Legendäre Spieler der 60er und 70er Jahre

  • 9. Januar 1994 - Winterpause. Und in der Winterpause spielte man früher in der Halle. "Budenzauber" nannte man das. Und in Köln war auch Budenzauber und dieser Budenzauber fand damals in der altehrwürdigen Deutzer Sporthalle statt. Traditionell mit dabei Kumpel Manni, Kumpel Andi, Kumpel Piet und ich. Als wir in der Halle aufliefen - gerade recht zum ersten Spiel - hatten wir leicht vorgeglüht und waren bester Stimmung. Der FC spielte in einer Gruppe mit Wattenscheid und Duisburg und in der anderen Gruppe kickten die Fortuna aus Köln, Dynamo Tiflis und die Güllepumpen. Herrlich, diese Atmosphäre. Alkohol geschwängert, geraucht wurde da wie Teufel und natürlich jede Menge Sprüche zwischen den Spieler aber auch zwischen Spielern und Publikum.


    Köln kickte zunächst gegen den MSV 2:2. In der anderen Gruppe watschten die Fortunen Rübentown richtig ab, 6:2 oder 6:3 ging das Ding aus. Grossartig da wieder unser Freund Manni, der pausenlos die Gladbacher Spieler "anfeuerte". Als der Spieler Schneider aus Gladbach sich bei Manni über die Kommentare beschwerte, bezeichnete ihn Manni als "das tapfere Schneiderlein". Schneider war so sauer, daß er zu Manni hoch wollte, wurde aber von Martin Max zurück gehalten. Was Manni prompt zur Aussage:"Schneider, hör auf den strammen Max", provozierte. Einige Fans der Gladbacher sassen in unserer Ecke und wollten uns prompt ans Leder, hatten aber die Mehrheitsverhältnisse im Block entschieden falsch eingeschätzt. Ein paar Rangeleien weiter war wieder alles im Lot. Köln spielte dann noch gegen Wattenscheid Remis und war im Halbfinale gegen die Fortuna aus Köln. Gladbach bekam die nächste Rutsche gegen Dynamo Tiflis und war - zu unserem grossen Vergnügen - draussen. Lautester Lacher: Manni. Zwischendurch: immer mal wieder ein Abstecher zur nächsten Bier - und Würstchenbude. Nüchterner wurden wir nicht mehr.


    Halbfinale: wir gewinnen mit 5:3 nach Verlängerung gegen die Fortuna, obwohl die dreimal geführt haben. Trainer Linssen von der Fortuna war ausser sich. Vor dem entscheidenen 4:3 durch Rico Steinmann wollte er ein Foul gesehen haben und regte sich massiv auf. "Linssen, putz deine Platte", schrie Manni in Anspielung auf die Glatze von Linssen und etliche Zuschauer tobten vor Begeisterung und wiederholten Mannis Anspielung. Riesenstimmung. Gegen Tiflis gabs dann das Endspiel und die haben uns her gespielt, daß es nur so gekracht hat. 10:3 verloren und Trainer Olsen war richtig sauer. Egal, wir hatten unseren Spass. Raus aus der Bude. Alle hatten Riesenhunger. Blitzschnelle Entscheidung - zum Maredo auf die andere Rheinseite. Rumpsteak, Salate, Pommes, Sauce Bearnaise, Bier, Bier, Bier, Fernet Branca. Ach du meine Güte. Dann Stellungswechsel Päffgen Altstadt - und völliger Abschuss inklusive Breakdown of all vital systems. Machte ja nichts, wir alle hatten frei am nächsten Tag - in weiser Voraussicht. Pennen war in Piets Wohnung. Über die weiteren Vorgänge möchte ich schweigen, gebe aber den Hinweis, daß um 3 Uhr 35 eine sehr energische Streife bei uns auf lief und die Versammlung für beendet erklärte.


    Grosser Tag, grosser Abend, grosse Nacht.

    Lettore silenzioso

  • Meine Frau und ich haben Freunde in Frankfurt. Oder sagen wir es so - er und ich sind Freunde und meine Frau und seine Frau sind Freundinnen. Und insgesamt sind wir ne gute Gruppe. Meine Frau ist der festen Überzeugung, daß ich - sobald es um Fussball im allgemeinen und den FC im speziellen geht - die Steuerungsfähigkeit verliere. Die Frau meines Freundes sieht das genauso bei ihrem Mann - nur das es da nicht um den FC sondern um die Eintracht geht. Ist jetzt 20 Jahre, da waren wir eingeladen in Frankfurt. Köln war vor der Saison 2000/2001 aufgestiegen und spielte eine respektable Saison und die Eintracht war gerade dabei durch zu sacken, bedenkliche Entwicklung. Lienen war Trainer in Köln, Magath in Frankfurt.


    Das Spiel war an einem Samstag Abend. "Wenn wir mit zum Fussball gehen(müssen), dann müsst ihr aber mit zum Einkaufen", so die völlig krause Einlassung meiner Frau Gemahlin. Die ich umgehend konterte mit dem Hinweis:"Wenn ihr nicht mit zum Fussball müsst, dann müssen wir auch nicht mit zum Einkaufen."........HAHAHA. Selten so gelacht. Natürlich gingen wir mit zum Einkaufen, Bummeln, Flanieren - nennt es wir ihr es wollt. Mein Freund ist kein Freund dieser Angelegenheiten und ich bin es auch nicht - aber da hat man keine Chance. Das musst du in stoischer Gelassenheit über dich ergehen lassen, sonst gehst du kaputt. Also: Einkaufen. Und danach ein frühes Abendessen. Und danach raus zum Waldstadion - so hiess es damals ja noch.


    Knappe 30.000 Zuschauer waren da. Der FC mit folgender Aufstellung: Bade - Sichone Cichon Keller Cullmann Dziwior Springer Lottner Scherz Timm Kurth. Frankfurt unter anderen mit Nikolov in der Bude, Hubschwew, Kracht, Gebhard, Sobotzik und einem gewissen Horst Heldt. Frankfurt fing ganz gut an, hatte einige Ecken und wirkte - zunächst einmal - gefährlich. Nach 12 Minuten kommen wir das erste Mal vor deren Tor und die pennen in der Mitte und wir führen 1:0 durch Kurth. Ich springe auf, Jubel. Mein Freund springt auf, Frust. Meine Frau und seine Frau reden völlig ungerührt weiter. Mein Kumpel und ich schauen uns wortlos an, kein Kommentar. Nach einer halben Stunde unterläuft Frankfurt ein Eigentor, 0:2. In Minute 35 macht Scherz das 3:0 und 5 Minuten später macht Kurth das 4:0. Riesenjubel bei mir, Riesenentsetzen bei meinem Freund. Wir gehen zu viert in der Halbzeitpause nach oben, ein wenig die Beine vertreten. Frankfurt liegt 0: 4 hinten, ein Desaster. Seine Frau:"Wir haben uns schon darüber unterhalten, wo wir gleich noch hin gehen. In die Bar xxx, da boxt der Papst im Kettenhemd:"....Mein Freund rastet sofort aus: "Uns geht es hier ans Leben, dein Mann steht kurz vor dem Infarkt und Madame erzählt hier was über die Bar xxx und den Papst im Kettenhemd. Das kann doch gar nicht sein."....Meine Frau - völlig ungerührt - sagt:" Ach hör mal, das ist doch nur Fussball. Noch eine Halbzeit, dann ist vorbei und wir machen uns einen schönen Abend:".......Ich drehe mich um - niemand soll jetzt mein Gesicht sehen. Das ist ja Wahnsinn, was sich hier abspielt.


    Zweite Halbzeit. Frankfurt macht das 1:4, wir machen das 1:5.


    Anschliessend gehen wir in die Bar XXX. Den Papst habe ich da nicht gesehen, aber es ging ganz schön ab. Mein Freund war sehr betrunken, ich hatte den Eindruck, daß er einfach viel Alkohol brauchte an diesem Abend - nicht nur wegen des Spieles. Ich war einigermassen angeschossen und die Damen waren sehr lustig. Höhepunkt der Veranstaltung war, als meine Frau unseren Freund fragte, ob er denn auch in der zweiten Liga zur Eintracht gehen würde. Er könne ja mal mit mir sprechen, wie das so wäre.


    Frauen können schon mal ziemlich unfassbar sein.

    Lettore silenzioso


  • https://ibb.co/4mvStb2


    :thumbs_up:


    Es war ein geiles Spiel!


    Eines dieser typischen Spiele des FC gg. die Eintracht, da habe ich schon alles gesehen, über ein 7:0, 4:4, 3:6, dieses 5:1 und was weiß ich alles, hüben wie drüben, sowohl in Frankfurt als auch in Müngersdorf.


    Ich glaube 2 Jahre später nach diesem 5:1 in Frankfurt spielten wir bei der Eintracht samstags nachmittags, ein Spiel zum Weglaufen von beiden Seiten, beide schlecht bis zum Abwinken. Kumpel von mir, auch FC-Fan, arbeitete damals in Frankfurt und hatte bei der Eintracht Karten für dieses Spiel organisiert. Wir saßen mitten im Eintracht-Block, gab auch überhaupt keine Probleme. Die Frankfurter das ganz Spiel über am Fluchen wie die Rohrspatzen, wir ebenso. So nach einer Stunde machte Eintracht Frankfurt aus dem Nichts das 1:0, Jubel, Trubel, Heiterkeit unter den Eintrachtlern, dann legte sich das schnell wieder und es war gähnende Stille im Block. Dann sagte ein Frankfurter im typischen Frankfurter Dialekt "des Tor laach en de Luft". Der ganze Block am gröhlen. Werde ich nie vergessen.

  • Der 1.FC Köln hatte viele grosse Torhüter. Frans de Munck, "de Plaar" Ebert, Milutin Soskic, Gerd Welz, Harald Schumacher, Bodo Ilgner. Einer der Besten war Manfred "Cassius" Manglitz, der morgen - am 8.3.2021 - 81 Jahre alt wird.


    Was haben Bauunternehmer Josef Esch und Manglitz gemeinsam?! Die Frau. Esch heiratete nämlich 1989 die Ex Frau von Manglitz. Es ist allgemein bekannt, daß Esch ein - sagen wir mal - kontroverser Charakter war. Nun, das war Manglitz nicht minder. "Der kommt mir nicht in die Bude. Das ist ein Räuber". Wer sagte diesen Satz?! "Boss" Kremer war das. Und zwar als Replik auf den Vorschlag Manglitz(der ja Kölner war) von Meiderich zurück in die Heimatstadt zu holen. Manglitz war in Meiderich(nachdem er vorher in Leverkusen gespielt hatte) eine richtig grosse Nummer geworden. Spitzentorwart und Nationalspieler, deutscher Vizemeister mit dem MSV 1964. Dazu der erste Torwart, der ein Tor in der Bundesliga erzielte. Statt Manglitz wurde der jugoslawische Weltauswahl Torhüter Soskic verpflichtet, wahrlich auch keine schlechte Wahl. Soskic wurde 68 mit dem FC Pokalsieger. Aber dann kam die unglückliche Serie 68/69, in der sich Soskic gegen Kaiserslautern das Bein brauch. Und im Rückspiel - gegen Lautern - nochmals. Köln wäre ohne vernünftigen Torwart fast abgestiegen, trotz Thielen, Weber, Löhr und Overath. Neuer Torwart musste verpflichtet werden. Der "Boss" war verstorben, die Bahn frei - Manglitz kam nach Köln. Und Manglitz schlug ein und wie. In der Saison 69/70 war er nicht nur der beste Torwart Deutschlands, sondern einer der überragenden Keeper in Europa. Das sahen(fast) alle so, aber Bundestrainer Schön mochte Manglitz nicht und gab "Sepp" Maier den Vorzug.


    In der Saison 70/71 knüpfte Manglitz nahtlos an die Leistungen an - zunächst. In der Rückserie machte Manglitz unerklärliche Fehler. Seltsame Fehler. Beim letzten Spiel gegen Offenbach sass er auch nur auf der Bank.


    Nach dem letzten Spieltag platze die Bombe. Offenbachs Präsident Canellas liess anlässlich seines 50ten Geburtstages - anwesend grosse Teile der DFB Spitze - ein Tonband laufen. "Partner" im Gespräch: Manfred Manglitz. Es kam alles raus, Manglitz wurde das Gesicht des Bundesligaskandals. Lebenslang gesperrt(nach Jahren begnadigt), Ende der Karriere.


    Manglitz wurde Geschäftsmann, ging nach Spanien. Hatte Restaurants und Reinigungen. Beteuerte immer wieder, daß er mit sich und dem Leben im Reinen war. Sagte, daß Canellas ein Drecksack gewesen sei. Ein Verräter. Er dagegen - Manglitz - hätte niemand verraten, Ganovenehre gehabt. Naja, so kann man es auch sehen.


    Ich weiss noch, daß ich wie versteinert war als ich vom Skandal erfuhr. Und mein Vater und mein Onkel noch mehr, ich konnte als kleiner Junge das Ausmass kaum erkennen. Spiele verschieben - das kam in unserer Welt nicht vor. Manglitz war ein Spielverschieber, ein Betrüger. Alles, um "ne Mark zu machen", denn da war Manglitz schon immer sehr findig gewesen - "Boss" Kremer hatte das gewusst. Und deswegen wollte Kremer Manglitz auch nie haben, so ein Typ im Tor war sozusagen die personifizierte Aufforderung. Wie sagte mein Vater mal über Manglitz: "Manglitz war kein Ganove. Manglitz war ein Fussballverbrecher". Hart, oder?!...Ich habe es gut verstanden und ihm zugestimmt.


    Aber - Manfred Manglitz war auch ein brillanter Torwart, wirklich. Eine imposante Figur zwischen den Pfosten, der flösste dem Gegner einen wahnsinnigen Respekt ein.

    Lettore silenzioso

  • Ich möchte einmal daran erinnern, daß wir heute vor exakt 43 Jahren im deutschen Pokalendspiel gegen Fortuna Düsseldorf spielten.


    Bewegte Wochen waren das damals. 14 Tage vorher hatte der FC ein ganz wichtiges Heimspiel gegen Frankfurt mit 0:1 verloren, aber in der Woche darauf ein ganz wichtiges Auswärtsspiel in KaIserslautern gewonnen. Am 22.04. würde es in Müngersdorf gegen Stuttgart den nächsten Showdown auf dem Weg zur Meisterschaft geben. Aber zwischendrin - am Samstag, dem 15. April 1978 - war das Pokalendspiel zwischen den alten rheinischen Rivalen. Austragungsort Gelsenkirchen vor 70.000 Zuschauern in einer ausverkauften, erwartungsfrohen Arena.


    Köln war als Tabellenerster Favorit, ja. Aber die Düsseldorfer - am Ende des Jahres 5ter der Liga - waren stark. Zewe, Gerd Zimmermann, Seel, Köhnen, Baltes, Brei, Hickersberger - dass waren schon Grössen in der Liga. Nicht zu vergessen Klaus Allofs, damals eines der grössten Sturmtalente der Republik. In Köln hatte der FC mit 1:0 das Ligaspiel gewonnen, dafür hatten die Düsseldorfer den Kölnern beim Saisonauftakt mit 5:1 mal so richtig einen eingeschenkt. Der alte Trainerfuchs Hennes Weisweiler hatte exakt aus dieser Pleite die richtigen Lehren gezogen. Er wusste ganz genau, daß die Spielanlage der Düsseldorfer einem (zu) offensiven FC nicht entgegen kommen würde und stellte die Mannschaft defensiv ein(wie schon beim gewonnenen Heimspiel).


    Köln spielte mit der Meistermannschaft: Harald Schumacher im Tor, in der Verteidigung Harald Konopka und Herbert Zimmermann. Libero war Roland Gerber, Vorstopper Gerd Strack. Defensives Mittelfeld Bernd Cullmann, davor Herbert Neumann und Kapitän Heinz Flohe. Rechtsaussen Roger van Gool, Linksaussen Yasuhiko Okudera und Mittelstürmer Dieter Müller, der Torschützenkönig der Liga. Eine ganz besondere Rolle hatte Weisweiler Herbert Neumann zugedacht, der wesentlich defensiver agieren sollte als im normalen Ligabetrieb, um die Düsseldorfer unter Kontrolle zu halten. Eine Massnahme - so viel so weg genommen - ebenso richtig war wie zum Erfolg beitrug.


    Düsseldorf war stark und Düsseldorf war besser in der ersten Hälfte. Köhnen deckte Heinz Flohe Messerscharf und der Kapitän schaute mehr als einmal irritiert zum Schiedsrichter, weil der schon einiges durch laufen liess. Cullmann und Neumann hatten im Mittelfeld defensiv einiges zu tun, um Düsseldorf läuferisch und kämpferisch unter Kontrolle zu halten. Und die Düsseldorfer Spitzen machten Zimmermann, Strack und Konopka durch ihr variables Spiel eine Riesenmühe. Bei den Kölner waren van Gool und Okudera weitestgehend neutralisiert, während Zewe und Zimmermann hingegen einige Mühe hatten einen agilen Müller unter Kontrolle zu halten. Bester Kölner aber bis zur Halbzeit der Mann im Tor - Toni Schumacher souverän und mit der Ausstrahlung "Egal, was kommt - an mir geht nichts vorbei". Düsseldorf mit Chancenplus zum Seitenwechsel in einem rassigen, schnellen Spiel.


    In Halbzeit drehte Köln auf. Neumann jetzt offensiver, aber ohne seine defensive Grundeinstellung zu vernachlässigen. Zimmermann ebenfalls mit guten Offensivaktionen, aber seine Flanken kommen einfach zu wenig durch. Cullmann enorm laufstark und seine Vorstösse bringen Düsseldorf einige Male ins Wanken, zumal Müller nach wie vor der gefährlichste Angreifer auf dem Platz ist. Das Spiel bleibt aber offen und der FC muss aufpassen. Aufpassen besonders auf Allofs, aufpassen aber auch auf Libero Zewe, der immer wieder intelligente offensive Akzente setzt.


    In Minute 70 gibt es auf der rechten Düsseldorfer Seite einen Freistoss und Konopka legt sich den Ball zurecht. Konopka Flanke?! Da war doch was, denken die Düsseldorfer und decken Dieter Müller ganz eng. Konopka bringt den Ball rein und Kopfball Torpedo - der Ball zappelt im Düsseldorfer Netz. Aber es ist nicht Dieter Müller, sondern Bernd Cullmann, der getroffen hat. Grenzenloser Jubel beim Kölner Anhang. Düsseldorf gibt das Spiel nicht verloren, aber die Abwehr des FC ist ein Bollwerk. Und der alles überragende Toni Schumacher fischt weg, was die Abwehr nicht wegräumen kann. 90te Minute - tiefer Ball auf Müller und der mit einem Spitzenabsatzkick auf van Gool. 2:0 für den FC, das Spiel ist gelaufen. Zwei Minuten später der Abpfiff.


    Köln hat gewonnen, die reifere und die kältere Mannschaft hat für sich das Spiel entschieden. Düsseldorfer ein grosser Endspielgegner, ein wenig mit den Umständen hadernd. Randnotiz: Köln kam ohne Auswechslungen aus, Düsseldorf wechselte spät Bommer für Lund ein. Beim FC bleiben nach dem Spiel die ganz grossen Feierlichkeiten aus, das grosse Ziel Meisterschaft muss erst noch geschafft werden.


    Mein Vater, mein Onkel und ich - wie immer zusammen auf dem Feld der Ehre - feiern ein wenig, Pokalsieger wirst du auch nicht jeden Tag. Ein schönes Essen am Ende eines schönen, erfolgreichen Tages und ein paar Bier für die "alten Herren" und Cola und Limo für mich. Unser Wirt kommt aus der Küche und beglückwünscht uns. Und sich, denn auch er ist ein in der Wolle gefärbter Kölner Anhänger. "Jetzt werden wir auch Meister", sagt er. Er soll Recht behalten. Was er nicht weiss ist, daß uns noch turbulente 180 Minuten in den nächsten beiden Spielen drohen. Aber das ist dann wieder eine andere Geschichte.


    Mit dem Endspiel 1978 und der Meisterschaft 1978 endet die grosse Geschichte des Fussball Westens im nationalen Fussball. Ja, Borussia Dortmund gewinnt noch 5 x die Deutsche Meisterschaft später und auch einmal das Double. Aber das in der Liga unter den ersten Sechs vier Westvereine sind(Köln, Gladbach, Düsseldorf und Duisburg), das zwei Vereine des Westens dazu das Pokalendspiel bestreiten, das 8 Vereine des Westens in der ersten Liga spielen, das der Vizemeister und der Meister aus dem Westen sind - das hat es nie mehr gegeben. Köln spielt - wieder einmal - gegen den Abstieg. Gladbach wird wohl um Platz 8 einlaufen. Düsseldorf spielt in Liga 2, Duisburg in Liga 3.


    Those were the times.

    Lettore silenzioso

  • Heute vor 43 Jahren wurde der FC Köln Deutscher Meister und vollendete mit einem 5:0 in Hamburg gegen den FC St. Pauli das Double.


    Die Meistermannschaft:
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    Schumacher - Konopka Strack Gerber Zimmermann - Cullmann Neumann Flohe - van Gool D.Müller Okudera.


    Ausserdem in dieser Saison eingesetzt: Hein, Prestin, Nicot, Simmet, Willmer, Löhr, Glowacz. Eingesetzte Spieler: 18(ja, da konnte man mit 18 Spielern noch Deutscher Meister werden).


    Spieler der Saison: Heinz Flohe(unser Kapitän)


    Bester Torschütze und Bundesliga Torschützenkönig: Dieter Müller, 24 Tore


    Meisterschaft wurde errungen, obwohl es zu einem epischen Betrug durch die unsäglichen, verdammungswürdigen Rübenbauern kam.


    Es lebe der 1.FC Köln.

    Lettore silenzioso

  • Die Dortmunder waren da aber auch Aktionäre, sie haben sich ja willenlos abschlachten lassen. War damals in Düsseldorf live dabei. Und Du ja auch! :smiling_face:

    Wie könnte ich das vergessen. Blut und Wasser geschwitzt....du hast natürlich Recht: die Dortmunder waren natürlich auch dabei....vielmehr, sie waren eben nicht dabei - Schimpf und Schande über sie. Nichtsdestotrotz: wieder einmal die klare Betrugsdurchführung seitens Rübentown. Man muss sich mal vorstellen, daß der halb kaputte Josef Heynckes mit einem Knie, das so dick war wie ein Kürbis gegen die 5 Tore in diesem Spiel machen konnte, weil da ordentlich "vorgearbeitet" wurde.


    Da hätte es nur zwei Konsequenzen gegeben:
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    (a) lebenslange Sperre für alle beteiligten Dortmunder Spieler
    (b) den Verein BMG auflösen und den Verein aus dem Vereinsregister tilgen inklusive Aberkennung aller - ohnehin erschwalbten und erlogenen - Titel.


    Was passiert?! Natürlich nichts. Die Dortmunder bekommen vom Präsidium eine lächerliche Geldstrafe. Gladbach wird auch noch gelobt wegen eines "grossen" Spieles. Und Oberklopper Berti Vogts, der "sauberste" Sportsmann aller Zeiten darf auch noch die Nationalmannschaft als Kapitän bei der WM in Argentinien anführen. Und somit unseren wahren Sportsmann Harald Konopka um den wohlverdienten Posten des Rechten Verteidigers zu bringen.


    Gerechte Strafe, daß Bundesklopper Berti in seinem letzten Länderspiel gegen Österreich bei der historischen 2:3 Pleite von Cordoba ein Eigentor beisteuerte. Karma halt, lieber Berti.

    Lettore silenzioso

  • Ich habe auch gezittert, es war so surreal was sich da tat.


    Aber die Belohnung kam nach dem Spiel. Jede Menge heulender Dortmund-Fans nach Spielschluß weil's die größte Klatsche aller Zeiten war. Jede Menge heulender Rüben weil's trotz Betrug immer noch nicht gereicht hatte.


    Inmitten des ganzen schwarz-gelben und schwarz-weiß-grün heulenden Elends: Ein blutjunger Steppke der wie ein Honigkuchenpferd strahlte - ich! :face_with_tears_of_joy:

  • Samstag spielen wir gegen Schalke um den Bundesligaerhalt.


    Vor 45 Jahren, am 25.05.1976 spielten wir auch gegen Schalke. Es war ein Nachholspiel in der Woche. "Unter Flutlicht", wie es damals immer so schön hiess. Tolle Atmosphäre, 40.000 in Müngersdorf(was ja damals ein Topbesuch war) und zwei Mannschaften, die um den Einzug in den UEFA Pokal kämpften.


    Für den FC war diese Saison 75/76 wirklich gemischt gelaufen. Die Krankheit von Dieter Müller(nasse Rippenfellentzündung, man munkelte von Karriereende) hatte der Mannschaft in der Vorrunde jede Schärfe vorne geraubt. Hannes Löhr, mittlerweile fast 34, konnte es alleine nicht richten und der absolute Tiefpunkt kam als wir zu Nikolaus 75 gegen Gladbach 0:4 verloren. Danach wurde Cajkovski entlassen und der Altinternationale Georg Stollenwerk übernahm und brachte die Mannschaft sukzessive wieder in Schwung. Und Müller kam zurück und war ab Mitte April 76 wieder der Alte.


    Das Hinspiel hatte der FC in Gelsenkirchen mit 3:1 verloren. Verdient verloren, denn Schalke macht ein sehr gutes Spiel. Jetzt musste die Revanche her, man wollte unbedingt wieder in das internationale Geschäft. Cullmann und Weber waren verletzt und so fand Stollenwerk folgende Aufstellung:


    Schumacher - Konopka Gerber Zimmermann Hein - Simmet Overath Flohe - Glowacz Müller Löhr. Der FC Schalke 04 mit Grössen wie Nigbur, Sobieray, Rüssmann, Fichtel, Bongartz, Oblak, Abramczik, Fischer, Erwin Kremers. Helmut Kremers fehlte. Es entwickelte sich von Anfang an ein sehr gutes Spiel mit vielen Torraumszenen. Besonders auffallend beide Mittelstürmer - Klaus Fischer und Dieter Müller bereiteten den jeweiligen Abwehrreihen arge Problem, obwohl Libero Gerber bei Köln ein Topspiel absolvierte. Fischer machte dann nach 26 Minuten auch das 0:1 für Schalke, frenetisch bejubelt vom mitgereisten Schalker Anhang. Der rund 10 Minuten später verstummte, als Dieter Müller das 1:1 erzielte. Und das war das Halbzeitergebnis, ein gerechtes Resultat nach einer temporeichen Angelegenheit. Bei uns auf den Rängen war das Thema die neue Innenverteidigung. Roland Gerber bekam viel Lob. Herbert Zimmermann sah insbesondere mein Vater als Innenverteidiger eher kritisch. "Verlässt sich zu viel auf seine Schnelligkeit und ist nicht Kopfballstark genug", so das Urteil. Uneingeschränktes Lob bekam indes Heinz Flohe, der - wieder einmal - mit einigen Soloeinlagen der Extraklasse glänzte, aber ein wenig Pech im Abschluss hatte.


    In Halbzeit 2 regierte Köln und nach 65 Minuten war es so weit - Overath erzielte das 2:1. Danach hätten auf beiden Seiten mehrere Treffer fallen können, wenn nicht gar müssen - aber sowohl Schumacher als Nigbur zeigten sich glänzend disponiert und Müller hatte Pech mit einem Kopfball gegen den Pfosten. Bemerkenswert auch an diesem Spiel, daß - im Gegensatz zur Hinrunde - beide Trainer von damals nicht mehr auf der Bank waren. Cajkovski - siehe oben - war geschasst worden. Und auch Max Merkel . mit grossen Erwartungen vor der Saison nach Schalke geholt, war im März 1976 gefeuert worden. Auf den guten Max hatte ganz besonders mein Onkel komplett das Messer geschliffen, weil Merkel während seiner Nürnberger Zeit in einem Spiel gegen Köln den damaligen Trainer Multhaup und vor allem Köln`s Ikone Hans Schäfer bedroht hatte. Nun, Merkel war nicht mehr dabei - Friedel Rausch hatte übernommen und wurde mit den Schalkern ein Jahr später immerhin Vizemeister.


    Vizemeister und europäisches Geschäft - davon sind beide Vereine weit entfernt mittlerweile. Der FC Schalke 04 ist definitiv abgestiegen, für den FC geht es am Samstag um alles. Wir werden gewinnen und wir bleiben drin - das sagt mir mein Bauch, mein Herz und mein Verstand.

    Lettore silenzioso

  • Immer wieder geile Stories von Dir! :thumbs_up:


    Wenn man da die Namen beider Mannschaften sieht - Mann, mann, mann.....


    Und dann heutzutage die Spieler derselben Clubs im Vergleich. Da wird's mir übel.

  • Auf den guten Max hatte ganz besonders mein Onkel komplett das Messer geschliffen, weil Merkel während seiner Nürnberger Zeit in einem Spiel gegen Köln den damaligen Trainer Multhaup und vor allem Köln`s Ikone Hans Schäfer bedroht hatte.


    Was hat es denn damit auf sich?


    Erzähl mal...

    PRO FC, meine Liebe, meine Stadt, meine Partei.


    Skymax (Praeses Emeritus), Ich (Präsident), sharky (Vize), Flykai (Schriftführer), grischa, Heimerzheimer (Ehrenmitglied), caprone, elkie57, winter, Matze86, frankie0815, floedi_82, kölsch, banshee, ManwithnoName, Mittelfeld, effzeh, der Pitter, Hunsrück FC, Je(n)sus, troemmelche71, izeh (Catering), BadischerBock, Salival (Klofrau), Rodi, Die_Macht_am_Rhein (Pressesprecher), Hassenichjesehen (Nummerngirl), lunyTed (Azubi), Kimeo, Olemaus.

  • Oropher, ich war ja selbst nicht dabei - also ich versuche mal zusammen zu kriegen was mein Onkel dazu sagte.


    Saison 67/68 sah einen 1.FC Nürnberg unter dem grossen Zampano Max Merkel, der förmlich durch die Bundesliga rollte. Neben dem Erfolg gab es auch - gefühlt - jeden Tag einen Merkel Spruch. Einer der bekanntesten wurde folgender....Max Merkel liess seine Nürnberger Truppe in Habacht Stellung antreten und dann die komplette Mannschaft den Kopf schütteln. Auf die schüchterne Nachfrage, was es damit auf sich habe, sagte Merkel(natürlich auf Wienerisch): "Das macht ihr, wenn euch einer fragt ob ihr Fussball spielen könnt".


    OK. Merkel kam als unangefochtener Tabellenerster nach Köln. Die Nürnberger hatten den Ruf, ein paar sehr gute Techniker(Czebinac, Volkert, Strehl) dabei zu haben. Aber auch in Wenauer, Popp, Luggi Müller ein paar eisenharte Kameraden. Sagen wir es so: die Mannschaft galt als sehr athletisch. Gegen Spieler wie Wolfgang Overath stellte man immer einen Fussballer der Härteklasse A, der im Grunde genommen nur die Aufgabe hatte, Techniker a la Overath aus dem Spiel zu treten. Die Atmosphäre war wohl schon nach 10 Minuten völlig vergiftet. Merkel provozierte darüber hinaus massiv das Publikum mit abfälligen Handbewegungen und dem Götz von Berlichingen Zitat. Nürnberg ging 2 x in Führung, Köln glich jeweils aus und ging durch Elfer Overath in Führung. Schon vorher hatten sich Multhaup(auch ein Startrainer der damaligen Zeit und unter anderem Europapokalsieger mit Borussia Dortmund), mit dem ihn eine herzliche gegenseitige Abneigung verband und Merkel verbale Scharmützel geliefert, bei denen sich Merkel(und dafür gab es Zeugenaussagen - das spielte später noch eine Rolle) zunehmend im Ton vergriff. Nach dem Elfer für Köln sagte Merkel dann Multhaupt "er würde ihm eins ihn die Goschen hauen". Worauf Hans Schäfer sich bemüssigt sah, seinem Trainer zur Seite zu stehen und von Merkel ebenfalls Prügel angeboten bekam. Worauf wieder Schäfer Merkel sagte, daß der ja schon zur aktiven Zeit nur getreten hätte(Merkel galt als Aktiver als einer der härtesten Verteidiger Europas). Also, jede Menge Theater, garniert mit weiteren Einlagen Merkels gegen das Publikum. Das Spiel ging übrigens 3:3 aus.


    Merkel wurde ein paar Monate später vom DFB Schiedsgericht angeklagt und für "schuldig" befunden. Wegen dieser und anderer Klamotten und erhielt die für damalige Verhältnisse astronomische Geldstrafe von 12.000 DM(die der FC Nürnberg übernahm).


    Der gute Max - bezahlt haben ja eh andere - konnte es verschmerzen. Nürnberg wurde Deutscher Meister 67/68 und Merkel galt als wahre Ikone.


    Im Frühjahr 69 wurde Merkel gefeuert, Nürnberg war Abstiegsbedroht. Zum ultimativen Finale ging es nach Köln zum FC, dem amtierenden Pokalsieger. Meister gegen Pokalsieger - beide vor der Saison hoch gehandelt, nun würde einer absteigen. Köln gewann 3:0(wonach es lange nicht aus sah) und blieb drin. Nürnberg stieg als amtierender Meister und Rekordmeister ins Unterhaus ab - für den stolzen Club seinerzeit eine unfassbare Schmach.


    Max Merkel blieb für meinen Onkel lebenslang das bewusste "rote Tuch". Ich weiss noch, als Merkel - viele Jahre später - ins Karlsruhe ein Comeback als Trainer feierte und der FC die bei Merkel`s Antritt 4:1 auseinander nahm: "Dem Wiener Kotzbrocken haben wir es gezeigt".

    Lettore silenzioso