Legendäre Spieler der 60er und 70er Jahre

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    • Legendäre Spieler der 60er und 70er Jahre

      Wie uns leidvoll bewusst ist. liegen die grössten sportlichen Zeiten für den FC leider etwas zurück. Genauer gesagt: die muss man in die 60er und 70er Jahre verorten, als der 1.FC Köln ganz sicher einer der besten, spielstärksten und erfolgreichsten Klubs im Lande war. Von 1960 bis 1980 konnten 3 Meisterschaften und 3 Pokalsiege verbucht werden. Der FC wurde darüber hinaus immerhin viermal Deutscher Vizemeister, erreichte 4 weitere Pokalendspiele. Darüber hinaus war er serienweise im Europapokal der Landesmeister oder im UEFA - Cup vertreten, denn die Mannschaft erreichte nur im Ausnahmefall nicht das internationale Geschäft. Der FC war eine der Topadressen im deutschen Fussball und hatte auch international einen sehr guten Namen. An grossen Spielen, grosse Erfolgen waren auch grosse Spieler beteiligt. Hans Schäfer, Hansi Sturm, Karl-Heinz Schnellinger, Christian Müller, Karl-Heinz Thielen, Wolfgang Overath, Wolfgang Weber, Heinz Hornig, Hannes Löhr, Heinz Flohe, Dieter Müller, Bernd Cullmann, Herbert Neumann,Herbert Zimmermann - die Liste ist noch länger. Diese Spieler - und vielen kamen aus dem Dunstkreis Köln - haben eine Epoche geprägt und es ist wert, daß man sich an sie erinnert. Ich werde beginnen an dieser Stelle über sie zu schreiben. Vieles wird euch bekannt sein, manches nicht.
    • WOLFGANG WEBER

      Beginnen möchte ich mit Wolfgang Weber, dem "Bullen", wie er während seiner aktiven Zeit getauft wurde. Weber, geboren am 26.Juni 1944, in Pommern, wuchs in Porz auf. Sein Talent wurde schnell offenbar, Tschik Caijkovski holte ihn zum FC und nach - der damals üblichen Sperre - feierte Weber sein Debüt während der Bundesligasaison 1963/64. Der körperlich enom starke Weber spielte zunächst vor allem Läufer und wurde schnell Leistungsträger des FC, mit dem er 1964 erster Bundesligameister wurde. Kurz darauf wurde er für die Nationalmannschaft nominiert.

      Legendär sein Auftritt mit dem FC 1965 im Europapokalviertelfinale gegen den FC Liverpool. Köln hatte zweimal 0:0 gegen die Reds gespielt und nach dem damals gültigen Modus wurde ein Entscheidungsspiel in Rotterdam angesetzt. Der FC lag schnell 2:0 hinten, Löhr hatte dann auf 2:1 verkürzt. Weber verletzte sich in der ersten Halbzeit am Bein und in der Pause musste er sich einem Belastungstest unterziehen, ob er spieltauglich sei(damals durfte nicht ausgewechselt werden). Weber sprang von einem Tisch auf den Boden, das Bein hielt - Weber spielte auf Rechtsaussen weiter. Der FC glich aus, das Spiel ging in die Verlängerung und wurde schliesslich per Münzwurf für Liverpool entschieden. Weiter gehende Untersuchungen ergaben, daß Weber über 80 Minuten mit gebrochenem Wadenbein gespielt hatte - eine unfassbare Leistung des Kölners. Diese Härte war typisch für ihn. Hart gegen seine Gegenspieler, härter gegen sich selber. Unfair war Wolfgang Weber nie. Er war einfach zu gut und hatte es schlicht und simpel nie nötig zu treten - und hob sich somit sehr wohltuend von so manchem Rauhbein der 60er und 70er Jahre ab.

      1966 war Weber wichtiger Spieler der Nationalmannschaft während der WM in England. Im Endspiel besorgte er kurz vor Schluss das 2:2 und bugsierte nach dem Wembley Tor von Hurst den Ball über die Querlatte.Weber hatte dieses "Tor" zeitlebens als Ungerechtigkeit empfunden, ohne aber seinen englischen Widersachern einen Vorwurf zu machen.

      1968 wurde der Bulle mit dem FC Pokalsieger. 1970 fuhr er zur WM nach Mexiko, kam aber nicht über zwei Einsätze hinaus. Weber, schon vorher häufig verletzt - hatte dann eine schwere Zeit. Ein Bandscheibenvorfall zwang ihn zu einer Operation. Diese Verletzung, Depressionen und die Trennung von seiner Frau gingen einher und führten zu einer neunmonatigen Pause. Weber wäre nicht Weber gewesen - er kehrte zurück und wurde von den Zuschauern, die ihn liebten mit einer unglaublichen Zuneigung empfangen. 1973 war Wolfgang Weber wieder ganz der Alte und feierte im Spätherbst dieses Jahres sein Comeback in der Nationalmannschaft. Für die WM 1974 reichte es dann doch nicht, Bundestrainer Schön entschied sich für den jüngeren Bonhof. Weber nahm dieses als kompletter Sportsmann auf und kein Wort der Kritik wurde an der Entscheidung des Trainers geübt.

      Es folgten noch weitere gute Jahre für den FC - der Bulle blieb ein Leistungsträger für seinen Verein. Leider musste er nach einer Herzmuskelent-
      zündung im Jahre 1977 seine Karriere beenden, blieb aber seinem Verein als Beobachter und Co - Trainer unter Trainer Hennes Weisweiler verbunden.

      Wilfgang Weber war ein Idol meiner Jugend. Ausgestattet mit einer für den damaligen Typ des Abwehrspielers ganz seltenen guten Technik, hoher Laufbereitschaft, einer hervorragenden Zweikampfführung und einem überragendem Kopfballspiel verkörperte er über Jahre hinaus Weltklasse. Weber in seiner besten Zeit - heute hätte er einen Marktwert, der einen weit zweistelligen Millionenbetrag ausweisen würde und spielen würde er bei einem Verein wie Liverpool, Manchester United oder Real Madrid.

      In den 90er Jahren hatte ich die grosse Freude während eines Spieles in Duisburg neben Wolfgang Weber zu sitzen. Das Spiel war grottig schlecht, aber die Unterhaltung mit Weber war grossartig. Freundlich, aufgeschlossen, fachkundig - eine wahre Wohltat sich mit diesem Mann zu unterhalten.
    • BERND CULLMANN

      Ein langjähriger Mitspieler von Wolfgang Weber war Bernd "Bulli" Cullmann. Im Grunde genommen war Weber sogar dafür verantwortlich, daß Cullmann zum FC kam. Weber war Porzer, Cullmann war Porzer und Cullmann spielte für die Spielvereinigung in der Landesliga Mittelstürmer. Weber empfahl Cullmann zum FC. Der spielte zunächst für die Amateure und rückte dann zu den Profis auf.

      Mein Vater sah Cullmann noch bei den Amteuren und war des Lobes voll. Cullmann spielte da schon hinten und mein Vater sagte, daß er da einen gesehen habe, der unbedingt zu den Profis müsse: Schnell sei, der und laufstark. Ausserdem ein prima Kopfballspieler.

      Kurz darauf war es soweit und Cullmann startete - nach einigen Anlaufschwierigkeiten - durch. Ab der Saison 72/73 war er der Stammlibero des 1.FC Köln und bildete zusammen mit Weber eine im Idealfall Innenverteidigung von internationaler Klasse. Cullmann interpretierte die Rolle des Libero offensiv(was ihm unter Hennes Weisweiler dann noch Schwierigkeiten bereiten sollte) und verstärkte immer wieder Mittelfeld und Angriff. Wenn Culli einmal beschleunigt hatte, war er mit seinen langen Schritten, der grossen Übersetzung, kaum zu bremsen. Er verhinderte nicht nur Tore, er schoss auch Tore - In einem Spiel gegen den FC Schalke 04 auch schon einmal drei Stück!

      Cullmann wurde für die WM 1974 und 1978 nominiert und spielte auch die EM 1980. Wurde also Weltmeister 74 und Europameister 1980. "Als Weltmeister habe ich mich nicht gefühlt", sagte Culli, weil er im Endspiel nicht aufgelaufen sei. Nun, andere sahen das anders.

      Mit dem FC wurde Cullmann 1977,1978 und 1983 Pokalsieger und 1978 Deutscher Meister. 1973 und 1982 reichte es immerhin zur Deutschen Vizemeisterschaft. Bernd Cullmann war ein Muster an Einsatz und ein Muster an Vereinstreue. An Angeboten fehlte es nicht und nur einmal kam Cullmann wirklich in Versuchung. Das war 1977. Im Jahr zuvor war Cullmann langwierig verletzt, kam zurück und fand seinen Liberoposten von Roland Gerber besetzt(und glänzend vertreten)." Der Culli spielt mir zu offensiv", sagte Hennes Weisweiler und Cullmann kam in der Saison 1976/77 nicht über ein Reservistendasein hinaus - eine bittere Pille für Sportsmann Culli. 1977 gab es ein Angebot für den Porzer aus Dortmund, letzten Endes bleib Cullmann in Köln. Gott sei Dank mögen die Kölner gedacht haben und Cullmann hat sicherlich das gleiche gedacht. In der Rückrunde 77/78 war Cullmann einer d e r Leistungsträger beim FC, spielte eine überragende Runde im defensiven Mittelfeld, erzielte sehr wichtige Tore, die dem FC so manchen wichtigen Punkt bescherten - und wurde Doublegewinner. Zum 2:0 im Pokalfinale 78 erzielte Culli das vor entscheidene 1:0 per Flugkopfball.

      Cullmann spielte bis 1983 in der Bundesliga, absolvierte 341 Ligaspiele für den FC und erzielte 40 Tore. Er bleibt bis heute seinem FC verbunden, besucht regelmässig die Spiele. 1991 bis 1993 war er im Vorstand des FC, danach bis April 96 Manager des FC. Als er in dieser Funktion seinen langjährigen Mitspieler Stefan Engels entlassen musste, tat Cullmann das, was man von einem Mann wie ihm erwarten konnte: er trat gleichfalls zurück. Sein Sohn Carsten folgte ihm als langjähriger Spieler des 1.FC Köln in der ersten und zweiten Liga.

      Bernd Cullmann ist das geblieben, was er war. Ein Kölner, der in Porz lebt und mit und für seinen Verein lebt.
    • HERBERT NEUMANN

      Womit wir bei einem weiteren Porzer wären - Herbert Neumann. Auch er lernte in Porz das "Geschäft" und wurde vom legendären Jupp Röhrig 1969 nach Köln geholt. In Köln`s Jugendabteilung war man sich schnell einig: ein überragendes Talent.

      Zur Saison 1972/73 wurde Herbert Neumann in den Lizenzspielerkader geholt. Er stach heraus und das nicht nur wegen seiner wehenden blonden Haare. Der Junge hatte was drauf, ein grossartiger Techniker mit Spielübersicht. Die Konkurrenz in Köln war allerdings seinerzeit so gross wie nie, im offensiven Mittelfeld spielten Overath und Flohe. Neumann kam trotzdem zu seinen Einsätzen, zunächst jedoch oft als Einwechselspieler. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde er erst durch seinen Auftritt beim legendären Pokalendspiel 1973 bekannt - Torschütze und einer der besten Spieler auf dem Platz. Erst die Saison 1974/75 schien dann den Durchbruch zu erbringen, 31 Spiele und 9 Tore. Neumann profitierte davon, daß Trainer Caijkovski ihn in einem 4 - 4 - 2 System als hängenden Rechtsaussen einsetzte und Neumann dankte es mit guten Leistungen. Das Jahr darauf war schwächer, aber immerhin noch akzeptabel. Es fiel allerdings auf, daß Herbert Neumann permanent mit Leistungsabfällen zu kämpfen hatte - der Grund waren Magenprobleme, Zerrungen und - kaum zu fassen in seinem Alter - Wachstumsproblemen. Seinen erneuten Durchbruch hatte er mit dem Pokalendspiel 1977, in dem er für Overath zum Einsatz kam und Pokalsieger wurde.
      Im Jahr darauf wurde er nicht nur Stammspieler, sondern einer der wichtigsten Leute eim FC. Mit Flohe und Cullmann bildete er ein Mittelfeld von internationaler Klasse, erzielte in 34 Spielen 8 Tore und war unumstrittener Leistungsträger. Die WM 78 verpasste er wegen hartnäckiger Kniebeschwerden, es sollte bei einem Länderspiel bleiben.
      In der Saison darauf hatte Neumann wieder erhebliche Verletzungssorgen, die sich in der Saison 79/80 verstärkten. Sein Verhältnis zu Weisweiler war ebenfalls getrübt, der Trainer warf seinem Star manchmal gar eine nicht zufrieden stellende Berufsauffassung vor. Neumann wechselte schliesslich den Klub, spielte in Udine bei Italien eine überragende Saison, anschliessend in Bologna.
      Zur Rückrunde 1983 kam Herbert Neumann zurück zum FC und wurde mit diesem 1983 nochmals Pokalsieger. Dann trennten sich die Wege endgültig. Neumann startete später eine Trainerkarriere, die ihn durch einige Stationen in Holland, Griechenland und der Schweiz führten.

      Über Herbert Neumann ist viel diskutiert worden in Köln. Viele sagen ,daß er zu wenig aus seinem Talent gemacht hat."Ein Spieler wie er, der dir aus 50 Meter den Ball in eine Kaffeetasse tritt, der muss einfach 50 Landerspiele machen", sagte ein langjähriger Journalist beim Kölner Stadtanzeiger. Herbert Neuman war dennoch ein Grosser des 1.FC Köln. Nicht nur gross, sondern erfolgreich. Dreimal Pokalsieger und einmal Deutscher Meister ist ein bisschen mehr als die meisten Profis in ihrer Vita stehen haben.

      Es bleibt die Erinnerung an jemanden, der wirklich Fussball s p i e l e n konnte.
    • KARL - HEINZ SCHNELLINGER

      Karl - Heinz Schnellinger machte nicht ein Spiel für den 1.FC Köln in der Bundesliga(allerdings machte er Bundesligaspiele:für TeBe Berlin in der Saison 1974/75). Karl - Heinz Schnellinger machte 131 Oberligaspiele für den 1.FC Köln, wurde dabei viermal hintereinander Westmeister, errang mit dem FC die Deutsche Meisterschaft 1962 und wurde zweimal Vizemeister: 1960 und 1963.

      Aber als die Rheinländer 1963 für ein Engagement in Rom verliess(für eine damalige Riesenablösesumme) - da war Karl - Heinz Schnellinger schon ein Weltstar. Der beste Abwehrspieler Europas, um genau zu sein - 1962 wurde er als Abwehrspieler bei der Wahl zu Europa`s Fussballer des Jahres als Dritter ausgezeichnet.
      Der rotblonde Schnellinger nahm an vier Weltmeisterschaften teil - von 1958 bis 1970. Ein ungemein cleverer, abgebrühter Spieler mt Kopfballstärke,Technik, Schnelligkeit und einem Taktikverständnis, welches weit über die Normalmasse seiner Zeit heraus ragte. 1965 ging er nach Mailand und der Erfolg lief ihm hinterher. Meister, Europapokalsieger der Pokalsieger, der Landesmeister. Oftmaliger Pokalsieger in Italien - und "Carlo" war einer der grossen Stars nicht nur Mailand`s sondern Italiens.

      Er spielte bereits 1963 in einer Weltauswahl(als das wirklich noch etwas bedeutete) - beim Abschiedsspiel für Sir Stanley Matthews.

      Hans Schäfer - sein langjähriger Kapitän in Köln - meinte über ihn: "Der Fuss(Rothaarige) kann alles".
    • JOHANNES LÖHR

      Johannes(Hannes,Hennes,de Nas) Löhr kam 1964 zum 1.FC Köln - von den Sportfreunden Saarbrücken, obwohl er Rheinländer war. Löhr hatte für die Saarländer in der damaligen Regionalliga gekickt, war prompt Torschützenkönig geworden und der FC hatte ihn zur Saison 1964/65 verpflichtet. Der 1.FC Köln war der sportliche Riese seinerzeit - und Löhr konkurrierte mit Spielern wie Thielen, Christian Müller, Hornig um einen Platz im Sturm. Löhr hatte Anlaufprobleme, biss sich aber durch und war ab der Saison 1965/66 unverzichtbar. Spielte Mittelstürmer, bevorzugt aber Linksaussen. Hennes war schnell und hatte Torriecher - Bundesliga Torschützenkönig der Saison 67/68. Hennes schlug allerdings auch fantastische Flanken mit seinem starken linken Fuss und bereite eine Unzahl von Toren vor.

      Löhr war ein Kämpfer von hohen Graden, selbst schwere gesundheitliche Probleme steckte er weg. 1968/69 gar eine Tuberkuloseerkrankung - gerade rechtzeitig um mit und für den FC den Abstieg zu verhindern, Löhr`s Tore sicherten entscheidend mit den Ligaverbleib. Hannes Löhr wurde mit dem 1.FC Köln 1968, 1977 und 1978 Pokalsieger und Deutscher Meister 1978. Hannes Lör lief 724 mal für den Klub auf und erzielte sage und schreibe 421 Tore. In der Bundesliga traf er bei 381 Einsätzen 166 mal - bis heute vereinsinterner Rekord.

      20 mal spielte er für die Nationalelf und war WM Teilnehmer 1970 in Mexiko, bei der er eine ganz starke WM spielte.

      Löhr blieb seinem Verein auch nach der aktiven Zeit treu. Cotrainer, Manager, dann Trainer - bis zu seiner Entlassung 1986. Danach heuerte er beim DFB an und bleib dort bis zur Pensionierung. Seinem Verein blieb er immer verbunden - steter Zaungast als aufmerksamer Betrachter bei den Spielen des 1.FC Köln. Was sagte mein Onkel mal so schön über ihn:"Ich weiss nicht, wie er es macht. Mal rechts, mal links. Mit dem Kopf und dem Knie. Und wenn nix geht, dann mit der Nas". Genau - Hennes machte immer etwas und meistens das Richtige.
    • DIETER MÜLLER

      Als die Karriere von Hennes Löhr in die Zielkurve ging(hatte man jedenfalls gedacht), kam Dieter Müller aus Offenbach nach Köln. 19 Jahre alt, Jungendnationalspieler - ein hoffnungsvolles Talent. Wie sich schnell herausstellen sollte - viel mehr als das.

      Müller schoss in seiner ersten Saison für den FC 17 Tore und deutete an, was für eine "Kanone" er war. Im Jahr darauf waren es 25 und der damals kanpp 21-jährige stand vor dem Debüt in der Nationalelf. Im August 1975 wurde Müller dann "aus dem Verkehr" gezogen. Schwere Rippenfellentzündung, man munkelte von TB und Ende der Karriere. Es folgte eine fünfmonatige Zwangspause mit Kuraufenthalt im Schwarzwald und langer Reha. Im Januar 1976 war Müller wieder da und erzielte in de rRückrunde Tor um Tor und fuhr anschliessend mit Heinz Flohe zur Europameisterschaft nach Jugoslawien. Die Nationalelf spielte gegen den Gastgeber,lag in der 83ten Minute mit 1:2 zurück und Müller wurde eingewechselt. Ecke, Kopfball Müller - Tor. In der Verlängerung machte er dann noch zwei Tore und Deutschland ging in das Finale gegen die CSSR, welches nach Elferschiessen verloren ging. Müller hatte wieder getroffen.

      Diese Europameisterschaft wurde zur Zäsur in Dieter Müllers Karriere. In der darauf folgenden Saison traf Müller im Grunde genommen alles. 34 Tore in der Meisterschaft machten ihn zum Torschützenkönig und im DFB - Pokal netzte er sage und schreibe 14 x ein(Rekord bis heute). Müller hatte einen ausgesprochenen Torriecher, Müller hatte ein überragendes Kopfballspiel,. Dieter Müller hatte auch ein erstklassiges Spielverständ-
      nis und vor allem war er ein Abschlussspieler der Sonderklasse. Jemand, der die Spielkunst und die Vorbereitungen der Flohe, Overath, Neumann, Löhr, Konopka in Tore ummünzte. 1977 gab es mal ein Spiel gegen des HSV, in welchem Müller gegen Verteidiger wie Nogly(damals Nationalspie-
      ler für den HSV) und Manni Kaltz antrat. Müller macht drei Tore, schoss einmal gegen den Pfosten und war an jeder gefährlichen SItuation seiner Mannschaft beteiligt. Die Hamburger Verteidiger - egal wie sie sich konzentrierten und positionierten - konnten ihn einfach nicht fassen und beschimpften sich gegenseitig so lautstark, daß man es bis auf die Ränge hörte. Nach dem Spiel meinte Peter Nogly in herzerfrischender Offenheit, daß Müller einfach zu gut und zu clever für ihn gewesen sei und das man im Grunde genommen nie wisse, wie man sich gegen ihn zu stellen habe.

      Der 1.FC Köln wurde vor allem durch Müller`s Tore Pokalsieger 1977 und eben diese Tore waren massgeblich auch am Meistertitel 1978 und am erneuten Pokalsieg 1978 beteiligt. Dieter Müller fuhr mit zur WM 1978, danach - mit 24 - versickerte seine Nationalmannschaftskarriere. Mit Helmut Schön hatte er sich nie recht verstanden(warum das wusste der "Lange" wohl nur alleine, denn Müller galt als extrem pflegeleichter Mensch) und im Jahr nach der WM hatte Müller die erste fussballerische Krise seiner Laufbahn. Und als er - im Frühjahr 1979 - wieder in den Tritt kam und Köln mit Toren gegen Glasgow und Nottingham auf Landesmeisterkurs schoss, kam eine schwere Muskelverletzung ausgerechnet im Rückspiel gegen Nottingham. Viele Kölner sind heute noch davon überzeugt - mit Müller wäre dieses Spiel niemals verloren gegangen.

      1981 wechselte Müller nach Stuttgart, ein Jahr später ging er nach Bordeaux. Auch in Bordeaux(an de rSeite von Spielern wie Giresse und Tigana) Tore am Fliessband und Müller wurde mit dem Verein zweimal französischer Meister. EIn Jahr in Saarbrücken und mehrere Jahre bei seinem Heimatverein in Offenbach beendeten die Karriere.
      Müller erzielte in Köln 159 Bundesligatore in 248 Bundesligaspielen. 29 Tore im UEFA - Cup machen ihn nach Josef Heynckes zum zweit erfolgreichsten Goalgetter in diesem Wettbewerb. Der grösste Auftritt des Dieter Müller fand 1977 im Spiel gegen Bremen statt. Ein paar Monate zuvor hatten ihn die Bremer Abwehrspieler in Bremen(vor allem aber Horst Höttges) permanent unfair attackiert - in Köln rächte sich Müller auf seine Art - sechs Tore in einem Spiel, bis heute Bundesligarekord.

      Dieter Müller war ein feiner Kerl, sehr beliebt in Mannschaftskreisen. Ein furchtbarer persönlicher Schicksalsschlag traf ihn 1997, als sein sechzehnjähriger Sohn einer Krebskrankheit erlag. 2012 erlitt Müller einen Herzstillstand und lag im Koma - erholte sich aber und ist wieder fit.

      Dieter Müller betreibt unter anderem eine Fussballschule und im Jahre 2001 habe ich meine beiden Söhne dort eine Woche spielen und lernen lassen. Sie waren begeistert von der Atmosphäre und von der menschlichen Art und Persönlichkeit von Dieter Müller.

      Dieter Müller - mit Recht wählten ihn die Express Leser zu Kölns Stürmer des Jahrhunderts. Ich drücke es so aus:ein Stürmer mit den Fähigkeiten eines Dieter Müller heute in unseren Reihen, mit absoluter Sicherheit hätten wir mit dem Abstieg nichts zu tun. Gar nichts.
    • HEINZ "FLOCKE" FLOHE

      Über Heinz Flohe habe ich im alten Brett einige Male geschrieben, zu einem runden Geburtstag, zu seinem Tod.

      Ich muss gestehen - eine objektive Wertung zu Heinz Flohe ist mir nicht möglich. Ich war einfach "verliebt" in diesen Fussballspieler. Und manchmal hätte ich ihm auch das Hälschen durchschneiden können. Dann, wenn Flocke mal wieder 4 Gegner ausgetanzt hatte und unbedingt beim ersten wieder anfangen musste.

      Heinz Flohe kam als 18-jähriger zum 1.FC Köln und dem Uneingeweihtesten unter den Besuchern wurde abrupt klar, was für einen grandiosen Fussballspieler man sich da aus Euskrichen geholt hatte. Flohe konnte mit dem Ball Dinge, die anderen nicht einmal eingefallen wären. Dabei sah alles furchtbar leicht aus und - das machte es für die Gegenspieler um so frustrierender. Flohe konnte dribbeln, einen kurzen Pass spielen, einen langen Ball spielen. Flohe war beim Dribbling irgendwie der Ball wie fest geklebt am Fuss und: Heinz Flohe konnte schiessen. Sein linker Fuss war ein regelrechter "Dampfhammer" und der Schrecken der Torleute.

      In seinem zweiten Profijahr wurde Flohe mit dem FC 1968 Pokalsieger. Nationalspieler wurde er nach der WM 1970. Seine Nationalmannschafts-
      karriere umfasste lediglich 39 Länderspiele - dafür gab es Gründe. Zum einen war da der Schatten von Wolfgang Overath und Günter Netzer und zum anderen war Helmut Schön vom Kölner nicht unbedingt überzeugt. Flohe war ein einfacher, gradliniger Mensch und Antichambrieren - das lag ihm so gar nicht. Flohe sagte wenig, aber dann meistens auf den Punkt. Und damit konnten einige Leute - insbesondere beim DFB - nun gar nicht umgehen. Franz Beckenbauer hat in den 70er Jahren gesagt, daß Flohe der beste deutsche Fussballer sei. Vom Grössten der Grossen bekam er diesen Ritterschlag, mehr ging nicht.

      Ich habe Heinz Flohe unzählige Male gesehen und seine Spielkunst war legendär. Dazu - das hat man oft übersehen - Flohe war schnell und sehr, sehr laufstark. Der machte Kilometer ohne Ende, immer bemüht um den Ball. Sein ganz grosses Jahr war das Double - Jahr 1977/78. Weisweiler befreite ihn vom Schatten Overath und Flohe stellte unter Beweis, daß er ein grosser Regisseur war. Schumacher,Konopka, Gerber,Strack, Zimmermann,Cullmann, Neumann, van Gool,Dieter Müller, Okudera - das waren seine Mannschaftskollegen beim legendären Double. Illustre Namen und Heinz Flohe war ihr spiritus rector, ihr Regisseur - der beste Mann der Mannschaft. Und er war der erste Diener dieser Mannschaft und manches Mal habe ich mich gefragt, ob Weisweiler nicht früher hätte kommen sollen.

      Sein grösstes Spiel hatte er - für mich - da schon gemacht. Beim legendären Pokalendspiel 1973 in Düsseldorf war er der beste Mann unter allen grossartigen Fussballern auf dem Platz - eine Inspiration für alle die den Fussballsport liebten.
      Heinz Flohe`s Zeit beim 1.FC Köln endete 1979. Hennes Weisweiler machte einen Strich, er hatte das Gefühl. daß es mit Flohe nicht mehr weiter gehen würde. Ich halte Don Hennes für einen der grössten Trainer aller Zeiten - aber da hat er sich geirrt. Flohe - tief verletzt - ging zu 1860 München und musste nach einem überharten Foul ausgerechnet vom späteren Kölner Paul Steiner seine Karriere beenden. Es war so schlimm, daß er Zeit seines Lebens unter den Spätfolgen dieser Verletzung litt.

      In der Radrennbahn hat der FC 1975 mal gegen Schalke gespielt und 3:1 gewonnen. Flohe schoss zwei Tore und war bester Mann auf dem Platz. Bei diesem Spiel hatte er eine Aktion, die ich aus nächster Nähe gesehen habe und die ich bis heute nicht aus meinem Gedächtnis bekomme(Gott sei Dank!!). Also: Overath spielt einen Pass auf die linke Seite. Der Ball ist zu hoch und Flohe müsste ihn mit dem Kopf nehmen. Oder mit der Brust - zumal ein Schalker Gegenspieler auf ihn zu kommt. Heinz Flohe nimmt den Ball mit dem Linken Fuss herunter und der liegt wie tot auf dem Rasen. Der Schalker kommt und Flohe schiebt ihm den Ball durch die Beine, nimmt Fahrt auf und knall ihn dann aus 28,30 Meter von halbllinks auf das Tor - Centimeter vorbei. So war er - technisch perfekt, ein Schlitzohr, mit Zug zum Tor und einem gewaltigen Abschluss. Ein Weltklassespieler.

      1979 bin ich nach dem Spiel gegen Nottingham zum Geissbockheim gefahren. Heinz Flohe - vorher verletzt - war für den verletzten Dieter Müller in das Spiel gekommen. Letzten Endes verloren wir mit 0:1 und das war eine schwere Sache für alle. Ich war oben an der Theke, ein schüchterner Junge und Flohe kam raus, mischte sich unter die Fans. Ich habe mir dann ein Herz genommen und ihn angesprochen, mit Tränen in den Augen. Flohe hat mich in den Arm genommen und gesagt:"Jung, mach dir nix draus. im Leben kriegt man immer die zweite Chance und die muss man dann nützen" .

      Heinz Flohe fiel 2010 in ein Wachkoma, aus dem er nie mehr aufwachte, eine zweite Chance gab es nicht mehr. Im letzten Jahr ist er gestorben, vergessen werde ich ihn nicht. Und viele andere, die das Privileg hatten ihn spielen zu sehen ganz sicher auch nicht.

      Heinz Flohe liegt auf einem Friedhof in einem schlichten Grab. Aber es wird mehr in Erinnerung von ihm bleiben als ein einfacher Grabstein.

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    • HEINZ SIMMET

      Viele, die ihn nicht kannten waren der Meinung, daß Heinz SImmet ein Kölner oder zumindest Landkölner sei. War er nicht, Heinz Simmet kam aus dem Saarland. Seine Bundesligapremiere feierte er bei Borussia Neuenkirchen(jawoll, die haben in der Bundesliga gespielt). Zwei Spielzeiten, die Neuenkirchener stiegen ab. Simmet wechselt zu Rot - Weiss Essen und ab der Saison 1967/68 schnürte er für den ruhmreichen 1.FC Köln die Stiefel. Er hatte auch ein Angebot von Hennes Weisweiler erhalten(dazu mehr), entschied sich aber seinerzeit für den FC. Simmet`s Aufgabenprofil war schnell umrissen. Er sollte Overath und Flohe den Rücken frei halten. Und das tat Simmet`s Hein denn auch. Heinz Simmet hätte in 11 Jahren 1.FC Köln 374 Spiele machen können - er machte 357, was dem unglaublichen Schnitt von 95,45 % entspricht. Andere waren verletzt, Heinz Simmet spielte und spielte und spielte. Und kämpfte und ackerte und rackerte. Nicht nur das, er erzielte als defensiver Mittelfeldspieler 37 Tore Bundesliga-
      tore für den FC(insgesamt 55). Er lief 55 mal im Pokal auf und 60 mal in europäischen Wettbewerben. Simmet war aber nicht darauf reduziert, nur zu laufen und zu rackern - Simmet konnte Fussballspieler. Ein Sechser, der mit in den Kombinationsteppich einbezogen worden konnte, der torgefährlich war und ein ganz hervorragendes Passspiel sein eigen nannte. Ein Spieler, der umgeben war von Stars wie Overath, Flohe, Weber, Schumacher,Cullmann,Müller,Löhr - und der wahre Unverzichtbare seiner Mannschaft war.

      Heinz SImmet - fast unglaublich für die heutige Zeit - lief in 289 Spielen hintereinander von Beginn für den FC auf. Von 1970 bis 1977 ohne jede
      Unterbrechung. JEDES Spiel.

      Simmet konnte r i c h t i g auspacken, wenn es sein musste. Wurden Overath und Flohe hart attackiert, konnte man die Uhr danach stellen, daß der Delinquent alsbald von SImmet einbestellt wurde. SImmet trat ihn dann - wie man früher so schön sagte - mal eben über die Aschenbahn. Allerdings ohne Verletzungsfolgen für den Gegenspieler. Legendär seine Aktion gegen das anerkannte Essener und Kaiserslauterner Rauhbein Hans - Günter Neues, der Flohe übel gefoult hatte. Simmet merkte sich Neues Gesicht. Zehn Minuten später kam Neues an den Ball, liess ihn zu weit springen, Simmet hääte den Ball ohne weiteres ablaufen können. Tat er aber nicht. Neues hinter her, in dem Moment wo Neues von vorne an den Ball kam, setzte Simmet den Fuss seitlich dagegen - Neues hob ab und kam nach einem Flug von geschätzten Sieben Meter 80 auf dem Boden auf - der Schiedsrichter gab nicht einmal Freisstoss und Simmet grinste sich einen.

      Simmet erreichte mit dem FC zwischen 1968 6 Pokalendspiele und gewann diesen 3 mal. Zum Abschluss seiner Karriere wurde er Deutscher Meister - unter Hennes Weisweiler. Der, der ihn 1967 nach Gladbach verpflichten wollte und 1976 nach Amtsantritt in Köln mit den Worten begrüsste:"Na, du Ar..... Wenn du damals zu mir gekommen wärst, wärst du schon ein paarmal Deutscher Meister geworden".

      Heinz Simmet konnte es verschmerzen. Er war in Köln sesshaft geworden, hatte viele Freunde gewonnen. Nach seiner Profikarriere liess er seine Laufbahn bei Frechen 20 ausklingen und widmete sich als selbstänidger Malermeister dem Ausbau seiner Firma. So, wie man es von ihm gewähnt war: Fleissig, fachkundig und immer am Ball.
    • WOLFGANG OVERATH

      Ich fühle mich gleich zu Beginn dieses Beitrages geradezu verpflichtet zu sagen, daß ich über Wolfgang Overath, den Spieler des 1.FC Köln schreibe und mitnichten über Wolfgang Overath als Präsident des 1.FC Köln.

      Wolfgang Overath genoss schon als Schüler- und Jugendspieler über die Grenzen seiner Heimatstadt Siegburg hinaus einen geradezu legendären Ruf als ein Supertalent. 1963 debütierte er als 19 - jähriger an der Seite von Hans Schäfer im Kölner Mittelfeld und strafte die Voraussagen Lügen - er war noch besser als der Ruf, der ihm voraus eilte. Overath war ein überragender Techniker. Dazu dynamisch und laufstark und - selten bei Spielern dieser Veranlagung - ein Kämpfer vor dem Herrn. Seine Torgefährlichkeit stellte er gleich beim Debüt in Saarbrücken unter Beweis - das erste Bundesligator für den FC erzielte Wolfgang Overath.

      Mit dem FC wurde er Deutscher Meister 1964. Mit dem FC wurde er Deutscher Pokalsieger 1968 und 1977(unten mehr) - das war es an nationalen Titeln für diesen Ausnahmespieler.Vizemeister 1965 und 1973, Halbfinale des UEFA Pokals 1971, Halbfinale im Pokalsieger - Cup 1969. Dazu drei verloren gegangene Pokalendspiele 1970,71 und 73.Eine eigentlich recht bescheidene Ausbeute für einen SPieler dieses Profils. Und trotzdem:Overath war Weltklasse. Und das ist nicht nur über ein, zwei Spielzeiten - sondern viel länger.
      1966 fuhr er mit der Nationalmannschaft zur WM nach England und bildete mit Haller und Beckenbauer das wohl spielstärkste und torgefährlichste deutsche Mittelfeld aller Zeiten. Overath hinterliess bei dieser WM als Treiber und Kämpfer grossen Eindruck. Als Regisseur hinterliess er einen
      bleibenden Eindruck bei der WM 1970. Overath war bei dieser Weltmeisterschaft der beste Mittelfeldspieler des Turniers - und das trotz Konkurrenz von Beckenbauer, Charlton, Rivelinho, Tostao, Mazzola, Rivera. Ein Spieler der Sonderklasse, der Fixpunkt im deutschen Team. Geadelt wurde er vom vielleicht grössten Spieler aller Zeiten, Pele, der Overath als den Besten der Besten bezeichnete.

      Weltmeister wurde Wolfgang Overath auch - 1974 in Deutschland. Nicht mehr ganz so überragend wie 1970, aber immer noch eine unverzichtbare Grösse im deutschen Team. Mit dem Spiel gegen Holland im Alter von 30 Jahren beendete Wolfgang Overath nach 81 Länderspielen seine Karrie-
      rei im deutschen Team.

      In Köln war er da immer noch der Platzhirsch schlechthin. Overath war der Spieler, der den Ball wollte(und ihn meistens auch bekam). Overat hwar der Spieler, der sagte wo es lang ging(im Zweifel auch dem Trainer). Overath war der STAR der Mannschaft, trotz Grössen wie Flohe, Weber, Löhr, Cullmann, Müller. Manche dachten, daß Overath den Rest der Mannschaft erdrücken würde mit seiner Allgegenwart,seiner Präsenz, auch seinem Machtanspruch. Aber kann man einen Spieler schuldig sprechen, weil er wirklich zu gut war?! Eines darf man nicht vergessen:Overath war gut gegen gute Gegner. Die Bayern - die in den 60er und 70er Jahren gegen den FC eine negative Bilanz hatten - können ein Liedchen davon singen.

      Overath liess sich auf dem Platz nichts gefallen. Als jemand, der dauernd getreten wurde, keilte er durchaus zurück und war nicht alleine darauf angewiesen, daß Heinz Simmet als Rächer auftrat(was den guten Heinz nie daran gehindert hat, auch diese Pflichten getreulich zu erfüllen). Wer sich mit Overath anlegte, der wusste was er machte. Spätestens hinterher.
      Der grosse Glaubensstreit der 60er und 70er war: Netzer oder Overath im Nationaltrikot. Overath hatte zum guten Schluss immer die Nase vorn. Drei Weltmeisterschaften, einmal zweiter, einmal Dritter und schliesslich Weltmeister. 19 Spiele von Beginn an bei einer WM. Netzer kam gerade einmal auf eine Einwechslung bei einer WM. Im Club sah es anders aus - da hatte Netzer die grösseren Erfolge. Was vielleicht auch daran lag, daß die Netzer im Schnitt bei der Borussia die um einen Tick besseren Mitspieler hatte.

      Die grosse Zäsur in de rLaufbahn des Wolfgang Overath ereignete sich 1976. Nach Köln kam der "verlorene Sohn" - Hennes Weisweiler heuerte nach seinem Gastspiel in Barcelona an. Die ersten fünf Bundesligaspiele unter Don Hennes liefen grossartig - 5 Siege. Von seinem Star verlangte der Trainer, daß er sich indes nict nur hinter den Reihen aufhielt, sondern permanent mit in die SPitze ginge. Das konnte nicht gut gehen, das konnte Overath nicht mehr. Spätestens nach dem 0:3 im Heimspiel gegen Gladbach war der Bruch da und Weisweiler plante mit Overath nicht mehr. Und - man muss es so hart sagen - Weisweiler war sich im Machtspiel mit Overath nicht zu schaden, jeden erlaubten aber auch jeden nicht erlaubten Kniff und Trick zu ziehen. Er kochte seinen Kapitän mürbe. Overath resignierte und gab seinen Rücktritt zum Saisonende bekannt. Mitte Mai 1977 bekam er ein rauschendes Abschiedsspiel und 14 Tage später sollte er in seinem letzten Wettbewerbsspiel den Deutschen Pokal gewinnen. Nach 91 Minuten wechselte Weisweiler ihn aus und zum Wiederholungsspiel stellte Weisweiler ihn nicht mehr in die Startformation. Ein eher unschönes Ende für Overath. Overath beendete seine Karriere - an Angeboten aus dem In - und Ausland fehlte es nicht, Overath aber widerstand allen Angeboten. Später hat er oft betont, daß es es eigentlich ein Glück für ihn gewesen sei, daß er seine Karriere dann früher als geplant hätte beenden müssen. Weisweiler habe ihm dazu verholfen, nicht vom Platz gepfiffen worden zu sein.

      Der FC wurde im Jahr darauf Deutscher Meister und Pokalsieger - ohne Wolfgang Overath. Oft habe ich darüber nachgedacht, was passiert wäre, wenn Weisweiler - sagen wir mal 1971 - früher zum FC gekommen wäre. Overath auf dem Höhepunkt seines Schaffens - und das unter einem Trainer wie Hennes Weisweiler. Ich glaube, daß der FC dann öfter Meister geworden wäre - ich bin überzeugt davon, daß Overath sich mit Weisweiler arrangiert hätte. Denn eines liebte Wolfgang Overath am meisten: zu gewinnen.

      Wolfgang Overath spielte 765 Mal für den 1.FC Köln und erzielte 287 Tore. Er ist eine Legende.
    • Hätten wir Weisweiler mal nicht vergrault, wer weiß wo wir dann heute stehen würden.

      Weisweiler mit unserem Spielermaterial der 60er und 70er.
      PRO FC, meine Liebe, meine Stadt, meine Partei.

      Skymax (Chef), Ich (Vize), Anfield, grischa, Barny, Flykai, elkie57, schwarzwälder Geißbock, Matze86, frankie0815, floedi_82, kölsch, banshee, winter, ManwithnoName, Malu, Maddes46446, fckoeln1948, Mittelfeld, effzeh, caprone, der Pitter, Hunsrück FC, Je(n)sus, sharky, Et troemmelche71, KölscheJung, izeh, Badischer Bock.
    • HERBERT ZIMMERMANN

      Herbert Zimmermann kam 1974 vom FC Bayern Müchen nach Köln. In München hatte er in zwei Jahren sage und schreibe 2 Bundesligaspiele absolviert. Die Münchener sollten sich noch gebührend über diesen Transfer ärgern .

      "Zimbo" spielte bis 1984 in Köln und absolvierte in 10 Jahren für den FC 202 Bundesligaspiele, 39 Europapokalspiele und 27 DFB - Pokalspiele. Insgesamt erreichte er nur ca. 63 % der möglichen Pflichtspiele. Das hatte Gründe - Zimbo war verletzungsanfällig, gerade sein Rücken machte Probleme.
      Zimmermann - gelernter Stürmer - wurde in Köln zum Abwehrspieler umgeschult. Seine beste Position war die des linken Aussenverteidigers, für die Zimmermann im Grunde genommen wie geschaffen war. Schnell, dynamisch und mit ordentlichem Kopfballspiel. Ein sehr guter Techniker, ein eleganter Spieler. Gegen Zimmermann den Rechtsaussen mimen zu müssen - das war schon relativ schwierig. Der war nicht nur schnell, sondern auch Handlungsschnell und wenige Rechtsaussen sahen wirklich gut gegen ihn aus(eine Ausnahme, die mir haften geblieben ist war Kevin Keegan in einem Heimspiel gegen den HSV, welches de rFC zu Hause letzten Endes 1:3 verlor - und Zimbo hatte gegen den Engländer wirklich schlecht ausgesehen).

      Zimmermann war in der Meisterschaftssaison 1977/78 einer der ganz grossen Leistungsträger beim FC und trug mit seiner Dynamik und seinen Flankenläufen(immer fein abgestimmt mit Kollegen Konopka auf der anderen Seite) sehr viel zum Angriffsschwung des FC bei. Verdiente Belohnung: Zimmermann fuhr mit zur WM 78 nach Argentinien und machte zwei Spiele. Auch bei der EM 1980 war er dabei. Im Grunde genommen als Stammspieler fest gebucht, hatte er das Pech sich einen Ischiasnerv vor Beginn des ersten Spiels einzuklemmen - da war es dann Essig mit Einsätzen während der EM.

      Zimmermann blieb aktiv bis 1984 beim FC, Verletzungsbedingt war sein letztes Spiel 1983. Der geschundene Körper machte einfach nicht mehr mit - er hatte schon vorher viel mehr Einsätze verhindert. Sicher auch in der Nationalmannschaft - vom Vermögen, vom Können her war Zimmermann der beste Linksverteidiger Deutschlands in den Jahren 75 - 82.

      Herbert Zimmermann - der am 01.07. runde 60 Jahre wurde - wurde mit dem 1.FC Köln Pokalsieger der 77,78 und 83 und Deutscher Meister 1978. Ein eleganter Spieler, ein wahrer Könner.
    • Hervorragend Herr Soll/ Ist oder soll ich sagen Herr Kybernetiker? (bei Gelegenheit werde ich mal über die Bedeutung von Soll-Ist-Modellen außerhalb der Wirtschaftswissenschaften referieren).

      Denken sie jedoch an das BIP. Ihre Person reduziert die Produktivität während der Zeit des Schreibens und die Lektüre Ihrer vorzüglichen Essays lässt auch die meinige in den Keller rauschen. :smile:
    • HARALD KONOPKA

      Harry....Dirty Harry. Harald Konopka wechselte 1971 von Düren 99 in die Jugend des FC und wurde mit der A - Jugend prompt Deutscher Meister, zusammen mit Herbert Neumann, Jürgen Glowacz und Herbert Hein - die allesamt mit ihm 7 Jahre später Deutscher Meister wurden.

      Harry Konopka kam zur Saison 71/72 in die Lizenzspielermannschaft und wurde prompt Stammspieler. 33 Bundesligaspiele in der ersten Saison als Rechtsverteidiger. Betonung:VERTEIDIGER.

      Die Linksaussen, gegen die Harald Konopka antrat, konnten einem leid tun. Konopka war bissig, zäh, Zweikampfstark und er war - HART. Gegen sich selber, gegen andere auch. Legendär, was Kamerad Konopka austeilen und einstecken konnte - da blieb in aller Regel kein Auge trocken.
      Ich springe einmal kurz in die Meisterschaftssaison 1977/78. Training am Geissbockheim. Trainingsspiel. Harry spielt gegen Roger van Gool, der mal ausnahmsweise den Linksaussen mimt. 30 Minuten traten Harry und der abgebrühte Belgier auf alles, was sich bewegte - insbesondere auf die gegenseitigen Beine. Zweite Halbzeit - der gerade in die Bundesliga gewechselte Japaner Okudera muss gegen Konopka ran. Ich weiss heute noch wie Okuderas Halsapfel vor Aufregung rotierte. Zurecht, Harry hat Oku in 30 Minuten mit und ohne Ball mindestens 15 x umgehauen. Reaktion von Trainer Weisweiler:"Jut Harry, zeig dem Oku wo et hier lang jeht"....Als das Trainig vorbei war, hat Okudera fast geweint, so hatte Harry ihn malträtiert.

      Das war die eine Seite von Harald Konopka, gerade unter Hennes Weisweiler. Die andere war - gefördert von Hennes Weisweiler - seine Flankenläufe und Flanken. Zumeist auf Dieter Müller, der dann diese Flanken mit links,rechts oder mit dem Kopf in das gegnerische Tor schoss, bugsierte, köpfte. Jeder wusste was kam - keiner konnte es verteidigen. Konopka hat sich das e r a r b e i t e t - in unzähligen Trainigseinheiten unter der Anleitung von Weisweiler.

      Harry war in den seligen 70ern - das war die Zeit als man sich als Verteidger alles erlauben konnte und als Stürmer alles zu erdulden hatte - einer derjenigen "Eissenfüsse", vor denen die Stürmer in der Liga einen Heidenrespekt, gar Angst hatten. Stan Libuda, ansonsten in Köln immer pfeglich von Hemersbach behandelt, hatte gedacht, daß er als Rechtsaussen vom Wüterich Konopka vreschont bleibe. In diesem Spiel nicht - Konopka spielte links und Rechtsaussen Stan erlebte sein blaues Wunder. Libuda wechselt auf links, Konopka ging mit ihm und man sah dann vom guten Libuda nichts mehr.

      Aber - wie gesagt - das war die eine Seite des Harald Konopka. Die andere - das war der Offensivgeist, die stürmische Komponente und ein sehr gutes taktisches Vermögen - Harry hatte das Spiel kapiert.

      Konopka spielte in 450 Pflichtspielen für den FC und wurde mit dem Verein Deutscher Meister 1978, Deutscher Pokalsieger 1977,78 und 83. Vizemeister 1973 und 1982, Vizepokalsieger 1973. Harry stand für Arbeit und Handwerk - aber gediegenes Handwerk.....Und für manche Slapstick - Einlage, die man auf der Tribüne zum Brüllen komisch fand und als Gegenspieler...nun, weniger komisch.
    • HANS SCHÄFER

      Wer war der grösste aller FC Spieler?! Du wirst Antworten bekommen wie Overath, Flohe. Schumacher.Littbarski, Hässler.

      Mein Vater und mein Onkel haben sie alle gesehen - und ihre Antwort war sterotyp: Hans Schäfer.

      Hans Schäfer war für den FC von 1948 - 1965 aktiv, machte über 700 Spiele für senen Klub und erzielte über 400 Tore. Hans Schäfer erzielte in der damaligen Oberliga West als höchster Spielklasse in 356 Spielen 223 Tore. Hans Schäfer war Linksaussen und bildete mit Jupp Röhrig einen geniale linke Seite. Als Röhrig abtrat wurde Schäfer der Regisseur - und was für einer. Unumstrittener Mittelpunkt des Spieles. Unumstrittener Fixpunkt es Vereines war er sowieso. Ziehsohn von "Boss" Kremer, diesem ungewöhlich fähigen, einmaligen Präsidenten. Verlängerter Arm jedes Trainers.

      Schäfer führte seine Mitspieler, stauchte sie zusammen, spornte sie an. Ein Führungsspieler par excellence als es diesen Begriff noch nicht gab.In Personalunion grosser Regisseur und eiskalter Vollstecker - bis in das hohe Fussballalter. Hans Schäfer erzielte in 39 Bundesligaspielen sage und schreibe 20 Tore - da war er schon 36, respektive 37 Jahre alt. Er genoss den Respekt der Mitspieler und den Respekt der Gegner. Wenn es sein musste, dann wurde Schäfer eben rustikal - das konnte er auch, wenn es denn sein musste. Mei Vater erzählte mir von einem Spiel gegen Schalke, Mittelläufer Wilden kam mit Mittelstürmer Koslowski einfach nicht zurecht. Schäfer stellte auf dem Platz um. Wilden in vordere Reihe und Schäfer spielte Mittelläufer und Koslowski machte keinen Stich mehr.

      Hans Schäfer wurde 1954 mit Deutschland Fussballweltmeister und wurde als bester Linksaussen der Welt gefeiert. Fünf Spiele, vier Tore und vor dem entscheidenen Tor von Rahn erkämpfte er den Ball. Schweden 1958 und Chile 1962 rundeten seine WM - Karriere ab. 15 Spiele, 7 Tore. Hans Schäfer wurde 1962 Deutschlands Fussballer des Jahres, eine ebenso verdiente wie überfällige Auszeichnung für den Mann, der seinen Club liebte wie lebte.

      Schäfer wurde mehre Male Torschützenkönig de Oberliga West, erreichte fünf Westmeisteschaften mit dem FC(vier in Serie) und war vor allen anderen Spielern dafür verantwortlich, daß der FC d i e Adresse in Fussball Deutschland wurde. 1960 erreichte Schäfer mit dem FC sein erstes Endspiel um die Meisterschaft und verlor unglücklich in Frankfurt gegen des HSV 2:3. Zwei Jahre später gewann er mit dem FC die deutsche Meisterschaft - 4:0 gegen Nürnberg und der Begriff "das Real Madrid des Westens" war geboren, derartig klar hatte nie eine deutsche Mannschaft
      ein Oberligajahr, eine Endrunde und ein Endspiel dominiert. Überragend: Hans Schäfer, damals schon 34.
      1963 wurde Schäfer erneut Vizemeister und 1964 mit dem 1.FC Köln in überlegender Verfassung erster Bundesligameister. Spiritus rector in dieser Saison: Hans Schäfer. Eine Saison später verletzte sich Schäfer von November bis März und der FC wurde nur deshalb Vizemeister hinter Werder Bremen. Sein letztes Spiel für den FC spielte Schäfer in Dortmund - eine Ära ging zu Ende.

      Hans Schäfer diente seinen Klub bis 1969 als Cotrainer, dann löste er scih endgültig vom aktiven Fussball, wurde erfolgreicher Geschäftsmann und verfolgt bis heute die Spiele des FC von der Tribüne.

      Schäfer war einzigartig, originär. Ich habe ihn nie aktiv gesehen, aber ich vertraue dem Urteil meiner Altvorderen:"Overath, Flohe, Litti?! Alles kleine Jungs - Hans Schäfer war der beste den Köln jemals hatte".
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