Legendäre Spieler der 60er und 70er Jahre

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    • Am kommenden Sonntag ist es 40 Jahre, daß der 1.FC Köln im Münchener Olympiastadion gastierte. Nein, nicht gegen den FC Bayern ging es - sondern gegen deren Lokalrivalen, den TSV München 1860. Rückrundenauftakt in
      der Saison 1979/1980. Ich war zu dieser Zeit in Süddeutschland bei einer Bundeswehrveranstaltung und hatte vorher mit meinem alten Herren gewitzelt, daß er mich doch dann treffen solle und wir würden gemeinsam das
      Spiel sehen. Solche "Witze" machte man mit meinem Vater nicht, der nahm das glatt für bare Münze. Am Freitag vor dem Spiel kam der UvD bei uns auf die Stube. "Ich glaube, da ist dein Vater am Telefon. Der hat gesagt, ich
      solle dich schleunigst ans Telefon holen"...Ok...."Ich bin morgen um 12 Uhr bei dir. Nach München brauchen wir maximal dann eine Stunde", so lautete die knappe Ansage.

      Der FC hatte in dieser Saison wieder eine Topmannschaft. Heinz Flohe - das ist dann noch eine andere Geschichte zu diesem Spiel - war zu den 60ern transferiert worden. Aber Anthony Woodcock war aus Nottingham geholt
      worden. Und in der Saison 79/80 ging der Stern von Pierre Littbarski mehr und mehr auf. Und - vor allem - der Stern eines gewissen Bernd Schuster. Köln war nach der Hinrunde 3ter - gerade mal 2 Punkte hinter den Bayern und
      einen Punkt hinter dem HSV. Die 60er schwebten in Abstiegsnot und waren 15ter. Waren also auf jeden Punkt angewiesen.

      Die Karten besorgten wir uns vor Ort. Knappe 20.000 Zuschauer waren vor Ort, unfassbar wenig - vor allem für heutige Verhältnisse. 60 in einem ganz wichtigen Spiel gegen eine Topmannschaft der Liga, die in folgender Auf-
      Stellung begann:

      Schumacher - Prestin Strack Cullmann Zimmermann - Okudera Schuster Neumann - Littbarski Müller Woodcock. Wie gesagt, eine Topmannschaft war das. Die 60er hatten nun auch eine brauchbare Truppe. Thomas Zander im
      Tor(der hatte die Kölner bei deren 2:1 Erfolg im Hinspiel unter anderem mit 2 gehaltenen Elfern zur Weissglut gebracht). Der ehemalige Kölner und Bayern Spieler Kapellmann. Wohlers und Bitz waren auch seinerzeit richtige
      Grössen in der Liga. Wer fehlte, das war Heinz Flohe. Heinz Flohe würde nicht nur in diesem Spiel fehlen, sondern nie mehr einen Fussballplatz als Aktiver betreten. Seine Karriere war beendet - die Folgen eines schweren
      Foulspiels von Paul Steiner im 6oer Spiel gegen Duisburg. Ich muss sagen, daß das sowohl meinen Vater als auch mich bedrückte. Natürlich war die Aktualität wichtig, aber Heinz Flohe hatte uns so lange begleitet und begeistert -
      oder besser gesagt: wir hatten ihn begleitet und er uns begeistert.

      Das Spiel begann und bereits nach 10 Minuten hatte Hennes Weisweiler "den Kaffee auf". München Kampfstark und energisch, der FC - im Bewusstsein der Überlegenheit - pomadig und arrogant. Völlig unnötige Ballverluste,
      Tempoverschleppung und Weisweilers unnachahmliche Reibeisenstimme hörte man über den ganzen Platz, als er Herbert Neumann ob eines verlorenen Zweikampfes zusammen stauchte. Das Kölner Spiel litt vor allem darunter,
      daß Kapellmann - bester Spieler auf dem Platz - Anthony Woodcock als rechter Verteidiger nicht nur aus dem Spiel nahm, sondern selber immer wieder initiativ wurde und Überzahlsituationen herstellte. Aus so einer Aktion
      entsprang dann auch das 1:0 nach etwas über einer halben Stunde. Ballgewinn Kapellmann - Zack,Zack nach vorne. Ball auf den emsigen Bitz und Toni Schumacher konnte nur noch dumm schauen. 1:0 für 60 und das war auch
      verdient. Der FC hatte dann zwei Chancen durch den aufgerückten Cullmann und Müller, aber Zander parierte. Und Köln hatte Riesendusel, als Prestin im Strafraum Foul spielt, aber der Schiedsrichter keinen Elfer pfeift.

      Halbzeit - und mein Vater und ich sind doch etwas ernüchtert. Das war viel zu wenig. Das hoch gelobte Mittelfeld spielt zu langsam, in der Abwehr gibt es Probleme zuhauf. Vorne ist Woodcock abgemeldet, Littbarski zu
      verspielt und Müller als einziger gefährlich. In der zweiten Halbzeit ändert sich das Spiel. Köln spielt jetzt wesentlich schneller und - vor allem - wesentlich engagierter. Woodcock sieht zwar immer noch kein Land gegen den
      starken Kapellmann, aber Zimmermann hält dessen Vorstösse jetzt energisch klein. Schuster, Neumann und Okudera dominieren das Mittelfeld und letzterer macht dann in Minute 68 auch den mittlerweile sehr verdienten Aus-
      gleich. In der Schlussphase schafft 60 es irgendwie mit viel Kampf, viel Glück und einem sehr guten Torwart das 1:1 zu halten. Schade, wir haben es irgendwie in Halbzeit 1 zu langsam angefangen - hier war mehr drin.

      Nach dem Schlusspfiff fahren Vater und sein Sohn in die Münchener Innenstadt. Hotel hat dankenswerterweise mein alter Herr gebucht und wir gehen in den Augustiner. Tolles Abendessen, reichlich Bier und als echte Rhein-
      länder kommen wir mit den Einheimischen gut ins Gespräch. Thema Nummer 1 ist natürlich Fussball und da wird gerade der Fall Heinz Flohe tief diskutiert. 20 Monate ist es erst her, als Flohe der grosse Mann in Köln ist, der
      als Kapitän das Double erreicht hat und jetzt spielt er nicht nur nicht mehr beim FC, sondern er kann gar nicht mehr spielen. Das tut weh und es zeigt mir schon damals die unerbittliche Wahrheit und Härte des Profifussballs.
      Heute bist du ganz oben und - du hast dich einmal umgedreht - da ist der Zug der Realität schon mit aller Gewalt über dich hinweg gefahren.
    • 02.02.1980 Fortuna Düsseldorf gegen 1.FC Köln

      Im Heimspiel nach dem Auftritt gegen 1860 München spielte der FC gegen Dortmund und fiedelte den BVB mal eben mit 4:1 zu Hause weg. Leider war ich nicht anwesend, dafür nahm ich dann das Auswärtsspiel in Düsseldorf mit.

      Am Abend vorher war ich von der Bundeswehr zurück gekommen und hatte mich mit meiner Freundin getroffen. Die war recht unzufrieden mit mir. Man sah sich einfach zu wenig. Und der Fussball - aktiv und passiv - machte das
      nicht unbedingt besser. Naja, wir sassen also in einer Kneipe und sie kam so richtig schön in Fahrt....."immer dieser Fussball"....."spiele immer nur die 2te Geige, wenn überhaupt"....."ich bedeute dir nichts"....Irgendwie versuchte
      ich den Beschwichtiger zu spielen, aber so richtig überzeugend war das wohl nicht. Wir einigten uns darauf, daß ich nach dem Spiel in Düsseldorf zurück käme(Fahrtzeit ca. 45 Minuten) und dann würden wir gemeinsam zur
      abendlichen Fete gehen. So um 18 Uhr 30 wäre ich bei ihr. Wir merken uns das mal.

      Der FC spielte also vor 30.000 im Düsseldorfer Rheinstadion gegen die Fortuna. Und der FC war gut in Schuss. Schuster musste ersetzt werden und Köln begann in folgender Aufstellung:

      Schumacher - Prestin Strack Gerber Zimmermann - Cullmann Neumann Woodcock - Littbarski Müller Okudera. Düsseldorf - amtierender Pokalsieger - mit Spielern wie Köhnen, Zewe Wenzel, Bommer, Seel und den Gebrüdern Allofs.

      Mit anderen Worten - da stand schon geballte Bundesligaklasse auf dem Rasen. Das Spiel begann verhalten, die Fortuna und der FC gleichwertig. Was man allerdings schon in Halbzeit 1 sehen konnte - der FC war vorne wirklich
      gefährlich. Vor allem Woodcock, Müller und Okudera machten ihren Gegenspielern mehr Mühe als die Gebrüder Allofs und Seel der Kölner Abwehrreihe. Aber bis zur Minute 40 blieb es beim Remis und dann schoss Herbert Neumann, welcher im Mittelfeld umsichtig die Fäden zog das 1:0. Verdiente Führung für Köln, aber bis dahin gab es keine Fingerzeig was in Halbzeit 2 folgen sollte.

      Binnen acht Minuten stellten Okudera und Cullmann auf 3:0 für Köln, das Spiel schien gelaufen. Bei den Toren hatten jeweils Müller und Woodcock die Füsse im Spiel und vor allem Woodcock drehte jetzt auf, daß den Düsseldorfern Angst und Bange wurde. Die verkürzten zwar durch Wenzel auf 1:3, aber Littbarski machte nach 67 Minuten das 1:4. Das Spiel war gelaufen und eine Minute später liess Zimmerman eine Riesenchance aus. Minute 71 - und der aufgerückte Libero Zewe macht das 2:4. Drei Minuten später - wieder Wenzel und es steht 3:4. Morgenluft für die Fortuna?! Nein, Dieter Müller beruhigt die Nerven, denn in Torjägermanier macht er das 5:3 und drei Minuten später erzielt der sehr agile Okudera das 6:3 für Köln. Mann, binnen 36 Minuten mal eben acht Tore - die Zuschauer sind ausser Rand und Band. Abpfiff - und ich verabschiede mich von Onkel und Vater, wir waren getrennt gefahren, weil ich doch zur Fete wollte.

      Also, Superspiel und ich war in "High Spirits". Ab zum Parkplatz(es regnete übrigens deftig) und rein in die Karre. Starten und Gas geben.....Nichts tut sich, die Batterie ist alle. Der Nachbar nebenan hilft mir aus, ich kriege den
      Wagen gestartet. Jetzt ist es aber so, daß es ein richtiges Verkehrschaos gibt. An der Ausfahrt sind drei Wagen ineinander gefahren. Ich fluche, das gibt nichts mit 18 Uhr 30, das ist schon klar. Alle kreativen Fahrkünste helfen
      nichts(meiner Freundin kann ich nicht Bescheid geben, das war weit vor Mobiltelefon). Um 19 Uhr 15 fahre ich an einer Raststätte vorbei und denke:"Telefonieren?!"....Besser nicht, wer weiss ob der Wagen dann nicht beim Neustart wieder nichts von sich gibt. Ich rausche durch und um 19 Uhr 53 bin ich bei meiner Freundin. Die ist um 19 Uhr 30 stocksauer schon alleine zur Fete, wie ihre Mutter mir mit eisiger Miene mitteilt. OK - das kann heiter werden....
      Auf zur Fete...um 20 Uhr 15 bin ich da. Meine Freundin - umringt von ihren Freundinnen - schaut doppelt so eisig wie ihre Mutter...."Du brauchst gar nichts zu sagen. Nicht mal anrufen kannst du".....Tja, mir ist klar, daß ich
      hier in einem ganz, ganz schweren Auswärtsspiel bin. Und die Schiris sind ihre Freundinnen und alle haben den roten Karton schon in der Hand. Ich mache den Mund auf, da kommt schon der erste Giftpfeil von Freundin 1:"Ich weiss
      gar nicht, was du hier eigentlich noch suchst?!".....Und Freundin 2 fällt gleich munter ein:"Benehmen ist eben Glückssache.".....Ich schaue meine Freundin an und sage:"Willst du vielleicht doch meine Erklärung?!"...Nein, sie wollte sie nicht. Ich solle sie in Ruhe lassen.

      Tja und an dem Abend habe ich dann beschlossen sie wirklich in Ruhe zu lassen und ihr erklärt, daß es das jetzt wäre. Das hat sie an dem Abend nicht sonderlich beeindruckt(später tat es ihr sehr leid), aber naja..

      Zwei Freunde von mir und ich verliessen die Fete dann relativ zügig und gingen in die nächste Kneipe. Die üblichen Jungssprüche:"Sei froh, daß du die Olle los bist"......"die nervt sowieso nur rum", etc. Stimmte zwar nicht immer,
      aber war genau die richtige Medizin. Die Jungs haben gesoffen und ich musste nüchtern bleiben. Immerhin Auto fahren und am nächsten Tag hatte ich ja Spiel. Ok - so um 23 Uhr 30 verabschiede ich mich und gehe zum Auto.
      Klar, was jetzt kommt, oder?!...Richtig, die Karre sprang nicht an. So eine Schei....in die Kneipe gegangen und beim Taxiunternehmen angerufen. Der Sohn vom Taxiunternehmer war ein Freund von mir, der hat mich nach
      Hause gefahren.

      Am nächsten Tag war Spiel. Wir gewannen 5:2 und ich machte zwei Tore und bereitete eines vor. Mein alter Herr - der zugegen war - bemerkte recht lakonisch, daß ich richtig befreit gespielt habe. MUHAHA. Der war gut.
    • 17. Februar 1995 - 1.FC Köln gegen Eintracht Frankfurt

      Erstes Spiel der Rückserie an einem Freitag Abend in Müngersdorf vor 27.000 Zuschauern. Was sich heute nach wenig an hört(man ist da die 50.000 als Standardwert gewöhnt) - das war damals recht ordentlich. Vor allem, wenn
      man weiss, daß der FC eine grandiose Hinrunde absolviert hatte. 13:21 Punkte waren die Ausbeute gewesen. Und die hoch gelobten Frankfurter unter ihrem neuen Trainer Josef "Jupp" Heynckes waren gerade mal 2 Punkte
      besser gewesen. Trotz Köpke im Tor, Binz als Libero, Yeboah, Gaudino, Okocha, Furtok, Weber, Doll. Heynckes - der Disziplinfreak - hatte in der Hinrunde massiven Krach mit Gaudino und Yeboah bekommen, bei der Eintracht
      hing der Haussegen komplett schief.

      Der FC begann mit Ilgner im Tor. Hauptmann spielte Libero, Greiner und Thiam gaben die Verteidiger. Ein 5er Mittelfeld mit Dzwiwior, Rudy, Janssen, Steinmann und Weiser. Und davor Labbadia und Polster.

      Drei Minuten im Spiel und Steinmann spielt Labbadia frei - 1:0 für Köln. Wer danach erwartet hatte, daß die Frankfurter wach werden würden hatte sich massiv getäuscht. Von denen kam nichts. Köln jederzeit Herr der Lage, die
      Hessen völlig desolat. Der FC mit dicken Chancen, Polster und vor allem Labbadia nicht zu kontrollieren. Thiam nahm Okocha komplett aus dem Spiel und Rudy und Janssen beherrschten das Mittelfeld nach Belieben. Halbzeit und
      wir schauen uns auf den Rängen doch einigermassen überrascht an. Überrascht, weil das ist Köln`s beste Saisonleistung bis dahin. Und auch überrascht, weil diese Frankfurter Mannschaft so rein gar nichts bringt.

      52te Minute und Labbadia versetzt wieder einmal einen Gegenspieler - Polster bedankt sich und schon steht es 2:0 für den FC. Das Spiel ist gelaufen, die Frankfurter bringen weiterhin nichts auf den Rasen. Rudy spielt drei
      Frankfurter auf dem Bierdeckel aus und schiesst haarscharf daneben, Steinmann hat eine dicke Chance, Polster die nächste und schliesslich macht der beste Mann auf dem Platz - Labbadia - den Deckel drauf. 3:0 und damit ist die
      Eintracht zum guten Schluss auch noch bestens bedient.

      "Diese Schei...Frankfurter", sagt mein Vater....Warum sagt er das?!...Naja, wer das nicht gesehen hat, der verstand aber mal gar nichts von der Materie. Die Mannschaft spielte gegen den Trainer. Und das nicht mal subtil, sondern
      eindeutig. Heynckes war dann auch ein paar Spieltage später weg und Eintracht Idol Charlie Körbel übernahm. "Heynckes hat uns nichts gebracht", hiess aus dem Frankfurter Umfeld. Ja, logisch. Der Trainer hatte es doch wirklich
      und wahrhaftig gewagt, von ein paar Primadonnen Disziplin zu verlangen und die Mannschaft vor dem Individuum zu sehen. So etwas ging natürlich nicht. Heynckes ging dann von selbst Anfang April und verzichtete auf Abfindung.
      Sein Trainerkollege Olsen flog ein paar Monate später. Heynckes wie Olsen hatten vieles gemeinsam: honorige Einstellung, Ahnung vom Fussball, disziplinierte Arbeiter, keine Schaumschläger. Auf der anderen Seite hatten sie
      Spieler, die gerne auf sich selbst sahen. In den Präsidien Leute, die von alles Ahnung hatten - nur nicht vom Fussball. Und Typen in den jeweiligen Fankurven, denen der Geifer aus dem Mund floss und die mangels Intellekt nicht
      verstanden, daß diese Trainer Recht hatten.

      Ich weiss noch, daß ich - weil Heynckes und Olsen eben kurz hintereinander nach dem selben Strickmuster gehen mussten - eine Zeitlang ziemlich gefrustet vom Theater Fussball war.
    • 7. März 1970

      1.FC Köln gegen Hannover 96 und nur 20.000 Zuschauer kamen in die altehrwürdige Müngersdorfer Hauptkampfbahn. Der 1.FC Köln hatte fünf Spiele in Serie gewonnen, die Mannschaft war Tabellenzweiter mit Kurs auf die
      Meisterschaft. Köln schoss Tore wie am Fliessband und Köln spielte "den schönsten Fussball Deutschlands" - so Trainer Herbert Burdenski von Rot Weiss Essen, der in der Vorwoche mit seiner Mannschaft beim 5:2 der Kölner
      gnadenlos vorgeführt wurde.

      Der FC begann gegen Hannover mit Manglitz im Tor. In der Deckung agierten von rechts nach links Thielen, Weber, Biskup und Hemmersbach. Im Mittelfeld Simmet, Overath und Flohe. Rechtsaussen spielte Rupp und Linksaussen
      Löhr, als Mittelstürmer Rühl Von Beginn an gab es nur eine Richtung in diesem Spiel und die war Richtung Hannoveraner Tor. Köln spielte überragend. Biskup und Weber absolut souverän, die Verteidiger Hemmersbach und Thielen
      defensiv solide und mit einem unglaublichen Zug zu Gegners Tor. Im Mittelfeld Simmet ruhig und abgeklärt. Heinz Flohe mit technischen Sondereinlagen und Wolfgang Overath deutete mehr als an, warum er der beste Regisseur
      bei der kommenden Weltmeisterschaft in Mexiko sein würde. Und vorne waren Rühl und Löhr gefährlich und der kleine Rupp war nicht zu bremsen und machte seine Gegenspieler phasenweise lächerlich.

      Bis zur 19ten Minute dauerte es, ehe Overath einen der vielen schwungvollen Kölner Angriffe zum 1:0 abschloss und sechs Minuten später gelang dem durchgebrochenen Verteidiger Hemmersbach mit einem Flachschuss das
      2:0. 10 Minuten später verschoss Rühl einen an Rupp verwirkten Elfmeter - aber das konnte die Kölner nicht stoppen. Angriff auf Angriff und der Torwart der Hannoveraner bekam wahrlich die Hände warm geschossen. Ein richtiges
      Highlight, als Flohe eine Flanke von Rupp per Direktabnahme derartig vehement gegen den Balken zimmerte, daß das Tor wackelte.

      Ich weiss noch, wie begeistert ich als kleiner Junge von diesen Kickern war. Diese enorme Sprungkraft eines Wolfgang Weber, diese permanente Offensivspiel der Verteidiger. Die Leichtigkeit eines Heinz Flohes und die Fähigkeit ein
      Spiel zu dirigieren wie Wolfgang Overath. Und dann vorne diese Tricks des kleinen Rupp. In der zweiten Halbzeit ging das nahtlos weiter und das die Kölner bis zur 70ten Minute kein Tor mehr schossen, das war Pech und Können
      des gegnerischen Torwartes und ein bisschen Überheblichkeit. Aber die Kölner hörten nicht auf, die hatten einfach Lust zu kicken und es ging immer weiter drauf und drauf und drauf. Hemmersbach 3:0 in der 70ten, Overath
      4:0 5 Minuten später und Rupp belohnte sich für seine grosse Leistung 5 Minuten vor Schluss zum 5:0. Eine Leistung wie aus einem Guss, ein Spiel wie gemalt.

      Mein Vater und mein Onkel hatten Spass am Filius - der kleine Junge war so glücklich, daß er so ein Spiel sehen durfte. Ich strahlte und lachte und erzählte die ganze Rückfahrt davon wie schön das war. Und was für tolle Spieler
      der FC doch hätte, die besten auf der ganzen Welt. Na - das mag übertrieben gewesen sein. Aber ehrlich Leute - Spieler wie Overath, Flohe und Weber waren zu diesen Zeiten eben Weltklasse.
    • 1.FC Köln - Borussia Mönchengladbach am 20ten März 2000

      Der 1.FC Köln stand unangefochten an der Tabellenspitze der zweiten Liga. Trainer Ewald Lienen hatte ein Team zusammen gestellt, daß das Tableau fast nach Belieben beherrschte. Gladbach - abgestiegen in der Vorsaison -
      kam dabei bei weitem nicht mit und lag mit 13 Punkten Rückstand auf Platz vier, immerhin noch mit Chancen auf den Aufstieg.

      Das Stadion war ausverkauft - 42.500 Zuschauer, die neue Arena war noch nicht ganz fertig.

      Zwei Tage vor diesem Spiel war mein Onkel, der Bruder meines Vaters gestorben. Der Schmerz für mich war tief, für meinen Vater unermesslich. So viel hatte uns drei verbunden, so viel mehr noch meinen Vater und seinen
      Bruder. Hat man in so einer Situation noch Lust auf Fussball?!...Nein, aber Onkel hatte uns auf dem Sterbebett das Versprechen abgenommen zum Spiel gegen Gladbach zu fahren. "Ihr müsst nach Köln fahren, das müsst ihr tun. Das
      müsst ihr mir versprechen"....Kurz danach, in der Nacht vom Samstag auf den Sonntag ist mein Onkel verstorben und mein Vater und ich sassen am Bett. Und mir wurde klar, daß ein unwiederbringliches Stück von mir selbst ge-
      gangen war. Den ganzen Sonntag waren wir dann zusammen mit der Familie, die Beerdigung musste vorbereitet werden. Geschichten über meinen Onkel wurden erzählt, Erinnerungen ausgetauscht. Lachen und Weinen.

      Am Montag fuhren mein Vater und ich nach Köln, jeder tief in seinen Gedanken versunken. Kein unangenehmes Schweigen, sondern ein einvernehmliches. Ein bisschen sprachen wir über das Spiel. Auf unseren Plätzen wurden wir
      von den anderen Leuten um uns herum auf meinen Onkel angesprochen. Wir sassen ja immer mit den gleichen Leuten zusammen und kannten uns alle. Mein Vater erzählte und es herrschte tiefe Betroffenheit, mein Onkel war
      einer der beliebtesten Menschen, die ich kannte.

      Gladbach war besser in Halbzeit 1. Man hatte ja nun auch in Gladbach ein paar Spieler, die tauglich waren. Kamps, Eberl, Frontzeck, Nielsen, Witeczek, Ketaler und van Lent standen in der Anfangsformation. Gladbach hatte dann
      auch die besseren Chancen, aber irgendwie kam der FC unbeschadet raus. Mein Vater und ich sahen uns das Spiel an. Irgendwie waren wir da, aber nicht da. Wir redeten nicht viel, wir waren bei uns. Ich habe während des
      Spieles unzählige Male an meinen Onkel gedacht und innerlich musste ich manchmal lachen. Dieser gütige und intelligente Mann mochte zwei Dinge nicht - Unehrlichkeit und Borussia Mönchengladbach. Und er hätte mächtig
      geflucht darüber, daß die Gladbacher zunächst einmal das bessere Team waren.

      In Halbzeit 2 änderte sich alles. Köln mit enormer Wucht und mit einer ganzen Reihe von Chancen, Gladbach im Grunde genommen nur noch in der eigenen Hälfte. Lottner und Cullmann auf Kölner Seite die Stärksten, aber vor
      allem Donkov versiebte eine Grosschance nach der anderen. Die grösste in der 79ten Minute, kurz vorher war ein Gladbacher mit Gelb - Rot vom Platz geflogen. Drei Minuten später verdasselt Sichone völlig unmotiviert den Ball
      und Ketaler nutzt das zum 0:1. Nicht zu fassen, wir haben eine Chance nach der anderen und Gladbach führt. Köln rennt an, aber hat kein Glück. In Minute 89 fliegt der nächste Gladbacher vom Platz und eine Minute später
      schiesst Lottner den hoch verdienten Ausgleich. Das Stadion explodiert vor Freude. Und mein Vater und ich fangen an zu weinen und dann kommen fünf, sechs Leute zu uns und umarmen und drücken uns. "Der war für Deinen
      Bruder", sagt einer. "Der war für Deinen Bruder"....Das habe ich nie vergessen, ich hatte exakt das gleiche Gefühl in dem Moment wo der Ball im Gladbacher Tor einschlägt. Der Fussballgott im Himmel hatte zugesehen und genau
      das entschieden.....Und die Tränen des Schmerzes und des Glücks flossen nicht nur bei mir und meinem Vater, sondern auch bei denen die in diesem Moment bei uns waren. Ein unvergesslicher Moment in Müngersdorf bei einem
      Derby gegen Mönchengladbach vor fast genau 20 Jahren.
    • Neu

      März 1970 Hamburger Spielverein gegen den 1.FC Köln 2:5 (0:2)

      Aus den Aufzeichnungen meines Vaters

      Stadion: Hamburger Volkspark, Wetter kühl mit einigen Regentropfen. Zuschauerzahl ca. 25.000

      1.FC Köln mit sehr offensiver Aufstellung: Manglitz im Tor. In Verteidigung Hemmersbach und Thielen. Libero Biskup, Stopper Weber. Im Mittelfeld Simmet, Flohe und Overath. Im Sturm Rupp, Rühl und Löhr. Der HSV mit Grischkowski im Tor. In der Verteidigung agieren Sandmann und Kurbjuhn, Libero Willi Schulz, Stopper Nogly. Im Mittelfeld mit Hellfritz, dem österreichischen Internationalen Hof und Zazyck. Vorne Beyer, Fock und natürlich Uwe Seeler.

      Köln von Beginn an dominierende Einheit. Die Erfolgsserie hat der Mannschaft ein grosses Vertrauen in sich gegeben. Overath spielt sehr offensiv und Hamburg kann sich der Kölner Angriffe schwer erwehren. Löhr ein ständiger
      Unruheherd, schiesst folgerichtig das 1:0 nach 30 Minuten. Flohe verwirrt durch seine Dribblings sehr oft den Gegner. In Minute 30
      muss Thielen verletzt raus, Trainer Merkle bringt für den Verteidiger einen Stürmer, Hornig. Simmet geht auf Verteidiger, Overath
      etwas weniger offensiv, Hórnig Linksaussen.

      Spiel verändert sich nicht, Köln sehr überlegen und in Minute 42 durch Overath mit 2:0. Pause, hoch verdiente Führung.

      IN HZ 2 macht der österreichische Nationalkicker Hof in 50ter Minute das 1:2. Hamburg mít frischem Wind, aber alles ist vorbei, als
      Löhr binnen 5 Minuten auf 4:1 stellt. Hellfritz verkürzt in 70ter, Rupp markiert Endstand. 5:2 für den FC in Hamburg. Beste Kölner
      Flohe(grosse läuferische Leistung), Overath. Löhr in dieser Form sicher ein Kandidat für Mexiko. Überragend Bulle Weber, Uwe
      Seeler sah keinen Weber keinen Stich.

      FC jetzt mit 9 Siegen in Serie, Kurs Meisterschaft?!
    • Neu

      Auf den Tag genau 55 Jahre ist es her, daß beim letzten Teil der Liverpool Trilogie der Vorhang auf ging.

      Der 1.FC Köln und der FC Liverpool waren Gegner im Viertelfinale des Europokales der Landesmeister. Im Hinspiel in Köln und im
      Rückspiel in Liverpool hatte es jeweils ein torloses Remis gegeben. Beim Spiel in Liverpool hatte Torwart Schumacher eine legendäre Vorstellung im Tor der Kölner geboten. Und so kam es dann zu einem Entscheidungsspiel auf neutralem Platz und in Rotterdam wollten 50.000 Zuschauer in der ausverkauften Arena de Kuip den Showdown sehen. Und sie sahen einen ´wahrhaft einzigartigen Showdown. Mein Onkel - vor Ort anwesend - hat mir x mal Geschichte und Geschichten um dieses Spiel erzählt, so lange bis ich fest davon überzeugt war, selber anwesend gewesen zu sein.

      Köln hatte nach wie vor das Handicap auf den verletzten Kapitän Hans Schäfer verzichten zu müssen, stellte aber in folgender
      Aufstellung eine starke Mannschaft:
      Schumacher Regh Pott Hemmersbach Weber Sturm Overath Thielen Löhr Müller Hórnig. Liverpool mit seinen Stars um Byrne, Smith,
      Callaghan und Hunt war dennoch favorisiert.

      In Rotterdam entwickelte sich ein fulminantes Spiel mit offenem Visier. Weber hatte in der 19ten Minute das Pech sich so zu
      zu verletzen, daß er zunächst einmal in die Kabine musste. Man konnte nicht auswechseln, also der FC mit 10 Mann weiter. Zwei
      Minuten später 1:0 für Liverpool durch St. John, die ihre Führung ausbauten. 36 Minute 2:0 durch Hunter. Karl - Heinz Thielen war
      es vorbehalten das 1:2 in der 40ten Minute zu erzielen, Köln also mit Hoffnung.

      Weber spielte in HZ 2 wieder mit. Allerdings so, daß er auf Rechtsaussen eine Statistenrolle ausfüllte. Wie sich später heraus stellte, absolvierte der "Bulle" die restliche Spielzeit mit gebrochenem Wadenbein - ein Fakt, der zu Weber`s legendärem Ruf nicht
      unerheblich beitragen sollte. 3 Minuten ist man in der zweiten Halbzeit und Löhr erzielt mit Flachschuss das 2:2. Köln ist jetzt
      besser und Liverpool muss bangen. In Minute 70 begeht Yeats eine Tätlichkeit, als er Löhr schlägt - ein klarer Platzverweis, den
      Schiri Schaut nicht gibt. Nicht geben tut er auch wenig später ein reguläres Tor von Hornig, dem er aus unerfindlichen Gründen die
      Anerkennung versagt. 20.000 Kölner in Rotterdam sind entrüstet und auch der neutrale Teil der Zuschauer ist längst auf Seiten der
      unglaublich fightenden Deutschen. Es geht in die Verlängerung, in der beide Mannschaften stehend K.O. sind....

      In diesen Zeiten gab es nicht nur keine Auswechslung, es gab auch kein Elfmeterschiessen. Der Münzwurf musste es richten und
      auch in dieser Disziplin gab es zwei Anläufe, da beim ersten Mal die Münze fast senkrecht im Morast stecken blieb. Im zweiten
      Anlauf "gewann" Liverpool.

      Bill Shankly, der später legendäre Trainer des FC Liverpool, sagte, daß die Deutschen unverdient ausgeschieden seien. Man
      sei keinen Deut besser gewesen über die drei Spiele. Viele erregten sich über den Schiedsrichter, alle erregten sich über die
      Ungerechtigkeit des Münzwurfes. Der FC hatte ein bis heute legendäres Entscheidungsspiel geliefert und die Mannschaft wurde
      ob ihres Mutes und ihres in der Niederlage untadeligen Verhaltens nicht nur in Deutschland gefeiert. Holländische Zeitungen
      texteten, daß dieser FC Köln mehr für das gute Verhältnis zwischen Holländern und Deutschen getan hätte als alle Politiker
      über zwanzig Jahre nach dem grossen Krieg und der Besetzung von Holland durch Nazideutschland.

      Mein Onkel sagte stets, daß ihm - in der Erinnerung an dieses Spiel - die grossartige Haltung der Mannschaft während des
      Spieles und nach dem Spiel in Erinnerung geblieben sei. Er war dabei, er wird es gewusst haben.
    • Neu

      Übrigens blieb die Münze beim ersten Wurf leicht in Rüchtung weißer Seite im Morast stecken, also wäre der FC weitergekommen hätte sie sich noch dazu entschieden umzukippen.

      Außerdem bekamen die Kölner, laut Löhr ( :kerze: ) damals zwar sehr erfolgreich aber nicht allzu beliebt in Restdeutschland, bei ihrem nächsten Ligapsiel sogar vom gegner stehende Ovationen.

      Was den Schiri angeht hätten wir mit einen wahren Unparteiischen (Oder dem VAR :clown: ) vielleicht als allererste deutsche Mannschaft einen Europapokal gewonnen. :EL
      PRO FC, meine Liebe, meine Stadt, meine Partei.

      Skymax (Präsident), Ich (Vize), sharky (Schriftführer), Anfield, grischa, Heimerzheimer (Ehrenmitglied), caprone, Flykai, elkie57, winter, Schwarzwälder GB, Matze86, frankie0815, floedi_82, kölsch, banshee, ManwithnoName, Mittelfeld, effzeh, der Pitter, Hunsrück FC, Je(n)sus, troemmelche71, izeh, BadischerBock, Salival (Klofrau), Rodi, Die_Macht_am_Rhein (Pressesprecher), Hassenichjesehen (Nummerngirl), lunyTed (Azubi), Kimeo, Olemaus.
    • Neu

      Oropher schrieb:

      Übrigens blieb die Münze beim ersten Wurf leicht in Rüchtung weißer Seite im Morast stecken, also wäre der FC weitergekommen hätte sie sich noch dazu entschieden umzukippen.

      Außerdem bekamen die Kölner, laut Löhr ( :kerze: ) damals zwar sehr erfolgreich aber nicht allzu beliebt in Restdeutschland, bei ihrem nächsten Ligapsiel sogar vom gegner stehende Ovationen.

      Was den Schiri angeht hätten wir mit einen wahren Unparteiischen (Oder dem VAR :clown: ) vielleicht als allererste deutsche Mannschaft einen Europapokal gewonnen. :EL
      Ja, das mit der Münze beim ersten Versuch war wohl so.

      Wir hätten also weiter kommen können, ja. In der nächsten Runde traf Liverpool übrigens auf Inter Mailand und besiegte die
      Italiener zu Hause mit 3:1, verlor aber in Mailand mit 0:3.

      Inter wiederum spielte dann im Endspiel gegen Benfica Lissabon und zwar in San Siro und gewann den damaligen Europapokal der
      Landesmeister mit dem italienischten Resultat - 1:0. Laut vielen Zeitzeugen überaus glücklich und vor allem dank einer knallharten
      Gangart gegen Benfica`s Starstürmer Eusebio.