Wie willst du diesen Prozess des Aufschiebens durchbrechen? Du sagst ja selber, daß du an deiner persönlichen Schmerzgrenze angekommen bist. Du würdest somit auch die Partei abstrafen, die eine dringend nötige Reform umsetzen muss, weil du dich danach sehr, sehr wahrscheinlich schlechter stellst. Somit sind wir als Wähler ein Teil des Problems hier. Wir müssen Parteien auch mal Reformen umsetzen lassen, sonst ändert sich nichts in unserem Land. Und Reformen heisst heutzutage nicht mehr schneller, höher, weiter, sondern leider weniger. Weniger Rente, weniger Wohlstand, weniger Geld (höhere Beiträge für Rente, Pflege, KK, Steuern). Aber wer hat da Bock drauf? Die AFD hat einfache Antworten. Ausländer raus und alles wird gut....
Alle andern haben leider noch keine Antworten.
Auch ich bedanke mich für die konstruktive Diskussion. Das Zitat deines Beitrages habe ich als Ausschnitt genommen, da ich deine Analyse der Probleme soweit teile.
In einem anderen Beitrag habe ich mal erwähnt, dass ich die Vorhersagen dieser systemischen Schieflage bereits in der 8 Klasse meines geschätzten Soziologielehrers gehört habe. Wir sind uns in vielen Punkten einig und wenn ich in meinem ersten Beitrag die Punkte aufgezählt habe, bei denen ich ein Politikversagen wahrnehme, so muss ich doch sagen, dass ich viele Punkte davon zähneknirschend hinnehmen kann. Beispielsweise höher Beiträge (egal ob Rente, KK oder Pflege). Alles nachvollziehbar, wenn auch mit dem Hintergedanken: Musste es soweit kommen?
Und hier wiederhole ich mich vielleicht: Wenn nun der persönliche Lebensentwurf bzgl. Teil- oder Vollzeit politisch eingeschränkt werden soll, findet dies aktuell nicht in einem luftleeren Raum statt. Letzte Woche waren wir mit 14,x Arbeitstagen zu oft krank, haben es zu einfach telefonisch eine AU zu "beschaffen". Im Wahlkampf hieß es lapidar "Wer Summe x verdient kann auch einfach mehr verdienen und muss nur die Stunden aufstocken". Entschuldige, wenn ich das Zitat nicht im Detail wiedergeben kann. Ich denke die Intention dahinter ist angekommen.
Nun haben wir meiner Meinung nach ein Ungleichgewicht auf dem Arbeitsmarkt. Den Fachkräftemangel und den damit verbundenen Arbeitsstunden sprich Löhnen (gleich Steuern und Beiträge) bekämpfst du nicht in der Beschneidung der Arbeitnehmerrechte. Teilzeit ist für viele Arbeitgeber derzeit attraktiver als je zuvor - bedingt durch die unsichere Wirtschaftslage. Wir könnten jetzt hier noch eine Analyse bzgl. des aktuellen Arbeitsmarktes und des tatsächlichen Fachkräftemangels je nach Bereich anschauen und überlegen in welchen Bereichen der Staat bzw. die Kommunen selbst dafür verantwortlich sind (Stichworte: Gesundheit, Bildung und Soziales). Ufert dann allerdings schnell aus.
Wenn wir uns das Ausgabenproblem anschauen haben wir einen aufgeblähten und teuren Bürokratieapparat. Der nicht nur kostet sondern auch den Wirtschaftsstandort Deutschland immer unattraktiver macht. Ich frage mich beispielsweise, ob wir über 90 GKVs (die bereits seit den 90ern drastisch reduziert wurden) mit dementsprechenden Overheads und Marketingkosten brauchen. Ob wir die Beamtenprivilegien anpacken sollten (kein Beamtenbashing an diese Stelle). Ist diese Teilzeitdiskussion wirklich nötig und zielführend?
Übrigens volle Zustimmung, dass sich wohl keine Partei bei diesem Thema gerne die Hände schmutzig macht. Über die AfD brauchst du mit mir auch gar nicht erst diskutieren, da ich trotz zunehmender Frustration moralisch niemals soweit absteigen könnte
. Andere traue ich das jedoch sehr wohl zu bzgl. der jüngsten Aussagen und Ideen der CDU. Und auch hier wieder: Warum ich die CDU erwähne? Weil sich diese als Halbierer der AfD aufgespielt hat und eben keine konservative Alternative zu den blau-braunen darstellt. Zumindest nicht mit derartigen Claims.