Erwartung an Fußball-Profis

  • Mir fällt ständig auf, dass irgendwer hier enttäuscht ist über das Verhalten und die Leistung der Spieler.
    Wenn ich Spieler wäre, dann......
    Oder
    Die müssten aber.......


    Vielleicht könnt ihr mal niederschreiben, wie ihr so denkt.


    Ich vergleiche es gerne mit Profi-Musikern, da ich auch Musik mache, aber nur im Amateur-Bereich.
    Die Berufsmusik erledigen erstmal Ihren Job. Die Zuschauer jubeln, weil die Darbietungen so toll waren. Aber vielen Musikern ist das wahrscheinlich unwichtig. Die spielen ihre Noten runter, so wie sie schon Hunderte Male gemacht haben, im Studium, in den Proben und gehn heim, das wars. Dann gehts mit den Kollegen noch in die Kneipe.
    Ich denke, dass das bei vielen Sportlern genauso ist.
    Jetzt gibts in der Musik natürlich keinen Gegner, der deinen Job verhindern will und die Leistungen sind auch schwankend bei den Kickern, was natürlich dann nicht zu einem Selbstvertrauen ala Messi und Ronaldo führt. Das sind halt nochmal Sonderfälle. Deshalb hinkt der Vergleich ein wenig.


    Ich glaube aber einfach, dass 70 oder 80 % der Spieler ihren Job erledigen, für den sie von Klein auf trainiert und hingearbeitet haben. Ich glaube vielen ist es sowas von egal, was im Verein läuft und wie es mit Fans und allem aussieht.
    Da zählt nur die Kohle, vielleicht die Karriere und das Privatleben. Viele bekommen während der Karriere Nachwuchs und haben dann auch zusätzlich Belastung. Verletzungen sorgen für Ausfälle ezc. Stöger sagte mal, dass auf dem Platz immer 11 Ich-AGs stehen würden. Das trifft es ganz gut.
    Bekommst von Bremen 6 eingeschenkt, tja dann gratulierst dem Gegner, trainiert in der Woche drauf wieder und hoffst, dass es im nächsten Spiel besser wird. Und wenn nicht, tja dann wirst zu 100%Werder, gehst dann nach China oder bummelst irgendwo in der Zweitliga-Provinz rum. Aber "egal" ich bekomme Kohle dafür. Einige streben Karriere-Planungen voran und arbeiten mehr, andere sind zufrieden, wenn sie im Profi-Fußball landen.


    Die Worte und Erwartungen von "zerreißen" und 34 Spieltage über 90 Minuten alles geben, klingen super in den Ohren der Fans. Und wenn du 10 Spiele Vollgas gibst, jubeln sie dich hoch. Aber 10 Spiele später bist wieder der ehrenlose Söldner, dem eh alles egal ist. Soll dann der Spieler sagen "egal" das stört mich nicht?


    Und nur weil einer 5 Mio im Jahr kassiert, ist er kein besserer oder schlauerer Mensch, der keinen Quatsch anstellt oder in der Freizeit mal einen trinken geht oder in der Sommerpause das Training bisschen schleifen lässt. Man denke an Frisör in Dortmund oder Ribery mit dem Goldsteak.


    Vorbild bestimmt, aber auch keine 24/7 oder 365 Tage im Jahr Vollprofi. Da gibts nur ne Handvoll.


    Es sind keine Idole oder Superhelden, sondern die meisten gehören zur Gruppe Halbstarke die Kicken können und im Herbst ihrer Karriere vielleicht mal vernüftig werden.

    No one is born hating another person because of the colour of his skin, or his background, or his religion. People must learn to hate, and if they can learn to hate, they can be taught to love, for love comes more naturally to the human heart than its opposite.

  • Interessante Gedanken, die ich so aber nicht vollumfänglich teile. Fußballspieler sind vor allem Jugendliche, die aus einem normalen Leben plötzlich in die Öffentlichkeit gerissen werden, viel Geld verdienen und sehr viel Freizeit haben. Und es sind vor allem ganz normale Menschen, das wird finde ich viel zu oft vergessen. Es kann einfach nicht jeder Mensch sich über Nacht zu einem Musterbürger entwickeln, der keinerlei Fehler zeigt und sich stets demütig und vorbildlich verhält.


    Im Fußball gibt es genau so viele Arschlöcher wie unter allen anderen Menschen auch. Es wird uns nur dadurch bewusst bzw. stärker in den Vordergrund gerückt, weil Fußballer gleichzeitig eben besonders in der Öffentlichkeit stehen und einen entsprechenden Einfluss haben. Insbesondere natürlich auf Kinder und Jugendliche, die ihnen nacheifern und den Traum leben, vielleicht mal in ihre Fußstapfen treten zu können. Zudem repräsentieren sie natürlich in vorderster Front ihre jeweiligen Arbeitgeber, deren Fans wir wiederum sind. Und wenn einer dann den Verein durch negative Schlagzeilen oder schlechte Leistungen schlecht nach außen vertritt, regen wir als Fans uns darüber eben auf.


    Auch ein Fußballprofi darf einen schlechten Tag haben, darf mal eine schlechte Leistung abliefern. Das tut jeder von uns ab und an, das ist menschlich. Ich finde die Auswüchse, die die Kritik inzwischen annimmt, teilweise einfach unfassbar. Insbesondere natürlich in den Medien, die jeden Fehler schonungslos ausschlachten, Spieler teils öffentlich anprangern oder deren Privatleben maximal in die Öffentlichkeit reißen, selbst wenn diese versuchen es zu schützen. Aber auch wir alle schlagen im Brett, anderen Foren oder sozialen Medien deutlich über die Stränge. Dafür muss man nur irgendeinen beliebigen Spieltagsthread studieren, da kann jeder sich selbst entsprechend hinterfragen.


    Natürlich ist das der Preis, den ein Spieler zu zahlen hat, wenn er einen Profivertrag unterzeichnet. Ich denke aber, dass vielen das in der extremen Form gar nicht wirklich bewusst ist. Die Vereine sind inzwischen natürlich hoch professionell aufgestellt, die Spieler erhalten Schulungen zum Umgang mit den Medien, Sprachkurse, Mentaltrainings, etc. Daher wirken die jungen Profis heutzutage auch so glatt und gleichgeschaltet, immer öfter vermissen Fans "echte Typen wie früher". Das hängt auch mit besagter Professionalisierung zusammen. Den rauchenden, saufenden Profi von früher, darf es heute gar nicht mehr geben. Ein Poldi, der seinem Kapitän auf dem Platz eine scheppert, hätte heute definitiv sein letztes Länderspiel gemacht. Die Kevin Großkreutze, die mit Döner werfen und besoffen in Lobbys pissen, werden systematisch aussortiert. Je mehr Geld in den Fußball fließt, je mehr das Ganze Marketing und Werbung wird, desto mehr sind auch die Spieler eben keine reinen Fußballer mehr, sondern Schauspieler und Werbefiguren. Nur gut kicken zu können reicht heute bei weitem nicht mehr aus, sie müssen sich vor allem gut zu vermarkten wissen. Christiano Ronaldo ist längst kein Fußballer mehr sondern eine Marke. Lukas Podolski übrigens ebenfalls, der seinen Namen sehr geschickt und geschäftstüchtig zu nutzen weiß.


    Ich will hier nicht das Bild des bemitleidenswerten Profifußballers zeichnen. Das sind wahnsinnig privilegierte Menschen. Aber es sind vor allem eben junge, unerfahrene Menschen. Die möchten sich genau so ausprobieren wie jeder andere in diesem Alter. Die machen die gleichen Fehler, wie andere in diesem Alter. Das sollte man nicht vergessen. Bobber hat vorhin Max Kruses Privatvideo erwähnt und dafür aus ihm einen Laienpornodarsteller gemacht. Sorry, Bobber, aber es ist eben ein aktuell passendes Beispiel. Auch solche Dinge meine ich. Das betrifft nicht nur Fußballer, sondern generell in der Öffentlichkeit stehende Menschen. Dinge, die eigentlich privat bleiben sollten, landen auf irgendeine Art im Netz. Und anstatt darüber nachzudenken, wie jeder von uns sich in dem Moment fühlen würde, verbreitet unsere voyeuristische Gesellschaft so etwas über alle Kanäle und zeigt genüsslich mit dem Finger darauf. Zeitungen drucken so etwas nur, weil es sich verkauft. So ekelhaft ich die Bild finde, sie ist nicht umsonst nach wie vor die auflagenstärkste Zeitung. Solche Dinge verkaufen sich am besten und deshalb gibt es, auch unter Fußballprofis, viele, die auf diesen Zug bereitwillig aufspringen, um noch mehr Bekanntheit abzugreifen. Viele andere werden unfreiwillig da hinein gezogen.


    Kann man wirklich von einem Menschen, nur weil er sehr viel Geld verdient und für Medien interessant ist, verlangen, sich anders zu verhalten, als die breite Masse? Warum ist es jedes Mal so schlimm, wenn ein Zwanzigjähriger mit einem alkoholischen Getränk im Club gesichtet wird, nur weil dieser zufällig Fußball spielt? Wer das Pech hat, von einer Kamera erwischt zu werden, findet sich tags drauf auf der Titelseite wieder. Warum ist es so, dass wir so einen hohen Maßstab ansetzen, wenn es um Fußballspieler geht? Warum dürften diese Menschen Dinge nicht, die für alle anderen komplett normal sind?


    Meine Erwartung an einen Fußballprofi ist daher relativ gering. Ich würde mir natürlich wünschen, dass jeder, der beim FC unter Vertrag steht, mit Herzblut dabei ist, sich voll mit dem Verein identifiziert und immer alles gibt. Das ist heutzutage aber eben mehr ein Wunsch als tatsächliche Erwartung, denn diese kann im Grunde gar nicht erfüllt werden.