit zum genauen Gegenteil dessen, was Badstübner wohl beabsichtigt hatte. Der Gipfel war dann das Ziehen an El Malas Trikot, der sonst die flache Hereingabe wohl ins Tor gegrätscht hätte.

    Zum Elfer: In den Livebildern von Sky gab es keine Perspektive, aus der heraus für mich klar zu sehen war, dass Simpson-Pusey den Ball gespielt hat. In der Nachbetrachtung hat, wie ich jetzt gelesen habe, lediglich Hamann deswegen ein Fass aufgemacht. Wirkt aber so, als habe er die Meinung reichlich exklusiv gehabt. Der Typ ist für mich eh eine Art Kontraindikator.

    Wenn ich jetzt noch einmal hier lesen muss, dass er nicht gut genug sei für den großen FC. Nahezu alle neutralen Beobachter sehen ihn als einen der Besten der Bundesliga.

    Nur so zur Erinnerung: Die Kritik machte sich über Jahre an seiner Unfähigkeit und Zögerlichkeit bei hohen Bällen fest und war daher sachlich durchaus gerechtfertigt. Offenbar hat er zuletzt an sich gearbeitet und lässt Fortschritte erkennen. Wenn es so bleibt, ist doch alles prima.

    Wenn Kessler diesen zweiten Fehler auf der Trainerbank in dieser Woche noch korrigiert, gibt's von mir ein Hochachtungsvoll.

    Gerade, weil eine frühe Entlassung schon die zweite innerhalb eines halben Jahres wäre (mit Sommerpause/Vorbereitung dazwischen), wird das wahrscheinlich nicht passieren, zumal beide Trainer von Kessler selbst installiert worden waren. Sich zweimal hintereinander geirrt zu haben, fällt dann auch auf den Sportchef zurück, und das weiß er.

    Ich find's zwar etwas übertrieben, jetzt bereits den Kopf von Wagner rollen sehen zu wollen. Allerdings gehören ihm frühzeitig intern Fragen nach Taktik sowie Motivation und Fitness der Spieler gestellt. Denn was da gestern zu sehen war, lässt Gruseliges zumindest in Bezug auf den Ligastart erahnen.